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Hansueli Loosli: «Das ist ein Witz»

Loosli
Hansueli Loosli: «Viele Läden kehren in die Quartiere zurück.»Quelle: Roland Schmid

Hansueli Loosli, Präsident von Coop und Swisscom, ist genervt von subventionierten Paketen aus China und fordert 5G in der Schweiz.

Von Stefan Barmettler
am 23.08.2018

Sie waren eben in Südchina auf Firmen­besuch. Was ist der grosse Unterschied ­zwischen Shenzhen und Worblaufen?

Hansueli Loosli: Shenzhen ist eine Wirtschaftsmetropole mit 12 Millionen Einwohnern, ein dynamisches Tech-Zentrum bei Hongkong. Worblaufen ist ein Vorort von Bern und hat 11 000 Einwohner, da ist der Hauptsitz der Swisscom.

In Shenzhen haben Weltkonzerne wie ­Huawei oder Tencent ihre Zentralen. Da geht die Post ab. In Worblaufen auch?

Als ich vor 20 Jahren erstmals Shenzhen besuchte, war es noch ein Dorf. Die Textilindustrie machte sich breit, weil es ihr in Hongkong zu teuer wurde. Dann zog die Textilindustrie weiter nach Vietnam . Heute ist die Stadt ein Konkurrent zum Silicon Valley. Die Leute, die nun dort arbeiten, stammen aus ganz China. So ist es – zumindest im Kleinen – auch in Worblaufen. Swisscom hat sich stark entwickelt, da arbeiten Leute aus der ganzen Schweiz – und aus dem Ausland.

Swisscom hat eine Partnerschaft mit ­Huawei. Ist Datensicherheit für Swisscom nicht zentral?

Doch. Huawei liefert Komponenten für unser Festnetz, den Betrieb bewerkstelligen wir selber. Dadurch ist unsere Datensicherheit nicht tangiert. Und dann frage ich mich, was so anders ist bei einem Komponenten-Anbieter aus den USA

Sie meinen: Alle spionieren?

Wer weiss das schon? Entscheidend ist, dass man den Betrieb und die Daten in den eigenen Händen hält und zentrale Elemente und Funktionen nicht an Dritte weitergibt.

In China gibt es keinen Anspruch auf ­Privatsphäre. Das stört Sie nicht?

Mir persönlich ist die Privatsphäre wichtig, Zustände wie in China kann ich mir bei uns nicht vorstellen. Offenbar stören sich die Chinesen nicht daran, dass die ihrige nicht so hoch gewichtet wird. Auf der anderen Seite staune ich immer wieder, wieviel Privates die Leute hierzulande auf Facebook oder anderswo preisgeben. Aber klar bin ich der Meinung, dass der Standort Schweiz in Sachen Sicherheit einen hohen Standard haben muss. Wenn wir eine Cloud in der Schweiz betreiben, dann sind Sicherheit und Zuverlässigkeit gute Verkaufsargumente. Daten in der Schweiz speichern zu können, ist ein USP für uns. 

Eine Cloud mit dem Label «Swiss secured» als Verkaufsargument?

Absolut. Oder nehmen Sie ein Rechenzentrum im Gotthardmassiv – ein tolles Symbol. Unsere Wirtschaft ist zwar global, aber bei der Datenhaltung ist essentiell, wo die Daten verarbeitet und gespeichert werden. Es gibt viele Kunden, auch aus dem Ausland, die ihre Daten in der Schweiz haben wollen. Das ist eine Chance für uns. Gerade auch, wenn sich das Internet of Things (IoT) weiterentwickelt.

Und wann kommt eine einfache Cloud-Lösung der Swisscom für Privatkunden? Eine Schweizer Alternative zu Microsoft OneDrive oder Google Drive?

Wir haben dies geprüft, Tests gemacht und entschieden: Wir konzentrieren uns auf das, was wir können, das heisst Infrastruktur betreiben und Dienstleistungen wie MyCloud für Privatkunden und die Enterprise Cloud für Geschäftskunden erbringen. Als Privatlösung haben wir mit myCloud einen kostenlosen Online-Speicher für multimediale Inhalte wie Filme und Fotos. Die Dateien lassen sich ebenfalls teilen mit anderen – eine Art Dropbox. Swisscom kann nicht Google Drive ersetzen. Diesen kann man sich nur leisten, wenn man eine Geldmaschine wie Google im Hintergrund hat. Für die Swisscom rechnet sich das nicht. 

