Das Bild schockierte damals die Welt. Es zeigte ein Kleinkind, das in völlig steriler Umgebung aufwuchs, isoliert in einer Plastikhülle, die es nicht verlassen durfte. Die Medien nannten es «Baby in the Bubble». Jedes noch so harmlose Bakterium oder Virus bedeutete Todesgefahr für das Kind, das an einem Defekt des Immunsystems litt. Dieses Leiden kann mittlerweile therapiert werden, und die betroffenen Menschen führen ein fast normales Leben. Das lebensrettende Medikament stellt unter anderem eine Firma in Bern her: CSL Behring.

Der Fabrikkomplex liegt in unmittelbarer Nähe des Stade de Suisse in Bern Wankdorf. «Wir sind ein biopharmazeutisches Unternehmen, das aus menschlichem Blutplasma Medikamente entwickelt und produziert», sagt Uwe Jocham, CEO der CSL Behring AG. Die Firma ist eine 100-prozentige Tochter der CSL Behring LLC mit Sitz im amerikanischen King of Prussia in der Nähe von Philadelphia, die ihrerseits Tochter der australischen CSL Limited ist. Doch das Schweizer Tochterunternehmen der CSL Behring, betont Jocham, ist eine völlig eigenständige Aktiengesellschaft, dotiert mit Verwaltungsrat und Geschäftsleitung.

Die US-Mutter hat drei weitere Töchter unter ihren Fittichen: Die ZLB Plasma betreibt in den USA und Deutschland rund 70 Plasmazentren, in denen Freiwillige Plasma spenden, diese stark proteinhaltige Flüssigkeit des Blutes. In beiden Ländern produziert CSL Behring ebenfalls Medikamente auf Plasmabasis. Die 820 Mitarbeiter in Bern generieren rund ein Drittel des Umsatzes von CSL Behring. «Wir sind Center of Excellence für Immunglobuline und Albumin», sagt Jocham, während die deutsche Tochtergesellschaft auf Arzneimittel gegen die Hämophilie (Bluterkrankheit) und andere Eerinnungsstörungen spezialisiert ist. Immunglobuline sind Präparate, die Defekte und Funktionsstörungen des Immunsystems behandeln. Das Immunsystem benutzt diese Antikörper, um Bakterien oder Viren zu erkennen und unschädlich zu machen. Albumin wiederum, ebenfalls ein Präparat auf Plasmabasis, kommt anstelle von Blutkonserven etwa bei schweren Operationen oder in der Unfallmedizin zur Anwendung.

Anzeige

Gegründet wurde die Schweizer Tochter der CSL Behring 1949 als Zentrallaboratorium Blutspendedienst (ZLB) des Schweizerischen Roten Kreuzes. Die Stiftung war der erste Blutspendedienst der Schweiz. Sie wurde im Jahr 2000 von der CSL Limited übernommen, die an Australiens Börse kotiert ist. Fortan hiess die Firma ZLB Bioplasma. Im Jahr 2007 wurde sie in CSL Behring umbenannt. Die Schweizer Tochter legte ein furioses Wachstumstempo vor, in den letzten Jahren stieg der Umsatz durchwegs mit zweistelligen Prozentraten.

«Wir haben nicht nur ein enorm starkes Wachstum erlebt, sondern hier in Bern wurden auch wegweisende Investitionen getätigt», sagt Uwe Jocham. Allein in die Anlage zur Produktion des neuen Immunglobulinproduktes Privigen, das im Juli 2007 von der amerikanischen Food and Drug Administration zugelassen wurde, hat CSL Behring 100 Millionen Franken investiert. Privigen ist ein flüssiges hochreines, intravenös zu applizierendes Präparat zur Behandlung von Immunschwäche. «Jetzt», sagt Jocham, «sind wir daran, für acht Millionen Franken eine weitere Anlage zur Produktion des Hyper-Immunglobulins CytoGam zu bauen.»

Insgesamt verarbeitet die Berner Biopharma-Firma jährlich rund zwei Millionen Liter Blutplasma und produziert sechs Medikamente, die weltweit von der Verkaufsorganisation der Muttergesellschaft vertrieben werden. Die globale Produktpalette der CSL Behring umfasst Arzneimittel gegen Immunschwäche, Hämophilie, Rhesus-Unverträglichkeit bei Neugeborenen und angeborene
Erkrankungen der Atemwege.

Bedingt durch den wertvollen Rohstoff Plasma und die komplexen Herstellungsprozesse sind die Präparate relativ teuer. Für Forschung und Entwicklung gibt der Konzern rund zehn Prozent des Umsatzes aus. In Bern sind gegen 90 Mitarbeiter in der F&E tätig. Entsprechend gut dotiert ist die Pipeline neuer Präparate. Allein in den letzten beiden Phasen (Registrierung und Kommerzialisierung) listet die Gruppe elf neue Produkte auf. «Wir wollen», sagt Jocham, «weiterhin überproportional zum Markt wachsen.» Und dieser steigere sich Jahr für Jahr um fünf bis zehn Prozent. Im Jahr 2006 betrug sein weltweites Volumen im Übrigen rund zwölf Milliarden Dollar. Doch die Branche legte nicht durchwegs ein so hohes Tempo vor. 2001 bis 2003 herrschte Krisenstimmung in der Plasmaindustrie. «Der Markt ist gar geschrumpft», sagt Jocham. Dies habe zu einer Konsolidierung geführt – und zur Übernahme von Aventis Behring durch CSL Limited. Von den einst zwölf Konkurrenten blieben sieben übrig. Dazu gehören unter anderem die US-basierte Baxter, die im Plasmabereich etwa gleich gross ist wie CSL Behring, sowie ein weiterer US-Konkurrent, die spanische Grifols und die deutsche Octapharma mit Sitz in der Schweiz. Mit 14 Prozent Wachstum im letzten Geschäftsjahr ist die CSL Behring gegenüber ihren Mitbewerbern indessen gut positioniert.

CSL Behring

Firmenname: CSL Behring AG
Hauptsitz: Bern Wankdorf
Umsatz: 2,6 Milliarden Franken (ganze Gruppe)
Mitarbeiter: 820
Produktion: Schweiz, Deutschland, USA
Exportanteil: über 95 Prozent
Produkt: Biopharmazeutika auf Plasmabasis