Die Credit Suisse (CS) gerät immer tiefer in die Turbulenzen um Greensill. Dabei beunruhigt die Anleger die Frage, ob sich die CS an allfälligen Verlusten der «Greensill»-Fonds beteiligen muss. Nicht ausgeschlossen wird auch Betrug der inzwischen insolventen Greensill bei der Versicherung der Fondswerte.

Grundsätzlich ist der Fall allerdings eindeutig: Das Risiko von Fondsverlusten liegt bei den Investoren und nicht beim Fondsmanager, also der CS. Das sei insbesondere bei Fonds der Fall, die sich ausdrücklich an «qualifizierte Investoren» richten, sagte der Berner Wirtschaftsrechtsprofessor Peter V. Kunz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP.

«Solche Anleger sollten nämlich wissen, auf welche Risiken sie sich einlassen», so Kunz. Generell könnte die CS dann ein Problem bekommen, wenn sie beim «Setup» der Fonds etwas falsch gemacht hätte.

Vertrauensproblem der Versicherer

Die fraglichen «Lieferketten-Finanzierungsfonds» investierten in Forderungen von Lieferanten an Unternehmen. Die von Greensill ausgewählten Papiere wurden dabei versichert - wobei auch die Greensill Bank als Partei eine Rolle in dem Versicherungsprozess spielte, wie einem CS-Papier zu entnehmen ist. Die Bank ist inzwischen von der deutschen Finanzaufsicht Bafin geschlossen worden.

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Ins Wanken kamen die «Greensill»-Fonds der CS, als Versicherer neue Forderungen nicht mehr versichern wollten - was offenbar auf ein Vertrauensproblem hindeutet. Gravierender könnte das Problem dann werden, wenn Versicherungsgesellschaften wegen möglichen Betrugs die Auszahlung von Versicherungsleistungen verweigern würden.

Fragliche CS-Verantwortung

Die CS selbst lässt in einem Mitte Woche erstellten Dokument an die Investoren offen, was die Auswirkungen von allfälligen Betrügereien durch Greensill gegenüber Versicherern wären. Die Bank sehe sich "alle Aspekte" an, welche die Bewertung der Anlagen beeinflussen könnte, heisst es zu dieser Frage lediglich.

Selbst wenn Betrug durch Greensill vorliegen würde, so müsste das aber nicht automatisch auf die Credit Suisse als Fondsmanagerin durchschlagen, meint Kunz. Eine Verantwortung der Bank könnte wohl nur dann geltend gemacht werden, wenn sie von einem solchen Betrug gewusst habe - oder zumindest davon hätte wissen müssen, so der Wirtschaftsrechts-Experte.

Risikochefin bewilligte Kredit

Am Vortag war bekannt geworden, dass ein australischer Hedge Fund gegen die CS-Aktien wettet: Der Fonds setze darauf, dass die Schweizer Bank schlussendlich für Verluste ihrer Klienten im Zusammenhang mit den Fonds in Milliardenhöhe geradestehen müsse, berichtete «Bloomberg».

Zahlreiche Medien spekulieren bereits über personelle Konsequenzen des Falls auf Geschäftsleitungsebene, wobei insbesondere Risikochefin Lara Warner im Visier ist. Sie habe im Oktober einen Kredit in Höhe von 140 Millionen Dollar persönlich abgesegnet, schrieb die «Financial Times». Dies, obwohl in London ansässige Risikomanager davor gewarnt hätten. Die Rückzahlung des Kredits sei fraglich, erklärten Greensill-Anwälte gegenüber der FT.

Die anhaltenden Negativnachrichten belasten derweil den Aktienkurs der Credit Suisse stark. Am Freitagnachmittag notieren die CS-Aktien um 3,4 Prozent im Minus auf 11,99 Franken. Auf Wochensicht haben sie damit rund 6 Prozent ihres Werts verloren.

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(awp/mlo)