Die Swisscom kämpft mit einem riesigen Nachteil in der Digitalisierung – das Nein der Politik zur Lockerung der Antennengrenzwerte bei 5G.

Ich kann das nicht nachvollziehen. Die Konsumenten wollen alles online, rund um die Uhr. Die Firmen bauen auf IoT und digitalisieren ihre Prozesse. Dazu ist 5G eine Voraussetzung. Die Chinesen werden am 1. Januar 2019 den Schalter drehen und auf den Standard 5G schalten. Auch in der EU sind die Grenzwerte bei weitem nicht so streng wie in der Schweiz.

Wir dürfen dafür über die Länge der ­Kuhhörner abstimmen. 

Immerhin geht’s bald ein Schrittchen weiter: Im Januar findet die Auktion der Frequenzen statt. Wir sind damit in Europa fast die letzten. Wenn sich die Politik bei den Antennengrenzwerten nicht bewegt, müssen wir mehr Antennen bauen, um 

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Funktionalitäten von 5G verfügbar zu machen. Nur: Das ist überaus aufwändig. Wenn die Politik nicht mitzieht, wird der Aufwand grösser, verbunden mit höheren Kosten und wir können das volle Potenzial der neuen Technologie nicht ausschöpfen. 5G lässt sich nicht aufhalten.

Nimmt die Politik doch noch die Kurve?

Im Ständerat ist die Lockerung der Grenzwerte knapp gescheitert. Ich bin überzeugt: In der zweiten Jahreshälfte kommt diese Diskussion nochmals auf. Ich hoffe schwer, dass ein Umdenken stattfindet. Denn 5G ist für die Wirtschaft enorm wichtig. Das sehe ich bei Coop: Um die Logistik on- und offline kostengünstig und effizient im Griff zu haben, sind wir auf 5G angewiesen. Oder der Fleischverarbeiter Bell: In Grossmetzgereien werden längst Roboter eingesetzt. Dafür braucht es ebenfalls 5G. Oder denken Sie an die Fahrzeugflotten, die irgendwann autonom fahren soll. Auch dafür braucht es 5G.

Der Multi-Präsident

Name: Hansueli Loosli

Funktion: Präsident des
Verwaltungsrats von Bell, Coop, Transgourmet, Swisscom

Alter: 62

Ausbildung: Kaufmännische -Lehre, Eidg. dipl. Experte für
Rechnungslegung und Controlling

Karriere: 

1982 bis 1985: Controller
Mövenpick

1985 bis 1992: Direktor Waro

1992 bis 1996: Direktor Waren
beschaffung Coop, Geschäfts-führender Direktor Coop Zürich

1997 bis 2011: Vorsitzender
Geschäftsleitung Coop Gruppe

seit 2011: Präsident Swisscom-VR und Coop-VR

In China wird übers Handy eingekauft, bezahlt, gespielt, geschaut, telefoniert. Davon ist man der Schweiz weit entfernt. 

Das ist so. Wir sind nicht China, wo sehr vieles, auch Zahlungen, durch einen Scan des persönlichen QR-Codes mit dem Smartphone funktioniert. Aber es ist auch in der Schweiz einiges in Bewegung. Es wird neuen Schub geben, wenn Alipay im vierten Quartal in die Schweiz kommt. Dann steht auch WeChat, der grosse Konkurrent von Whatsapp, vor der Tür. Um das Mobile Payment bei uns zu ermöglichen, ist WeChat derzeit ja mit dem Finanzdienstleister Six im Gespräch, wie ich der «Handelszeitung» entnahm. 

Mobil zahlen mit WeChat:  was für Sie?

Ich habe einen Account, aber das Problem ist, dass man ein Konto bei einer chinesischen Bank haben muss. Soweit bin ich noch nicht.

Nebst Twint und EC Karte geben Ausländer bei Payment-Angeboten den Ton an.

Wir haben beim mobilem Bezahlen auch schon ein paar Schritte gemacht. Beim Coop-Umsatz wird bereits zu 60 Prozent bargeldlos bezahlt.  

Die meisten mit EC-Karte, die wenigsten mobil.

