Spirig Pharma aus Egerkingen produziert Generika und die Sonnencrème Daylong. Mondaine aus Biberist stellt Uhren her. Doch eine Gemeinsamkeit besitzen die unterschiedlichen Unternehmen: Sie haben im April entschieden, zweistellige Millionenbeiträge an ihren Standorten zu investieren, um für zukünftiges Wachstum gewappnet zu sein. Damit sind Spirig und Mondaine nicht allein. «Die Nachfrage nach Finanzierungen von kleinen und mittelgrossen Unternehmen ist nach wie vor rege», erklärt Ronald Kundert, Leiter Corporate Finance bei der Zürcher Kantonalbank.

Auf der anderen Seite stimmt nach wie vor auch das Angebot an Fremdkapital in der Schweiz. Peter Schmid, Leiter des Branchensektors KMU bei PricewaterhouseCoopers, sagt dazu: «Investitionen oder Nachfolgeregelungen können derzeit genauso finanziert werden wie vor einem Jahr.» Und auch Ronald Kundert bestätigt: «Die sogenannte Kreditklemme hat überhaupt keine Auswirkungen auf Schweizer KMU.» Dies trifft nicht nur auf die Zürcher Kantonalbank zu, die ohnehin nicht direkt von der Krise bei minderwertigen amerikanischen Hypotheken, dem sogenannten Subprime-Geschäft, betroffen ist. Der Wettbewerb um die Schweizer Klein- und Mittelbetriebe wird nach Kunderts Wahrnehmung bei den hiesigen Geldhäusern nach wie vor intensiv geführt.

Gute Nachrichten für die rund 300  000 kleinen und mittelgrossen Unternehmen in der Schweiz. Offenbar lassen die Banken sie nicht für ihre Fehlspekulationen im amerikanischen Subprime-Markt büssen. Und gleichzeitig sprechen die Finanzierungsabschlüsse dafür, dass die Institute den KMU weiterhin einen guten Geschäftsgang zutrauen.

Selbstverständlich ist die Zuversicht nicht. Denn die internationale Finanzkrise wird sich früher oder später bremsend auf die exportorientierte Schweizer Volkswirtschaft auswirken. Dies werden auch die KMU zu spüren bekommen, die 99,7 Prozent der Unternehmen in dieser Volkswirtschaft stellen. Dieser Ansicht ist zumindest Aymo Brunetti, Chefökonom des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Er rechnet für das laufende Jahr mit 1,9 Prozent und für 2009 mit 1,5 Prozent Wachstum. Gegenüber den 2,9 Prozent des vergangenen Jahres ist dies ein markanter Rückgang.

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Allerdings beeinflussen auch die politischen Rahmenbedingungen das Wachstum. In den letzten Jahren lieferte die Personenfreizügigkeit ein eindrucksvolles Beispiel dafür. Ein guter Teil der durchschnittlich knapp dreiprozentigen Steigerung dürfte nämlich nach Brunetti auf die erleichterte Zuwanderung aus dem EU-Raum zurückzuführen sein.

Mit dem im April verabschiedeten Wachstumsprogramm 2008 bis 2011 will die Schweizer Regierung nun nicht weniger als 20 neue wachstumsfördernde Massnahmen umsetzen. Aymo Brunetti sagt zu den Zielen: «Werden alle Massnahmen umgesetzt, rechnen wir mit einem zusätzlichen Wirtschaftswachstum von fünf bis zehn Prozent.»

Von den Massnahmen hebt der Seco-Chefökonom vier hervor, die einen besonders grossen Effekt versprechen:
– die Weiterführung und Ausdehnung der Personenfreizügigkeit,
– den Abbau technischer Handelshemmnisse, wozu die Einführung des Cassis-de-Dijon-Prinzips gehört,
– das Agrarfreihandelsabkommen mit der EU und
– die Reform der Mehrwertsteuer, dabei insbesondere die Einführung des
Einheitssatzes.

Die Massnahmen erleichtern die Administration in den Betrieben, vergünstigen die teure Beschaffung auf der Preisinsel Schweiz und stellen die Versorgung der Unternehmen mit dringend für das Wachstum benötigtem Personal sicher.

Brunetti weiss, dass jedes der vier Vorhaben auf politischen Widerstand stossen wird, durchaus auch aus der Wirtschaft selbst. Beim Cassis-de-Dijon-Prinzip, nach dem jedes Produkt, das in der EU verkauft werden darf, auch in der Schweiz zugelassen sein soll, haben einige kleine Wirtschaftsverbände bereits Ausnahmen für ihre Produkte verlangt.

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Auf volle Unterstützung aus der Wirtschaft kann das Seco dagegen bei der Personenfreizügigkeit und dem Abbau der administrativen Belastung, zum Beispiel bei der Vereinfachung der Mehrwertsteuer, rechnen. Der Schweizerische Gewerbeverband hat bereits Ende April seine Kampagne zur Abstimmung über den freien Personenverkehr lanciert, obwohl der Urnengang erst 2009 stattfinden wird. Und zum Bürokratieabbau sagt der Politische Sekretär des Gewerbeverbandes, Rudolf Horber, nur: «Wir werden uns wie schon beim neuen Lohnausweis weiterhin mit voller Kraft engagieren.»

Der Druck zahlt sich aus. Allein der Bund ist daran, 75 Bewilligungsverfahren zu streichen − eine Massnahme des Wachstums­pakets der vergangenen Legislaturperiode. Dadurch bleiben den KMU 100'000 Verwaltungsakte erspart. Und nun ziehen auch die Kantone nach. Der Aargau etwa stimmt am 1. Juni über eine Verfassungsergänzung zugunsten der KMU ab. Wird sie angenommen, muss der Kanton die administrativen Belastungen für die Wirtschaft so gering wie möglich halten und dabei insbesondere die Anliegen der KMU berücksichtigen.