Der Touristik-Unternehmer Samih Sawiris hält neu 75,1 Prozent am Münchner Reisekonzern FTI. Das deutsche Bundeskartellamt hat die Mehrheits-Übernahme bewilligt.

Zuvor schon hatte der Andermatt-Entwickler einen Drittel an FTI gehalten; die anderen Teile waren im Besitz von FTI-Group-Gründer Dietmar Gunz sowie Roula Jouny, CEO von Meeting Point Hotels & DMCs gewesen.

Sawiris sieht Chancen

Die Mehrheitsverschiebung zu Sawiris geht einher mit einer Erhöhung des Eigenkapitals. Das Management der Gruppe habe mit dem ägyptischen Investor «ein nachhaltiges Finanzierungspaket erarbeite(t), welches durch staatliche Garantien unterstützt wird, und das Unternehmen durch die fordernden Zeiten der Coronakrise steuern soll», so die Mitteilung.

Sawiris sieht seine neue Rolle als Hauptaktionär als Chance für beide Seiten: «Schon mein Einstieg 2014 bei der FTI GROUP hat sich von Anfang an für beide Partner als grosser Erfolg herausgestellt. Mit der Mehrheitsbeteiligung an einem der grössten und breitest aufgestellten Tourismusunternehmen in Europa runde ich mein jetziges Portfolio aus Feriendestinationen, Hotels und Vertrieb mit der Beteiligung an der Reisebürokette RV Touristik ideal ab und kann mich weiter in den wichtigsten Segmenten der Reiseindustrie positionieren.»

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13'000 Mitarbeiter

Hauptgeschäft des des 63-Jährigen ist die Destinations- und Hotelentwicklungsgesellschaft Orascom. Die FTI Group wiederum steht an dritter Stelle aller Reiseveranstalter europaweit.

Zu ihr gehören die FTI Touristik sowie der Kurzfristveranstalter 5vorFlug, der Mietwagenbroker driveFTI, das Online-Portal fly.de, der Sprachreiseveranstalter LAL Sprachreisen sowie der Veranstalter für Aktionsware BigXtra.

Fernert führt FTI unter dem Dach des Hospitality-Unternehmens Meeting Point Hotels fünf Marken: Labranda Hotels & Resorts, Design Plus Hotels, Kairaba Hotels & Resorts, Club Sei, Lemon & Soul. Das Kreuzfahrtengeschäft der Gruppe wird durch den Veranstalter FTI Cruises repräsentiert.

«Beste Entscheidung, die ich je getroffen habe….»

In Deutschland vertreiben rund 10’000 Agenturen die FTI-Produkte. Die Gruppe mit Hauptsitz in München beschäftigt über 13’000 Mitarbeiter, hat rund 8 Millionen Gäste und erzielte im Geschäftsjahr 2018/19 einen Umsatz von voraussichtlich rund 4,2 Milliarden Euro.

Ende 2019 sprach Sawiris an einem Event des Branchenverbands der Swiss Travel Communicators über sein bisheriges FTI-Engagement. Die Beteiligung an der Firma nannte er «eine meiner besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe. Wir haben mit diesem Engagement zwei- bis dreimal mehr verdient als was uns die Beteiligung gekostet hat», notierte das Reiseportal «Travelnews».  

Arabischer Frühling

Sawiris und FTI kamen 2014 zusammen: Der deutsche Konzern war wegen der politischen Wirren im «Arabischen Frühling» in Finanznöte geraten, der ägyptische Tourismus-Unternehmer wiederum war froh, dass der Reiseveranstalter für einen stetigen Gästestrom in seine Resorts sorgte, etwa ins ägyptische El Gouna.  

Sawiris erklärte es an dem Zürcher Touristik-Event so: «Es ist ja auch logisch: Wenn Sie jemand rettet, dann sind Sie ihm dankbar, und die Dankbarkeit zeigte sich, indem FTI mit voller Kraft El Gouna mit Klienten füllte in einer Zeit, wo es nach dem Arabischen Frühling überall Ärger gab.»  

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Sawiris kann nun die Gästeströme lenken

Wenn Sawiris nun des ganzen FTI-Konzerns weitgehend kontrolliert, kann er noch stärker auf Ziele und Gästeströme des Unternehmens einwirken. Und damit die ganze Wertschöpfungskette beherrschen.

Sawiris sässe gewissermassen am Anfang und am Schluss der touristischen Nahrungskette, vom Apéro (der Buchung im Netz oder im Reisebüro) über den Flug und den Airport-Transfer bis zum Dessert (Begrüssungs-Cocktail im Hotel, Unterkunft). Oft genug werden das dann unter anderem wohl auch Resorts seiner Gruppe sein. 
 
(rap – ag)