Das ist richtig, da gibt’s tatsächlich noch einige Zurückhaltung, weil man halt der Karte mehr vertraut als dem Handy. Aber das wird sich ändern.

Steht sich die Schweiz beim Mobile Payment nicht selber im Weg? Zuerst sind Sie mit Tapit gescheitert, dann einigte man sich auf Twint. Dabei gibt’s längst Apple Pay, Samsung Pay, Alipay.

Dieses Rennen ist noch nicht gelaufen, auch diese Systeme müssen Vertrauen schaffen. Wichtig sind offene Systeme, wie es die Schweizer Lösung Twint ist. Aber Twint muss noch einfacher werden, eine Zahlung auch ohne Code möglich sein. 

In der Telecom-Branche bleibt der ­Preis- und Margendruck?

Sicher, das prägt unsere Branche, mit dem Mengenwachstum lässt sich der Preisdruck nicht voll kompensieren. Aber es gibt schöne Wachstumsfelder: Cloud, Sicherheit, Swisscom TV, eHealth. Gerade bei letzterem haben wir noch einiges vor uns. Nehmen wir das asiatische WeChat: Da kann der Kunde den Arzt-Termin selber buchen, er zahlt via Handy, kriegt die Medikamentenrezepte aufs Handy und die Kosten für Arztbesuch und Medikamente werden direkt mit der Krankenkasse verrechnet. Voraussetzung dafür ist natürlich eine digitale ID. Daran arbeiten wir mit diversen Firmen.

Netflix steckt rund sechs Milliarden in Film- Produktionen. Kein Vorbild für Swisscom TV?

Man muss die Relationen sehen. Wir sind in einem kleinen Markt aktiv und haben nicht eine globale Reichweite wie Netflix. Hingegen streben wir Partnerschaften mit Content-Anbietern an, auch mit Netflix

Also keine Soap aus Swisscom Studios?

Nein, wir produzieren keine eigenen Serien. Das wäre viel zu teuer. Wir wachsen auch so. Wir sind bei Null gestartet und mittlerweile hat Swisscom TV 1,5 Millionen Kunden und ist mit grossem Abstand Marktleader. Mit anderen Worten: Wir gewinnen, andere verlieren. Wir werden wachsen und Swisscom TV mit weiteren Dienstleistungen erweitern.

Big Boss Loosli

Marktleader Hansueli Loosli -präsidiert zwei mächtige Konzerne - Swisscom und Coop. Sie beschäftigen 107 000 Mitarbeiter und -generieren 41 Milliarden Umsatz. 

Wachstum In seiner Zeit als Coop-Chef zentralisierte er den Retailer und setzte auf Wachstum. Zudem kaufte und entwickelte er den Grosshandelsrisen Transgourmet.

Der Swisscom-Aktienkurs ist und bleibt eine Enttäuschung. Nun pendelt er beim Niveau von 2014.

Die Swisscom zahlt 22 Franken Dividende, das ist eine Super-Rendite.

Ein schwacher Aktienkurs kann nicht ­Ihren Ansprüchen genügen. 

Mit der Entwicklung der Aktienkurse der europäischen Telecom-Branche können wir Schritt halten. Nochmals: Eine Swisscom-Aktie ist ein schönes Dividendenpapier. Eine Rendite von rund 5 Prozent in einem Negativ-Zinsumfeld ist attraktiv. 

Sie meinen: Der Aktienkurs ist Ihnen egal?

Natürlich nicht, aber wir haben die Aktionäre in der Vergangenheit mit schöner Dividende bedient. Diese muss zuerst verdient sein. Zudem habe ich einen längerfristigen Blick. Da ist es wichtig, dass das Unternehmen gesund ist und Erträge für Investitionen generiert. Denn klar ist: Wir werden weiter viel investieren müssen. 

Und fitter werden?

Logisch müssen wir auch fitter werden. Wir müssen unsere Kosten runterbringen, um in neue Wachstumsfelder zu investieren, etwa ins Cloud-Geschäft. In wachsenden Gebieten der Digitalisierung müssen wir auch: mehr Leute engagieren. Und vor allem ändern sich die Anforderungen.

Wie teilen Sie Ihre Pensen als doppelter VR-Präsident auf? Vom Montag bis Mittwoch läuft der Ticker für Swisscom, von Donnerstag bis Samstag für Coop?

