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Schnellverpflegung
Migros schickt Frau Helvetia an den Start

Hauptbahnhof Zürich: Erste Station für «Frau Helvetia»

Frisches Konzept mit alten Rezepten: Wie die Migros Zürich eine neue Take-Away-Marke lanciert. Und welche Rolle der Alkohol dabei spielt.

Von Andreas Güntert
am 19.10.2016

Brezelkönig, Coop to go, Manora Fresh To Go, Marché Express: Die Schweizer Detailhändler sind wild darauf, sich ein Stück vom grossen Take-Away-Kuchen zu schnappen. Das Geschäft mit hungrigen Pendlern lässt sich gut kalkulieren: Der Personalaufwand ist klein, die Margen sind anständig und bei Standorten an guter Lage lässt sich das Kundenaufkommen zuverlässig planen. Der Verband Gastrosuisse schätzt den Umsatz der Schnellverpflegung in der Schweiz auf 2,6 Milliarden Franken.

In dieses Geschäft drängt nun auch die Genossenschaft Migros Zürich (GMZ). Im Februar 2017 will sie im Hauptbahnhof Zürich den ersten Betrieb ihres neuen Konzeptes «Frau Helvetia» öffnen. Das Rezept: Frische Swissness mit alten Rezepten.

Rheintaler Ribel, Häfelichabis, Ofenguck

GMZ-Sprecher Franco Laratta lässt sich schon etwas in die Töpfe blicken: Frau Helvetia setze voll auf Swissness, «alte Schweizer Rezepturen werden frisch vor Ort produziert und originell verpackt.»

Nun ist es so, dass die GMZ nicht als erste auf Schweiz-Appeal im Schnellverzehr setzt. Diesen Ansatz pflegt auch das  Konzept «Zopf und Zöpfli», das Betty Bossi und Marché Schweiz (beide Coop) jüngst an den Start geschickt haben.

Frau Helvetia allerdings greift etwas weiter nach hinten in der Swissness-Schublade. Regelmässig, sagt Laratta, sollen kulinarische Streifzüge durch die Schweiz stattfinden: «Jeder Kanton stellt seine Spezialitäten im Wechsel vor.». So etwa Rheintaler Ribel, Urner Häfelichabis oder Ofenguck überbacken mit Sbrinz. Beim Logo geht die Migros Zürich auf Nummer sicher: Bildsprache in rot-weiss, Schweizerkreuz - Swissness, die jeder auf Anhieb versteht.

Frau Helvetia serviert auch Wein und Bier

Wie sehr Passanten im Schnellverzehr-Modus auf urchige Schweizer Originale zurückgreifen mögen, bleibt abzuwarten. Ebenso, wie sich eine Portion Ofenguck im Tram oder in der vollgestopften S-Bahn würdevoll verspeisen lässt. Immerhin: Die Gerichte sollen auch auf einigen Sitzplätzen vor Ort konsumiert werden können.

Die Migros, die bei Retail-Formaten unter dem orangen «M» auf Alkohol verzichtet, lässt Frau Helvetia ein Sonderzügli fahren. Schon im Markenschutzgesuch wird explizit auf Alkoholika hingewiesen. Allerdings soll kein harter Bölkstoff zum Ausschank gelangen, sagt Laratta. Es handle sich um «tiefprozentige Alkoholika wie saurer Most, Bier und Wein.»

Chefin gesucht

Sehr konzepttreu gibt sich die Migros Zürich in Job-Inseraten, die diese Woche online gegangen sind. Werden Stellen in der Regel geschlechtsneutral ausgeschrieben, so wird für die erste Chef-Position im Zürcher Hauptbahnhof ausdrücklich nach einer «Betriebsleiterin» gesucht. Für Frau Helvetia, das wird klar, muss eine Chefin her.

Eine aber, die Stehvermögen hat: Migros Zürich listet im Aufgabenbereich der künftigen Frau-Helvetia-Obfrau die Verantwortung für die gesamte Betriebsführung auf, inklusive Produktion vor Ort. In Zahlen: «7-Tagesbetrieb, Schichtbetrieb ab 05.15 Uhr bis ca 22.15 Uhr.»

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