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Mewag: Die Kurventechniker im Maschinenbau

Ein Formel-1-Auto würde ohne die Maschinen aus dem Emmental am Start stehen bleiben. Sie braucht es, um einem Auspuff die richtige Kurventechnik beizubringen. Früher bogen die Maschinen Güllenrohre.

Von Flavian Cajacob
am 21.06.2006

Ein Rohr ist ein Rohr. Ein relativ einfach herzustellendes, langes, hohles Stück Metall, das zusammengesteckt Verbindungs- oder Transportzwecken dient. Was aber, wenn das Rohr einen Bogen schlagen oder eine Kurve kriegen muss? Dann braucht die Herstellung, ohne dass das Rohr wulstig oder rissig wird, Fachwissen und spezielles Werkzeug.

Urs Kühni, Direktor der Mewag, deutet auf einen Koloss von Maschine, der in der grossen Fertigungshalle steht. Der Name Gigalus macht der Maschine alle Ehre: Innert kürzester Zeit macht sie aus einem bolzengeraden, dicken Stahlstrang ein mehrfach und in unterschiedlichsten Radien gebogenes Stück Rohr. Was der Spengler früher mühselig von Hand und mit Muskelkraft erledigte, das geschieht heute computergesteuert und vollautomatisch.

Mewag führt zahlreiche verschiedene Typen von Rohr- und Profilbiegemaschinen in ihrem Angebot. Meistens jedoch verlangt der Kunde nach einem spezifisch auf seine Bedürfnisse zugeschnittenen Modell. «Wir stellen jährlich rund 70 verschiedene Maschinen her, vom Handapparat bis zum 45 t schweren Gerät», sagt Kühni.

Markenzeichen Swissness

Typische Auftraggeber und Abnehmer der bis zu 1,7 Mio Fr. teuren Anlagen sind Zulieferer der Automobilindustrie sowie die Möbelindustrie, Wärme- und Kältetechniker und Anlagenbauer. Zwar ist der 65 Angestellte zählende Industriebetrieb in Wasen im Emmental ab vom Schuss. Doch gehen neun von zehn Maschinen ins Ausland, vor allem nach Deutschland, Skandinavien, Osteuropa und in die USA, wo das Unternehmen eine eigene Niederlassung unterhält. Auch die Mewag muss sich vermehrt mit der weit günstiger offerierenden Konkurrenz aus Fernost messen. «Da bestehen teilweise Preisdifferenzen von bis zu 50%», so Kühni. Um im Verdrängungswettbewerb bestehen zu können, spielt die Emmentaler Firma die Karten «Swissness», Technologieführerschaft und Service aus und erfüllt auch die ausgefallensten Kundenwünsche.

Die Mewag ist ursprünglich ein Familienbetrieb, der vor über 100 Jahren gegründet worden war und sich damals auf die Herstellung von landwirtschaftlichen Geräten wie Seilwinden, Schneepflügen, Nägeln und Güllenrohren spezialisiert hatte. 1955 folgte die Umstellung auf Rohr- und Profilbiegemaschinen.

Massarbeit für Verschlungenes

Seither hat sich die Mewag einen globalen Marktanteil von 2,5% und einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Auch im Emmental, wo die meisten Komponenten in oder ausser Haus in regional verankerten Betrieben hergestellt werden.

Die Biegemaschinen gelangen überall zum Einsatz, wo Rohre hergestellt werden, die nicht gerade, sondern auf verschlungenen Wegen etwas transportieren oder für Stabilität sorgen sollen. Die Palette reicht von Rohren für Auspuffe, Sitzstützen, Heizspiralen, Dieseleinspritzern bis zu Türfallen oder Air-Bags im Durchmesser von 4 mm bis 17 cm.

«Das sind die gebräuchlichsten Masse», sagt Urs Kühni. «Aber wir stellen natürlich ständig Überlegungen an, wie das Biegen der Zukunft aussehen könnte.» So liegt auf dem Schreibtisch des Mewag-Chefs eine mehrfach gebogene Kanüle von gerade mal 0,5 mm Durchmesser. Ein Prototyp, der mit einer neuen Maschine gefertigt wurde.

Besonders stolz ist man bei Mewag aber auch auf jene Maschinen, die in England stehen und auf denen Auspuffrohre für fast sämtliche Formel-1-Teams hergestellt werden. Ein rasantes Kompliment an die Adresse der Kurventechniker im Maschinenbau.

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Firmenprofil

Name: Mewag Maschinenfabrik

Gründung: 1955

Führung: Urs Kühni

Umsatz: 13 Mio Fr.

Beschäftigte: 65

Produkte: Rohr- und Profilbiegemaschinen

Internet: www.mewag.com

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