Exakt aufteilen nach Tagen geht nicht, aber es ist unter dem Strich ungefähr 50:50. 

Und für Ihr Beiratsmandat bei deutschen Milliardenkonzern Deichmann, dem  auch Dosenbach und Ochsner Sport ­gehört, ist der Sonntag reserviert?

Herr  Deichmann hat mich vor rund fünf Jahren gefragt, ob ich im Beirat mitmache. Es ist faszinierend, in einem erfolgreichen, familiengeführten Unternehmen aktiv zu sein, das europaweit präsent ist. Nun wird eines der letzten grossen Länder Europas erschlossen, Frankreich.

Sie begannen als Volg-Lehrling. Nun wird der stationäre Handel durch den E-Commerce bedrängt. Wie geht’s weiter?

Der E-Commerce wird weiter wachsen, keine Frage, aber nur wenig im Nahrungsmittelbereich. Auch weil die Versorgung in der Schweiz immens ist. Alle 5 Minuten geht man an einem Laden vorbei, der frische Nahrungsmittel anbietet. Hingegen bewegt sich viel bei den Dienstleistungen, beim Non-Food, wie zum Beispiel bei der Unterhaltungselektronik. Die Coop-Tochter Microspot hat damit den Umsatz innert vier Jahren verdoppelt.  

Unser Eindruck: Migros ist digital besser unterwegs als Coop. Digitec und Leshop hängen Microspot und Coop@home ab.

Das sehe ich nicht so. Coop@home wächst seit einigen Jahren stärker und Coop ist im Unterhaltungssektor stationär und Online mit rund 2 Milliarden Umsatz klar die Nummer eins in der Schweiz.

Stichwort Selfcheckout: Da hat die Migros einen höhere Dichte. 

Coop hat mit dem Selfcheckout als erster 2013 angefangen. Wir haben heute Läden, die 40 Prozent des Umsatzes im Selfcheckout abwickeln. 

Die Migros-Tochter Digitec Galaxus generiert 860 Millionen Umsatz und brummt.

Digitec hat die Migros zugekauft, wir sind in diesem Nonfood Sektor Marktleader und haben Microspot selber entwickelt. 

Weshalb boten Sie bei Digitec nicht mit?

Wir wurden nicht gefragt und waren schon mit Microspot unterwegs. Ich bin überzeugt: Microspot wird zu einer wichtigen Non-Food-Plattform in der Schweiz.

Microspot, das tönt nach PC und Maus, aber nicht nach Spielwaren.

Wenn ich sehe, wieviel Umsatz Microspot mit Spielwaren macht, dann habe ich den Eindruck, den Leuten ist der Name nicht so wichtig wie Ihnen. Entscheidend ist, dass man das Portal kennt. Das scheint der Fall zu sein: Microspot wächst zweistellig. 

Also keine Namensänderung?

Nein. Wir haben entschieden, dass wir die Marke beibehalten und keine Namensänderung anstreben. Jetzt ist es am Management, diese Plattform weiterzuentwickeln.

Coop@Home ist zwar ein rundes Angebot, aber umsatzmässig liegt man 40 Millionen hinter Le Shop von der Migros.

Migros ist länger am Markt, wir wachsen schneller.

Wann haben Sie Le Shop eingeholt?

Fragen Sie Joos Sutter, er führt Coop

Eine Prognose: Le Shop und Coop@home werden wachsen, im Gegenzug werden die Flächen im Detailhandel einbrechen. 

Beim stationären Handel wird die Dichte der Verkaufsstellen ungefähr gleich bleiben, die Lagen ändern sich. Ein gutes Beispiel ist die Tankstellenshops Pronto-Shop: Das waren einmal 20 Läden, heute sind es 300. Was wir sehen: An Hochfrequenzlagen wird das Angebot breiter, viele Läden kehren in die Quartiere zurück. 

CS-Experten schätzen, dass in den n­ächsten 10 Jahren jeder dritte Laden in der Schweiz verschwindet. Realistisch?

