Bis vor wenigen Wochen war an Ferien kaum zu denken. Doch mit den Lockerungsmassnahmen wächst bei vielen Schweizern die Hoffnung auf die ersehnte Urlaubsreise im Sommer – in diesem Jahr vor allem innerhalb des eigenen Landes. Denn die Unsicherheit ist nach wie vor gross: Viele haben Angst, in den Ferienflieger zu steigen. Entsprechend gering ist nach wie vor die Nachfrage nach Flügen – zulasten der Airlines.

Für diese wird 2020 finanziell das schlimmste Jahr in der Luftfahrtgeschichte. Die von der Krise gebeutelten Fluggesellschaften brauchen dringend Geld – ihre Kosten in Milliardenhöhe laufen weiter, während noch immer kaum Umsätze generiert werden. 84 Milliarden Dollar dürfte lauft Dachverband der Fluggesellschaften (Iata) der Nettoverlust betragen. Und so lassen sich die Airlines einiges einfallen, um Passagiere mit lukrativen Angeboten wieder anzulocken. 

Lufthansa gibt Home-Coming-Garantie

Beispiel Lufthansa/Swiss: Um die Flugzeuge wieder voll zu kriegen, verspricht die deutsche Airline eine Rückflug-Garantie. Damit will die Airline Reisewilligen die Sorge nehmen, wegen der Corona-Krise plötzlich am Traumziel festzustecken.

Wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr in einem FAZ-Interview sagte, gilt die Home-Coming-Garantie, wenn einem Fluggast wegen erhöhter Temperatur die Einreise in ein anderes Land verwehrt wird oder er sich nach der Einreise in Quarantäne begeben muss. Ebenso gibt die Airline die Rückflug-Garantie für den Fall, dass es im Zielland erneut zu einer hohen Ausbreitung des Coronavirus kommt. Spohr äusserte sich zuversichtlich, dass die Nachfrage nach Privatreisen sehr schnell zurückkommen werde.

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Wie bei vielen anderen Airlines sollen dazu auch die ausgeweiteten Kulanzregelungen beitragen. So verzichtet Lufthansa selbst bei neuen Flügen, die noch bis zum 30. Juni gebuchten werden, auf Umbuchungsgebühren und bietet eine kostenlose Umbuchung für dieselbe Strecke und Reiseklasse an. Das neue Reisedatum muss dabei vor dem 31. Dezember 2021 liegen und die Umbuchung vor dem ursprünglich geplanten Reiseantritt getätigt werden. Allerdings: Wenn der ursprüngliche Tarif nicht mehr verfügbar ist, muss die Tarifdifferenz bezahlt werden.

Vielflieger bekommen doppelte Punkte

Einen Anreiz der anderen Art hat Southwest Airlines geschaffen. Die Amerikaner wollen vor allem ihre Vielflieger zu einem Flug motivieren: Bei der grössten Billigfluggesellschaft der Welt bekommen Reisende, die Mitglied im Vielfliegerprogramm Rapid Rewards sind und bis zum 31. August einen Flug buchen, die doppelte Punktzahl.

Normalerweise bekommen Vielflieger für ein Wanna-Get-Away-Ticket 6 Punkte pro Dollar, 10 Punkte pro Dollar für Anytime-Tarife und 12 Basispunkte pro Dollar für Business-Select-Tarife. Mit dem neuen Angebot können nun also zwischen 12 und 24 Punkte pro Dollar gesammelt werden. Die Logik dahinter: Auch wenn man jetzt nicht fliegt, könnte man doch veranlasst werden, einen Flug für einen späteren Zeitpunkt zu buchen. Das bringt etwas Liquidität in die Kasse.

Swiss verlängert Miles&More-Status – doch nicht jeder profitiert

Viele Airlines kommen den Mitgliedern ihrer Vielfliegerprogramme entgegen. Auch Swiss zeigt sich kulant – zumindest gegenüber einer Kundengruppe. Mehr dazu lesen Sie hier.

Linienflug mit VIP-Airbus

Um Passagiere anzulocken, setzt Air Canada auf Abstand und Komfort. So kündigte die kanadische Gesellschaft an, die eigentlich für Stars und Prominente gedachten Flugzeuge von Air Canada Jetz nun im gewöhnlichen Linienverkehr einzusetzen. Jetz ist der Premium-Charterservice der Airline, der aufgrund der Pandemie derzeit zur freien Verfügung steht.

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Der Vorteil von Jetz: Die VIP-A319 sind deutlich geräumiger und nehmen nur halb so viele Passagiere mit wie die üblichen A319. Entsprechend ist auch der Abstand zum Sitznachbarn deutlich grösser. Zudem wirbt das Unternehmen mit schnellen Boarding-Zeiten und komfortablen Business-Class-Sitzen. «Fluggesellschaften wie Air Canada versuchen in dieser Übergangszeit alles, um Reisende zu motivieren, wieder ins Flugzeug zu steigen», so CFO Michael Rousseau zum neuen Angebot. 

Mit Ausnahme des Preises. Denn zum Schnäppchen sind die Flüge nicht zu haben: So kosten die Premium-Economy-Tickets 424 US-Dollar aufwärts.

Hören Sie unsere Podcasts «HZ Insights» zum Thema:

  • «Sommerferien: Zeit für Schnäppchen?»

  • «Flugreisen & Corona: Die Folgen für Passagiere und Mitarbeiter»

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Ultragünstige Tickets in China

In China gehen Airlines den umgekehrten Weg: Zwar sind internationale Flüge noch bis mindestens Oktober stark beschränkt, allerdings läuft der innerchinesische Luftverkehr wieder. Hier versuchen die chinesischen Fluglinien, Passagiere mit ultragünstigen Tickets an Board zu locken. So bot Shenzhen Airlines beispielsweise Flüge von Shenzhen ins 1300 Kilometer entfernte Chengdu für umgerechnet 65 Cent an.

Bei anderen chinesischen Airlines gab es Mengenrabatte: Wer bei Air Changan, Hainan Airlines, China West Air oder Urumqi Air gleich mehrere Tickets kaufte, bekam diese vergünstigt.

Im Schnitt günstiger

«Viele Fluggesellschaften bieten jetzt sehr wettbewerbsfähige Preise und flexible Tickets an, um Buchungen zu fördern», heisst es bei der Reiseplattform Skyscanner auf Anfrage. Entsprechend kann auch, wer hierzulande einen Flug bucht, zurzeit von günstigen Preisen profitieren.

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Beispiel: Wer einen Hin- und Rückflug von Genf nach Lissabon über Skyscanner bucht, zahlte den Angaben zufolge in den letzten zwei Jahren durchschnittlich 265 Franken. Aktuell gibt es diese Verbindung mit Easyjet für 100 Franken. Ähnlich verhält es sich mit der Route von Genf nach Porto: Was im Durchschnitt die letzten zwei Jahre 302 Franken kostete, bekommt man aktuell für 147 Franken. Und auch das in Form eines flexibles Tickets – heisst: Umbuchungen sind möglich.

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