Angesichts der weiteren Talfahrt des Euros im Verhältnis zum Franken fordert der Chef der ETH-Konjunkturforschungsstelle KOF die Nationalbank zum erneuten Handeln auf. Diese müsse jetzt klar kommunizieren, wo die untere Grenze des Wechselkurses liege.

Es stelle sich natürlich die Frage, wo die Grenze sein solle - bei 1.07, bei 1.08 oder bei 1.10 Franken, sagte KOF-Leiter Jan-Egbert Sturm in einem Interview im «Blick». «Die Nationalbank müsste jetzt ganz klar kommunizieren, wo diese untere Grenze ist, und diese auch verteidigen», forderte er.

Ob der Euro nun mindestens 1.10 oder 1.08 Franken wert sein müsse, sei nicht wesentlich. «Wichtig ist eine klare Kommunikation», unterstrich Sturm.

Wenn die Nationalbank über genügend Glaubwürdigkeit verfüge, könne der Franken stabilisiert werden, ohne dass dafür ein allzu hoher Preis bezahlt werden müsste. «Wenn alle Finanzmarktteilnehmer die Nationalbank für glaubwürdig halten, dann braucht sie theoretisch keinen einzigen Franken». In der Praxis müsse die Nationalbank aber Glaubwürdigkeit beweisen, indem sie «einiges an Kapital» in die Devisenmärkte pumpe.

Der Ökonom warnte weiter vor einer mittel- oder langfristigen Immobilienblase. «Die Immobilienpreise steigen seit einiger Zeit stärker als üblich», hielt er fest.«"Kurzfristig müssen wir den Schaden, den der starke Franken anrichtet, eindämmen», sagte er mit Blick auf die in unsicheren Zeiten beliebten Immobilieninvestitionen.

(rcv/sda)

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