Die britische Online-Bank Revolut hat in der Schweiz bereits 250'000 Kundinnen und Kunden. So viele wie die Bank Cler. Eine an sich unscheinbare Online-Meldung auf HZ stiess diese Woche auf enormes Interesse. Dass Revolut allein im laufenden Jahr rund 180'000 neue Konten für Schweizer eröffnet hat – und das ganz ohne Werbung hierzulande –, kann man gut und gerne als spektakulär bezeichnen.

Dabei bietet die Bank nicht viel mehr an als eine kostenlose Kreditkarte, praktisch margenfreie Wechselkurse und eine gut gestaltete App. Ja, es braucht wenig, um im Swiss Banking für Aufsehen zu sorgen. «Hier hat eine ganze Branche geschlafen», kommentiert ein User auf dem Nachrichtendienst Twitter. Und ein anderer schreibt mit Blick auf Revolut: «Da sich meine Bank weigert, meine Kreditkarte für Apple Pay freizuschalten und mir stattdessen das dämliche Twint aufzwingen will, sehe ich mich gezwungen, diese Möglichkeit zu nutzen.»

«Ein Killerfeature»

Auch der Ex-Chef der Payment-App Twint meldet sich zu Wort: Auf dem Karrierenetzwerk Linkedin schreibt Thierry Kneissler, er sei «nicht wirklich überrascht» vom Erfolg von Revolut. Er zählt Punkte auf wie «cooles Design», die für die App sprächen. Oder «ein Killerfeature». Ist da jemand traumatisiert von der Zeit im Banken-Gemeinschaftswerk?

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Während die Nutzer so sehr von Revolut schwärmen, dass es unheimlich wird und mittlerweile jeder Banker ein Konto bei den Briten zu haben scheint, tun die Top Shots der Schweizer Banken noch immer so, als ginge sie das alles nichts an. Sie verweisen darauf, dass Revolut kein Geld verdiene und mit wahrem Banking nichts zu tun habe. Ganz nach dem Motto: «Ist ja nur Zahlungsverkehr.» Klar, das grosse Geld machen die Banken heute nicht mit Kreditkarten. Und doch fühlt man sich ein wenig erinnert an den auslaufenden Dotcom-Boom der Neunzigerjahre, als etablierte Manager noch laut Witze über Google und Amazon machten.

«Seit Jahren versuchen die Schweizer Banken, alte Margen zu verteidigen, statt neue Geschäfte aufzubauen.»

Längst ist klar: Die technologische Avantgarde spielt überall, nur nicht in der Schweiz. Wenn das 15-Köpfe-Startup Neon zusammen mit der Aargauer Hypothekarbank Lenzburg das innovativste Produkt im Swiss Banking kreiert, sagt das alles über den Zustand des Finanzplatzes.

Natürlich hat die neue Welt noch Kinderkrankheiten. Die Online-Bank N26 sorgt immer wieder mit Pannen für Schlagzeilen. Und der «Tages-Anzeiger», dessen Verlag bei Neon investiert hat, berichtete, wie ein Revolut-Kunde 30'000 Franken verlor, weil sich ein Betrüger Zugang zu dessen Konto verschaffte. Den Schaden übernahm Revolut, doch die Aufregung war gross. Und die Banker triumphierten.

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Seit Jahren versuchen die Schweizer Banken, alte Margen zu verteidigen, statt neue Geschäfte aufzubauen. Aus Angst, sich selbst zu kannibalisieren, blocken sie jede Innovation frühzeitig ab. Doch damit überlassen sie das Feld all jenen, die keine alten Pfründe zu verlieren haben. Dass diese Rechnung nicht aufgehen kann, sollte jedem klar sein.

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