AUSSTELLUNG. Der in Düsseldorf lebende Fotograf Andreas Gursky (geb. 1955 in Leipzig) gehört zur sogenannten «Becher Schule» von Bernd und Hilla Becher, aus deren Kreis u. a. Candida Höfer, Thomas Struth, Thomas Ruff und Axel Hütte internationales Profil gewonnen haben. Dank ihnen ist es der Fotografie in Deutschland gelungen, wieder an die Geltung anzuknüpfen, die sie in den 20er Jahren zur Zeit des «Neuen Sehens» hatte.

Andreas Gursky, der 1985 die Meisterklasse bei Bernd Becher absolvierte, zählt weltweit zu den wichtigsten Fotografen und ist auch wirtschaftlich ausserordentlich erfolgreich. Auf Auktionen sind sechsstellige Beträge für seine Werke keine Seltenheit.

Überdimensionierte Formate

Gurskys Œuvre ist das Ergebnis einer konsequenten Suche nach essentiellen Bildern. Seine charakteristischen künstlerischen Mittel sind – neben der dezidiert verwendeten Farbfotografie – die überdimensionierten Formate und die umfangreich eingesetzte digitale Bildbearbeitung.

Das Kunstmuseum Basel stellt derzeit rund 25 neuere Werke des Künstlers vor, von denen die meisten erst in diesem Jahr entstanden sind. Lediglich zehn grossformatige Arbeiten in kleinen Sechser-Auflagen kreiert er pro Jahr. Gezeigt werden neue Motive innerhalb des bekannten Themenspektrums der letzten Jahre, wie die Börse in Kuwait, aber auch Bilder aus neuen Gruppen wie «Pyongyang» oder «F1 Boxenstopp».

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Gurskys Fokus ist auf die Menschenmassen und die Orte ihrer Zusammenkunft, auf die Strukturen der globalisierten Welt wie Produktion und Handel, Konsum und Freizeitgesellschaft gerichtet. Nur wenigen Künstlern gelingt es, das Spezifische einer Kultur, das Lebensgefühl einer Generation oder den Zeitgeist einer Epoche in nur einem Werk zu verdichten. So, wie unser Bild von verschiedenen vergangenen Epochen von einigen wenigen Kunstwerken geprägt ist, hat Andreas Gursky mit Arbeiten wie «Kuwait Stock Exchange» ein wesentliches Bild der wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Situation unserer Zeit gezeichnet.

Mit «Pyongyang», einer seiner neuen Werkgruppen, erweitert Gursky seinen Themenbereich. Dabei öffnet er seinen Blick auf Nordkorea, das zu den letzten nicht globalisierten Ländern der Welt zählt. Zu sehen ist eine Massenveranstaltung mit ideologischem Hintergrund, die betörend und distanziert zugleich wirkt. Doch der Künstler bezieht keine Stellung zum politischen Hintergrund der Veranstaltung. Ihn interessiert vielmehr das Bildmaterial als visueller Rohstoff, den er nach den für ihn typischen Bildkonzepten und Gestaltungsschemen umarbeitet.

Gursky ist bekannt für seine extensive digitale Bildbearbeitung am Computer, sodass seine Bilder oft an Trugbilder und fantastische Erfindungen erinnern. Neben der Serie der nordkoreanischen Massenveranstaltung schuf Gursky in jüngster Zeit weitere Werkgruppen, was eine neue Entwicklung gegenüber den bisherigen Einzelwerken darstellt. Diese neuen Zyklen beschäftigen sich thematisch scheinbar zusammenhangslos mit Landschaften, Kirchenfenstern und Formel-1-Rennen. So unterschiedlich diese Themen auf den ersten Blick auch sind – die Arbeiten weisen jedoch deutliche Gestaltungsmerkmale auf, die eine gemeinsame ästhetische Sprache sprechen.

Abstrakte Sichtweise

Bei der Wahl des Bildausschnittes oder beim Arrangement seiner digital zusammengefügten Bildelemente interessiert sich Gursky für die Möglichkeit, auf der Bildfläche ornamentale Strukturen oder gar Symmetrien zu erzeugen. Dies erfordert eine abstrakte Sichtweise auf das Motiv, welches damit nicht nur in seiner abbildenden Funktion wahrgenommen wird, sondern zugleich als eine Art Baukasten mit Formvokabeln dient, aus denen Gursky sein Bild am Ende zusammensetzt. Häufig dient dem Künstler hierfür der Blick von einem erhöhten Standpunkt aus. Gurskys Kompositionen gehen über das Festhalten einer beschriebenen Situation hinaus. Der Fokus liegt auf dem Gesamteindruck: Jedes der vielen Details scheint gleichbedeutend unbedeutend zu sein, es fehlt ein zentrales Motiv.

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Das Gefühl, das seine Menschenansammlungen beim Betrachter hinterlassen, ist stets dasselbe: Er kommt sich klein, unbedeutend und austauschbar vor.