Bislang war Jörg Blunschi in der Migros-Welt wenig bekannt. Mit der Übernahme des deutschen Detailhändlers Tegut tritt der Chef der Genossenschaft Migros Zürich aber ins Rampenlicht. Dass Tegut Blunschis Projekt ist, macht er mit der Besetzung des Verwaltungsrats klar. Dort ziehen nicht etwa MGB-Chef Herbert Bolliger oder der Deutschlandkenner und Ex-Rewe-Mann Dieter Berninghaus ein. «Ich werde den Verwaltungsrat ­präsidieren. Bolliger und Berninghaus ­werden nicht im VR sitzen», sagt er.

Dem 51-Jährigen mangelt es nicht an Selbstbewusstsein. «Die Idee kam von mir», sagt er, und nicht etwa von Bolliger, mit dem er aber von Anfang an einen «regen Austausch» hatte. Auch  Berninghaus, Leiter des Migros-Departements Handel,  «stand nur beratend zur Seite», sagt Blunschi. Tegut betreibe Supermärkte, was das Kerngeschäft der Genossenschaften, nicht der Verwaltung sei.

Gerne hätte er auch Götz Werner im Aufsichtsgremium. Der Gründer der Drogeriekette DM war bislang im Stiftungsrat  von Tegut. «Ich wäre glücklich, wenn er zusagen würde.» Die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» hatte berichtet, Werner müsse den Stiftungsrat verlassen.

Blunschi ist seit Mai 2010 Chef der ­Genossenschaft Migros Zürich. Zuvor war er bei der Genossenschaft Basel mitverantwortlich für Migros Deutschland (Freiburg, Reutlingen etc.). So entstanden die Kontakte zu Tegut-Patron Wolfgang Gutberlet, die im  Frühjahr intensiviert wurden. Blunschi: «Seit Mai habe ich mit dem Tegut-Inhaber gesprochen.» Hintergrund ist die Zusammenarbeit mit der deutschen Alnatura, deren strategischer Partner Tegut ist. Ende August ­eröffnete Migros Zürich einen Alnatura-Biomarkt in Höngg.

BILANZ schätzt, dass der Kaufpreis zwischen 200 und 250 Millionen Franken liegt. Das ist weniger als bislang kolportiert. Denn das von Blunschi akquirierte Handelsgeschäft trägt gemäss Tegut-Kennern nur etwa 80 Prozent zum Umsatz von 1,4 Milliarden Franken bei.

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Für die Finanzierung greift Blunschi zwar nicht auf Banken zurück, allerdings auf Migros-Chef Bolliger. Denn mit  den flüssigen Mitteln der Migros Zürich von rund 21 Millionen Franken lässt sich Tegut nicht kaufen. Ausserdem wird  Tegut in der Migros-Gruppe vollkonsolidiert. Das heisst: Migros-Finanzchef Jörg Zulauf muss für die Finanzierung geradestehen. Blunschi: «Wir lösen die Finanzierung intern, in Zusammenarbeit mit dem MGB.» Ueli Kneubühler