Nvidia hat dieser Tage den Börsenwert von 3,34 Billionen Dollar erreicht und ist damit das wertvollste Unternehmen der Welt. Der Wert entspricht etwa 80 Prozent des Bruttoinlandprodukts von Deutschland.

Das hat einen simplen Grund: Die Hardware von Firmen wie Nvidia ist der Treiber für KI-Entwicklungen, weniger die Software. Diejenigen, die die leistungsfähigsten und effizientesten Hardwarelösungen anbieten können, sind die wahren Gewinner in der Ära der künstlichen Intelligenz. Denn ohne den sprichwörtlichen Körper in Form von Chips gibt es keine Seele für die KI. Erst die Hardware ermöglicht es, Algorithmen effizient auszuführen und zu skalieren.

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Deshalb sei Kritikerinnen und Kritikern des Börsenhöhenflugs von Nvidia gesagt, es handelt sich nicht um eine erneute Tech-Bubble aus den USA oder bloss um einen übertriebenen Hype um künstliche Intelligenz. Vielmehr zeigt es, wie jene Unternehmen die Zukunft der künstlichen Intelligenz beherrschen, die auch über die Spitzentechnologie verfügen, um die Anwendungen zum Laufen zu bringen.

Nvidia-Chip: Die Notwendigkeit von Hardware macht das Unternehmen so wertvoll.

Nvidia-Chip: Die Notwendigkeit von Hardware macht das Unternehmen so wertvoll.

Quelle: imago/NurPhoto

Das zeigt sich nicht nur deutlich am Beispiel von Nvidia, sondern auch an all den anderen führenden Technologieunternehmen, die zunehmend auf Hardware als Schlüssel für die Zukunft von KI setzen. Nvidia entwickelt primär Chips für PCs, Server und Spielkonsolen, die Fabriken stehen in Asien. Deshalb ist auch der führende Taiwaner Chip-Hersteller TSMC unter den Top-Ten-Börsentiteln der Welt.

Wenn von KI die Rede ist, meinen die meisten Chat GPT und damit Software. Dabei wären Chat GPT sowie sämtliche KI-Anwendungen wertlos ohne die Rechenleistung dahinter. Und diese basiert auf Schaltern aus Silizium, Phosphor und Kupfer, nicht bloss aus Kommandozeilen von 0 und 1. Das ist auch der Grund, weshalb gleich hinter Nvidia die Unternehmen Microsoft, Apple, Alphabet, Meta und Amazon als wertvollste Börsentitel rangieren. Sie alle haben eines gemein: Die Verschränkung von Hard- und Software.

Meta hat die Datenbrille Quest, Amazon das grösste Serverbusiness der Welt, Alphabet den Tensor-Chip, massgeschneidert für seine KI Gemini, Apple die selbst entwickelten M-Prozessoren mit sogenannter «Neural Engine» für KI-Anwendungen auf sämtlichen Apple-Geräten, und Microsoft lässt Chat GPT von Open AI vorwiegend auf seinen Rechnern der Cloud-Plattform Azure laufen.

Natürlich braucht es Software-Algorithmen, um KI Leben einzuhauchen. Aber Softwareentwickler sind einfacher austauschbar, Lithografiemaschinen nicht. Der Aufbau milliardenteurer Assets braucht Zeit und Kapital. Beides haben Nvidia und Co. massiv in ihr Geschäft investiert, und den Vorsprung kann man diesen Firmen auch nicht nehmen. Ich wage daher die Prognose, dass mit Firmenbewertungen von drei Billionen Dollar und mehr für Tech-Titel mit einem Hardware-Schwerpunkt das Ende der Kursrally noch nicht erreicht ist. Eher könnte der Börsenwert von Nvidia bald die Wirtschaftsleistung Deutschlands überholt haben.

Bernhard Fischer
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