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Geldpolitik
Mit diesem Kniff verdienen Banken an den Negativzinsen

Schweizerische Nationalbank: Nicht alle Banken nutzen den gesamten Freibetrag für sich selbst. Keystone

Einige Schweizer Banken brauchen nicht ihren gesamten Freibetrag bei der Nationalbank. Für sie werden die Negativzinsen zum einträglichen Geschäft.

Von Sven Millischer und Laura Frommberg
am 24.08.2016

Das Wehklagen über die Negativzinsen ist in der Finanzwelt gross. Darüber geht manches Mal vergessen, dass diese für zahlreiche Schweizer Banken auch ein gutes Geschäft sein können. Ein Blick auf die Bankenlandschaft zeigt: Mehrere Geldhäuser nutzen die Negativzins-Politik der Schweizerischen Nationalbank, um damit Geld zu verdienen.

Denn jede Bank hat einen Freibetrag, auf den sie der Nationalbank keine Strafzinsen von 0,75 Prozent zahlen müsssen. Doch längst nicht alle nehmen den vollen Betrag in Anspruch. Einige Banken bieten die Differenz solchen Anlegern an, die ihren Freibetrag bereits ausgeschöpft haben, gegen einen geringeren Zins als die Strafgebühren der SNB.

Ertrag im «tiefen, einstelligen Millionenbereich»

Die St. Galler Kantonalbank etwa benötigt nur rund 2,7 der 3,4 Milliarden Franken Freibetrag für sich selbst. Die Differenz von 700 Millionen Franken nutzt die SGKB, um mit der SNB-Politik Geld zu verdienen. Dazu nehme sie «beispielsweise kurzfristige Geldanlagen von ausländischen Investoren entgegen», sagt Sprecher Simon Netzle. Die aktive Bewirtschaftung der Freigrenze ist profitabel: SGKB-Chef Ledergerber spricht von einem Ertrag im «tiefen, einstelligen Millionenbereich», den man aus diesem Liquiditätsmanagement ziehe.

Nicht nur die St. Galler betreiben die Negativzins-Arbitrage. Auch die Regionalbanken-Gruppe Clientis und die Berner Valiant bestätigen, dass man die Freibeträge für sich nutze. Ein Indiz, dass weitere Banken diese Praxis verfolgen, liefern die steigenden Verpflichtungen gegenüber anderen Banken. Bei der Schwyzer Kantonalbank beispielsweise schnellte dieser Bilanzposten zwischen Ende 2014 und 2015 von 50 auf 800 Millionen Franken. Man betreibe ein «aktives Liquiditätsmanagement», heisst es von der SZKB.

Freigrenze bei dem 20-Fachen der Mindestreserve

Dass zahlreiche Retail- und Staatsbanken überhaupt an den Negativzinsen verdienen können, liegt im Meccano der Freigrenze begründet. Diese entspricht dem 20-Fachen der Mindestreserve, die eine Bank bei der SNB halten muss. Die Mindestreserve bemisst sich prozentual an den kurzfristigen Verdbindlichkeiten der Bank gegenüber Sparkunden und anderen Instituten. Kantonal- und Retailbanken haben naturgemäss mit ihrem Zinsdifferenzgeschäft grosse Spareinlagen und müssen eine entsprechend hohe Mindestreserve bei der SNB halten – was wiederum zu einer relativ hohen Freigrenze führt.

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