Ich sehe eher, dass die Zahl der Standorte gleich bleibt, hingegen wird sich die Fläche verändern. Shoppingcenter werden den Unterhaltungsfaktor steigern. Ein Sihlcity in Zürich und ein Tivoli in Spreitenbach – das sind Welten. Und der Markteintritt des französischen Sportartikelanbieters Decathlon zeigt, dass durchaus auch neue Anbieter auftauchen, die Lust auf den Schweizer Detailhandel haben.

Wann macht Amazon auch den Detailhändlern das Leben in der Schweiz schwer?

Ich weiss nicht, ob sich für die Schweiz eine eigenständige Logistik rechnet. Wenn Amazon in der Schweiz etwas aufbauen müsste, würden die Produkte nur teurer. 

Derweil wächst Alibaba ungebremst.

Es stört mich schon, dass die Schweizer Post die Lieferungen aus China subventioniert. Weil China offenbar als Entwicklungsland gilt und deshalb von tieferen Posttarifen profitiert. Das führt dazu, dass aus China billiger in die Schweiz geliefert werden kann als von Romanshorn nach Genf. Das ist ein Witz.

Ein Kampf mit ungleichen Mitteln?

Absolut. Aber man wird die Alibabas oder Amazons nicht aussperren können. Man muss halt vor Ort eine Zacken zulegen und Dienstleistungen anbieten, die einem bei der Kundschaft einen Vorsprung verschaffen. Das können wir – stationär wie im online. Wir kennen die Kunden besser. 

Swisscom
Swisscom und Coop beteiligten sich gemeinsam an Siroop.
Quelle: ZVG

Ihr bester Entscheid: Mit Coop nicht in die Mall of Switzerland zu gehen?

Da hat Coop sicher richtig entschieden. Ich bin überzeugt, dass die Shopping-Center-Flächen in der Schweiz gebaut sind. Es braucht keine neuen Shoppingcenter mehr.

Was lief bei Siroop, dem Gemeinschaftsprojekt von Coop und Swisscom, schief?

Das ist Innovation: Man hat investiert und irgendwann gemerkt, dass es so nicht funktioniert. Bei Swisscom TV hat man investiert und es funktioniert. Jetzt baut Coop mit Microspot eine Non-Food-Plattform auf. Wohin dies führt, kann heute definitiv noch niemand mit Sicherheit sagen. 

Haben Sie zu lange gewartet?

Hätten wir früher reagiert, würden Sie uns vorwerfen, wir wären zu schnell gewesen. Den richtigen Zeitpunkt kennt man leider nie. 

Wie fanden Sie die Werbung mit dem ­pinken Sirup, der über Menschen und ­Produkte tropfte?

Auf jeden Fall bot sie Gesprächsstoff und blieb im Gedächtnis hängen (lacht).

Wieviel haben Coop und Swisscom mit ­Siroop verbrannt?

Seit der Gründung insgesamt 140 Millionen Franken. 

Der wichtigste Entscheid ihrer Karriere?

Dass ich mich mit 36 Jahren für Coop entschieden haben.

Nicht eher der Entscheid, sich bei Coop alle Macht geben zu lassen?

Alle nicht (lacht). Wichtig war, dass man Coop auf ein Unternehmen konzentrierte. Das war ein ganz wichtiger Entscheid und hat den Wachstumskurs möglich gemacht. 

Sie werden im Herbst 63 Jahre alt. Wie lange steigen Sie noch um 4 Uhr 30 aus dem Bett?

Wenn man sich daran gewöhnt hat, bringt man es nicht mehr weg (lacht).

Wann reduzieren Sie Ihr Arbeitspensum?

Ich bin gesund, die Arbeit macht Spass. 

Die Swisscom-Altersguillotine fällt mit 70.

Mit 70 Jahren oder 12 Amtsjahren. Im Verwaltungsrat bin ich seit 2009 und seit 2011 Präsident. 2021 wäre also definitiv Schluss.

Sie ziehen durch bis 2021?

Ich finde die Aufgabe spannend und mache mir heute keine Gedanken dazu. 

Ab 2021 fangen Sie mit Golfen an?

Nein. Ich möchte wieder reiten, das habe ich jahrelang nicht mehr gemacht. Wir hatten immer ein Pferd zuhause, weil mein Vater in der Kavallerie war.

Noch kein Pferd zugelegt?

Geschaut habe ich schon öfter, aber keines gekauft, denn dafür fehlt mir heute einfach noch  die Zeit.