Die Schweizer Bahnhöfe sind begehrte Standorte für Convenience-Läden. Kein Wunder: Die Frequenz ist riesig, die Pendlerinnen und Pendler decken sich dort noch schnell mit dem Nötigsten ein. Zudem dürfen die Bahnhof-Shops auch am Sonntag offen sein. In diesem lukrativen Geschäft will jetzt auch die Migros stärker mitmischen – und damit Marktführer Valora bedrängen. So kooperiert der orange Riese mit den SBB für einen Pilotversuch, wie CH Media berichtet.
Die Partner testen aktuell, wie das Migros-Format Mio bei den Kundinnen und Kunden ankommt. Bereits im Juli 2025 eröffnete in Baden AG der erste Mio-Laden an einem Bahnhof, dieser ist aber nicht Teil des zeitlich begrenzten Tests. Anfang Dezember folgte ein Shop am Zürcher Hauptbahnhof. Und Bern bekommt im ersten Halbjahr 2026 eine Filiale, wie die Migros-Gruppe gegenüber den Tamedia-Zeitungen mitteilte. Auch an den Bahnhöfen in Birmensdorf ZH und Islikon TG ist laut CH Media ein Mio geplant.
Wie viele neue Mio-Shops in nächster Zeit konkret öffnen sollen, bleibt indes offen. «Weitere Standorte und genaue Eröffnungszeitpunkte können wir erst kommunizieren, sobald die Mietverträge finalisiert sind», teilt die Migros auf Anfrage von Blick mit. Die Expansion konzentriere sich auf «stark frequentierte Verkehrsknotenpunkte», also auf urbane Standorte und eben Bahnhöfe.
Im Mio gibt es auch Alkohol und Zigis
Die Migros hat die Ladenmarke Mio 2020 lanciert. Es handelt sich dabei um ein Mini-Format von Migrolino. Die Idee: Die Kunden sollen ihren Einkauf in weniger als einer Minute erledigen können. Deshalb sind die Shops ziemlich klein, nicht grösser als 80 Quadratmeter. Das Angebot umfasst rund 2000 Artikel – auch Alkohol und Tabakwaren, die in den herkömmlichen Migros-Filialen seit jeher nicht erhältlich sind. Für die Bahnhof-Shops hat die Migros das Mio-Sortiment leicht angepasst. Der Fokus liegt noch stärker auf Produkten für den sofortigen Konsum: frische Sandwiches, Bowls, kleine Backwaren und Kafi. Darunter sind auch Migros-Eigenmarken, die gleich teuer sind wie in den Supermärkten.
Bis letzten Sommer gab es Mio-Läden nur an hiesigen Tankstellen. 56 Filialen gab es damals laut Migros-Angaben in der ganzen Schweiz. Die Tankstellenshops seien bei der Kundschaft sehr gut angenommen, heisst es vonseiten der Migros. «Dieses positive Feedback hat uns dazu motiviert, das Konzept auf Verkehrsknotenpunkte auszuweiten.»
Valora greift Migros und Coop in den Städten an
Heisst: Bald dürfte es also rund 60 Mio-Standorte geben – dank der Offensive an den Bahnhöfen. Dort ist das Migros-Universum auch mit derzeit 50 Migrolino-Läden vertreten.
Der zweite Schweizer Detailhandelsriese Coop mischt im Convenience-Geschäft an Schweizer Bahnhöfen ebenfalls mit. Er betreibt an Dutzenden Standorten entweder eigene Supermärkte oder Coop-Pronto-Shops, mit denen der Grossverteiler weiter expandieren will.
Die zwei führenden Schweizer Detailhändler machen damit dem Hauptgeschäft von Valora Konkurrenz. Der Convenience-Anbieter aus Muttenz BL dominiert derzeit die hiesigen Bahnhöfe mit seinen Avec-Shops und den K-Kiosken. Gleichzeitig will Valora den Mitbewerbern Coop und Migros die Kundschaft in den Städten streitig machen. 2024 öffnete in einem Zürcher Wohnquartier der erste Avec-Shop mit warmem Essen. Vom Valora-Format «The Kitchen» gibt es in der Schweiz mittlerweile 5 Standorte.

