Bei der Migros bleibt kein Stein auf dem anderen: In der Zentrale in Zürich werden 290 Arbeitsstellen abgebaut, ganze Abteilungen aufgelöst oder zusammengelegt, Direktoren frühpensioniert, entlassen oder degradiert. Und jetzt sollen gemäss Recherchen sogar zwei langjährige Mitglieder der Generaldirektion den Detailhandelskonzern verlassen: Hansueli Siber, Marketingchef, und Walter Huber, Industrie-Chef.

Siber und Huber betreuen Schlüsselpositionen in der siebenköpfigen Konzernleitung; Huber leitet seit zehn Jahren eine Direktion mit 14'000 Mitarbeitenden und 6,5 Milliarden Franken Umsatz. Die Migros-Kommunikation will sich zu Fragen nicht äussern. Ursprünglich war eine Information diesen Freitag vorgesehen, nach einer Anfrage der «Handelszeitung» ging die Migros am Mittwochmittag in die Offensive.

Gravierend ist der Abgang auch im zentralen Marketing beim Migros Genossenschaftsbund (MGB). Vor wenigen Wochen wurde kommuniziert, dass Roman Reichelt, Leiter Marketing-Kommunikation, das Unternehmen verlässt. Er wechselt zur Grossbank Credit Suisse, wo er das Marketing der Schweiz-Einheit übernimmt.

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Der neue Ton des Fabrice Zumbrunnen

Die beiden Reorganisationsprojekte «Fast Forward» im Migros Genossenschaftsbund und «Puma», das Industrie, MGB und Marketing tangiert, sorgen intern für Ärger, Nervosität und Unverständnis. Diese Begriffe bezeichnen den grössten Umbau bei der Migros seit vielen Jahren. Die 290 Vollzeitstellen, die eingespart werden, sollen grösstenteils durch Frühpensionierungen und Abbau nach natürlichen Abgängen reduziert werden. Allerdings kommt es auch zu 70 Kündigungen.

Durch die Massnahmen will Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen 120 Millionen Franken einsparen. Beim MGB, der Genossenschaftszentrale, die heute 2700 Mitarbeitende beschäftigt, könnte jede neunte Stelle wegfallen.

Dass Zumbrunnen andere Töne anschlägt als sein Vorgänger Herbert Bolliger, wurde bereits auf der Bilanzmedienkonferenz im März klar. Als Lenker der Genossenschaft, die nicht gewinnorientiert geschäftet, sprach er auffällig viel über den Geschäftsertrag. Allerdings gaben die Zahlen auch Anlass dazu: Das Plus der Migros war zum Vorjahr um ein Viertel geschrumpft. Zumbrunnen sah Handlungsbedarf – und schob die Sparprogramme an. Das sorgt für erhebliche Unruhe im Unternehmen. Zum Aufruhr trägt bei, dass die Migros-Spitze gegen innen wie aussen nur mangelhaft kommuniziert. Dafür werden Medienartikel im Intranet ausgiebig kritisiert und als Desinformation abgetan.

Lesen Sie hier den Kommentar zum Umbau von Detailhandelexperten Andreas Güntert: Migros: Zwei M härter.