Laut SNB-Chef Thomas Jordan haben die internationale Entwicklungen die Währungshüter zur Aufgabe des Mindestkurs veranlasst. Es mache keinen Sinn, an einer nicht nachhaltigen Politik festzuhalten - deshalb habe man den Entscheid für das Ende des Mindestkurses treffen müssen, erklärte Thomas Jordan am Donnerstag an einer Medienkonferenz in Zürich.

Der Entscheid sei mit dem Wissen gefällt worden, dass kurzfristig Turbulenzen die Folge sein können, sagte Jordan weiter. Ein Ausstieg aus einer Politik müsse überraschend erfolgen. Ein Zwischenschritt - wie etwa die Anbindung an einen Währungskorb - wäre nicht sinnvoll gewesen. Die Aufgabe der Anbindung gebe der SNB nun wieder grösseren Handlungsspielraum.

Bei Bedarf weitere Interventionen

Man habe damit gerechnet, dass die Märkte nach der überraschenden Ankündigung eine starke Reaktion zeigen würden, so der SNB-Präsident. Allerdings gelte es zu beachten, dass die Märkte zum Überschiessen tendierten. Auf dem aktuellen Kursniveau sei der Franken stark überbewertet. Der SNB-Chef geht denn auch davon, dass sich diese Überbewertung wieder abschwächen wird.

Die SNB werde die Situation an den Märkten aber natürlich eng verfolgen und bei Bedarf erneut aktiv werden. Ob die SNB am Donnerstag an den Märkten interventiert habe, wollte Jordan nicht kommentieren.

Die SNB orientiere sich bezüglich allfälliger erneuter Interventionen an der Wechselkurssituation insgesamt und nicht nur am Euro oder Dollar, machte Jordan klar. Seiner Meinung nach stellen die aktuellen Wechselkurse auch nicht diejenigen Kurse dar, mit denen die Schweizer Unternehmen im gesamten Jahr 2015 rechnen müssten.

Keine Deflationsspirale

Ebenfalls rechnet Jordan nicht damit, dass die Schweiz in eine negative Deflationsspirale fallen werde. Es bestehe aber das Risiko, dass die Schweiz sowohl im laufenden wie auch im nächsten Jahr negative Inflationsraten haben werde. Die Aufwertung des Franken könne zwar in kurzer Frist die Inflation in der Schweiz weiter nach unten drücken, räumte er ein. Andererseits wirke sich der Negativzins wie auch der tiefe Ölpreis positiv auf Konjunktur in der Schweiz aus.

Jordan stellte vor den Medien in Abrede, dass die nun noch gesenkten Negativzinsen keine Wirkung auf die Kapitalbewegungen in die Schweiz zeigen würden. «Der Negativzins wird sehr stark wirken», gab sich Jordan überzeugt. So werde das Halten von Franken zu spekulativen Zwecken nun «sehr teuer».

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Kein Einfluss auf Ausschüttung 2014

Der SNB-Chef geht allerdings weiterhin nicht davon aus, dass Kleinsparer als Folge des verstärkten Negativzinses mit negativer Verzinsung ihrer Sparguthaben rechnen müssen. Auf die Ausschüttung der SNB an die Kantone für das abgelaufene Jahr 2014 habe die Aufgabe des Euro-Mindestkurses ausserdem keinen Einfluss, versicherte Jordan.

Als Folge der jetzigen Aufwertung des Frankens nach der Aufhebung des Mindestkurses erleidet die SNB hohe Bewertungsverluste auf den von ihr gehaltenen Fremdwährungen.

(awp/ccr)