Ein effizienterer Umgang mit Energie ist aus verschiedenen Gründen von Nöten. Zum einen fördern die Verbrennung fossiler Brennstoffe und die dadurch bedingte Freisetzung von Kohlendioxid die globale Erwärmung und den damit verbundenen Klimawandel, zum anderen wird die Verfügbarkeit der Energieressourcen immer knapper. Zusätzlich verschärft wird das Problem durch die Tatsache, dass die Öl- und Gasvorkommen hauptsächlich in politisch instabilen Regionen konzentriert sind und der Energieverbrauch in bevölkerungsreichen Ländern wie China und Indien stark ansteigt.

Viele Technologien zum schonenden Umgang mit Energie sind bereits vorhanden und müssen nur noch auf breiter Ebene eingesetzt werden. Ein wegweisendes Modell im Bereich Gebäudetechnik hat der Technologiekonzern Siemens mit dem sogenannten Energiespar-Contracting entwickelt.

Tatsache ist: Tausende von Gebäuden verschwenden auch in der Schweiz zu viel Energie. Vor allem im Bereich der Altbauten besteht diesbezüglich grosser Nachholbedarf, brauchen doch bestehende Gebäude zur Beheizung etwa dreimal so viel Energie wie Neubauten. Durch Einsatz der aktuellen Technik liessen sich die Energieausgaben massiv reduzieren. Knappe Firmenbudgets und leere öffentliche Kassen machen diesem Vorhaben jedoch oft einen Strich durch die Rechnung. Denn bevor die Betriebskosten sinken und das Klima geschont wird, sind erst einmal Investitionen in eine moderne Gebäudetechnik notwendig. Einen Ausweg aus diesem Konflikt bietet das Energiespar-Contracting, das sowohl für Industriebetriebe als auch für Spitäler, Schulen, Schwimmbäder und Verwaltungsgebäude geeignet ist.

Energie sparen mit Contracting

Dabei wird zuerst die Energieeffizienz aller installierten Beleuchtungen, Elektrogeräte, Maschinen, Heizungen, Klima- und Wasserversorgungsanlagen geprüft. Danach werden massgeschneiderte Modernisierungsmassnahmen festgelegt, mit denen die Energienutzung verbessert werden kann. Rechtfertigen die Einsparungen eine Investition, wird ein Energiesparvertrag abgeschlossen. Die Investitionen amortisieren sich durch die Einsparungen von Energie- und Betriebskosten, die zuvor berechnet und vertraglich garantiert wurden. Nach Ende der Vertragslaufzeit fallen sämtliche Einsparungen allein dem Gebäudebetreiber zu. Ein Paradebeispiel, das in angepasster Form durchaus auch in der Schweiz Schule machen könnte, ist Berlin. Im Rahmen einer Energiepartnerschaft hat Siemens über 200 öffentliche Gebäude unter Vertrag und garantiert Einsparungen von 5,26 Mio Euro jährlich. Vor allem in kommunalen Altbauten macht sich das Contracting bezahlt. So werden mit der Sanierung elf städtischer Hallenbäder Einsparungen von jährlich 1,63 Mio Euro erzielt. Die Spezialisten tauschten alte Heizkessel aus, installierten effizientere Anlagen für Wärmerückgewinnung und Warmwasseraufbereitung und stellten von Öl- auf Gasbetrieb um.

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Auch durch eine Gebäudeperformance-Optimierung lassen sich enorme Einsparungen bei den Betriebskosten erzielen, wie das Beispiel Gubelstrasse in Zug eindrücklich zeigt. Im Hauptgebäude von Siemens Building Technologies konnte der Energieverbrauch innert sechs Monaten halbiert werden. In der letzten Heizperiode verbrauchte das aus den 40er Jahren stammende Gebäude an der Gubelstrasse, verglichen mit dem Vorjahr, 50% weniger Energie. Damit wurde die Umwelt um 153 t CO2 entlastet. Das entspricht dem Treibgas-Ausstoss von 53 Autos bei einer Fahrleistung von je 20000 km.

Möglich machte dieses eindrückliche Ergebnis eine Gebäudeperformance-Optimierung. Das Prinzip ist einfach: Erfassen, Analysieren, Vergleichen mit Referenzwerten, Erheben von besonderen Bedürfnissen, Ableiten und Umsetzen von Massnahmen. In Zug verglichen die Experten deshalb zuerst den Energieverbrauch mit der Energiebezugsfläche und stellten dabei sofort grosses Optimierungspotenzial fest. Anschliessend wurden die Mitarbeitenden über ihre Erfahrungen mit dem Raumklima sowie die Nutzungs- und Arbeitszeiten befragt.

Neue Regelstrategie für Heizung

Messungen zeigten dann auf, ob die Raumtemperaturen den unterschiedlichen Bedürfnissen entsprachen. Das war nicht immer der Fall. So waren beispielsweise die Lagerräume auf 22° C geheizt, obwohl sich dort Personen nur kurzzeitig aufhalten. Ohne Komfortverlust konnte die Temperatur in diesem Fall auf 19 bis 20° C abgesenkt werden. Alle Erkenntnisse dieser Art wurden danach in der neuen Regelstrategie für die Heizung umgesetzt. Dank der Einbindung der Station für Wärmeübergabe und -verteilung in eine Leitstelle lässt sich nun jederzeit leicht feststellen, wie sich die Änderungen auswirken und ob allenfalls Anpassungen nötig sind.