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Steuerbetrug
Zürcher Banker mitten in portugiesischer Staatsaffäre

Die Akoya Asset Management bediente hochkarätige Kunden aus Portugal. Keystone

In Portugal platzte übers Wochenende eine Bombe: Hohe Wirtschafts- und Politikergrössen sollen systematisch Gelder hinterzogen haben. Ein Vehikel dafür lag in Genf, ein Drahtzieher weilte in Zürich.

Von Christian Bütikofer
am 21.05.2012

Portugals Polit- und Wirtschaftselite erschüttert ein Geldwäscherei-Skandal. Inmitten der Affäre befindet sich die 2009 in Genf gegründete Akoya Asset Management um deren Zürcher Präsident Michel C., der bis zur Gründung dieser Anlage-Boutique ein UBS-Kadermitglied war.

Volltreffer am Golfturnier

Der Schweizer Bankier C. wurde in Portugal am Donnerstag wegen des Verdachts auf Steuerbetrug und Geldwäscherei von Beamten des «Departamento Central de Investigação e Acção Penal» (DCIAP) vorübergehend festgenommen.

Das Datum war von der Polizei sorgfältig ausgewählt worden, denn am gleichen Tag veranstalteten C. und seine führenden Akoya-Geschäftspartner im Oporto Golf Club in Espinho ein Golfturnier.

Involviert in die Razzia waren auch die Steuerbehörden Portos und Bragas. In der «Monte Branco» (Mont Blanc) getauften Operation arbeiteten über 50 Beamte mit, die 21 Örtlichkeiten durchsuchten, darunter etwa Anwaltskanzleien und Zimmer im Hotel Sheraton in Porto.

Vermutete Deliktsumme: 1 Milliarde Euro

Die Deliktsumme dürfte laut der portugiesischen Presse gegen eine Milliarde Euro erreichen. Unter anderem bedienten sich die Banker einer Filiale der Banco Português de Negócios (BPN) auf Cabo Verde (Kapverdeninseln).

Mit Banker C., der als einer der Drahtzieher gilt, kamen mehrere Portugiesen in Haft, darunter weitere Kadermitarbeiter Akoyas. Eine Person wurde gegen eine Kaution von 200'000 Euro wieder freigelassen. Die Mehrheit der führenden Mitarbeiter Akoyas verfügen über eine Vergangenheit bei der UBS. Wenige Monate vor der Gründung der Genfer Akoya Asset Management im Juli 2009, vermeldete die Schweizer Grossbank, ihre Dependancen für Private-Wealth-Geschäfte in Portugal zu schliessen.

Pikant: Akoya geschäftete im Umfeld der Firma «Montenegro e Chaves Lda», gegen die bereits 2005 ein offizielle Warnung wegen unerlaubten Devisenhandels veröffentlicht wurde. Deren Hintermann Francisco José Dias Franco Canas ist einer der Verhafteten und eröffnete in Bankfilialen rund um Lissabon Konten. Damit konnten Akoya-Kunden schwarz ausgeführte Gelder wieder repatriieren.

Schweizer Handys zur Tarnung

Die aktuelle Untersuchung überschneidet sich mit anderen Affären, in welche stets der ehemalige Abgeordnete der konservativen Partei Partido Social Democrata (PSD) und Anwalt Domingos Duarte Lima verwickelt ist. Lima stand verkehrt auch in Umfeld von Akoya.

Dank seiner langjährigen Tätigkeit für die UBS verfügt Michel C. über beste Verbindungen in die High Society Portugals. Um die Kommunikation mit den Klienten vor den portugiesischen Behörden zu verstecken, stattete die Akoya ihre Kunden unter anderem mit anonymen Schweizer Handys aus.

Eine Mordanklage in Brasilien

Der Anwalt und Ex-Politiker des PSD Domingos Duarte Lima wurde von der brasilianischen Staatsanwaltschaft Ende Oktober 2011 des Mordes angeklagt. Lima soll die 74-jährige Rosalina Ribeiro, die Lebensgefährtin und Erbin des verstorbenen portugiesischen Multimillionärs Lúcio Tomé Feteira, Anfang Dezember 2009 auf ein brachliegendes Stück Land in Brasilien gelockt und mit mehreren Schüssen niedergestreckt haben.

Das vermutete Motiv: Sie weigerte sich zu unterschreiben, dass sich der Anwalt im Rechtsstreit um das Erbe nicht selbst mit über fünf Millionen Euro bereichert habe.

Der Mord soll minutiös und langfristig geplant gewesen sein. Domingos Duarte Lima ist für die Staatsanwaltschaft Rio de Janeiros der einzige Verdächtige und steht bei Interpol zur Verhaftung ausgeschrieben. Er bestreitet jegliche Schuld.

Im Zusammenhang mit dieser Affäre tauchten schon damals andere Schweizer Banker und Firmenkonstrukte in Genf auf. Und die Ermittler wurden stutzig, als sie bei Anwalt Duarte Lima eines jener ominösen Schweizer Handys entdeckten.

Anwälte, Pressebarone, Bankenchefs als Kunden

Nun soll Domingos Duarte Lima den Behörden Hinweise geliefert haben, die bei der Aufdeckung des schweizerisch-portugiesischen Netzes geholfen haben. Denn neben den massiven Problemen in Brasilien wird der Ex-Abgeordnete Duarte Lima von der portugiesischen Justiz auch wegen Betrugsverdachts in Millionenhöhe verfolgt.

Die Staatsanwaltschaft Portugals ist jedoch seit langem über die Machenschaften von Akoya informiert gewesen. Lima habe die Behörden in ihrem Verdacht nur weiter bestärkt, schrieb die ebenfalls am Samstag erscheinende Wochenzeitung «Expresso».

Die Klientenliste von Michel C. liest sich wie ein «Who is Who» der portugiesischen Elite. So hatte er laut Medienberichten auch Paulo Fernandes als Kunde, was dieser bestreitet. Fernandes gehört das Verlagshaus Cofina und kennt C. seit Jahren. Die UBS beteiligte sich für Dritte in der Vergangenheit am Medienhaus, das unter anderem das Boulevardblatt «Correio da Manhã» herausgibt, die meistgelesene Zeitung Portugals.

Ebenfalls mit C. bekannt war Amílcar Carlos Ferreira de Morais Pires, ein hoher Bankier der «Banco Espirito Santo» (BES). Von der Schweizer-Anlage-Connection wollte auch der skandalumwitterte Ex-Präsident der Banco Português de Negócios (BPN), José Oliveira e Costa, profitieren.

Im Web Spuren verwischt

Die Affäre in Portugal hinterlässt bei den Akoya-Verantwortlichen Spuren. So wurde die Website seit kurzem offline genommen. Als «Klienten» nannte Akoya die Credit Suisse, UBS, HSBC Private Bank, Pictet & Cie, Lombard Odier Darier Hentsch, Piguet Galland & Cie sowie die ES-Bankers in Dubai.

Die Akoya, die offiziell in Genf residiert, dürfte trotz Zentrum Genf auch von einem beschaulichen Dorf im Zürcher Oberland aus gemanaged worden sein, dem Wohnort von C.

Investment beim Berliner Flughafen

C. ist seit diesem März auch Verwaltungsrat der Acron Berlin Brandenburg International Airporthotel (ABBIA AG), eine Investitionsgesellschaft der Acron AG, die das 4-Sterne Steigenberger Superior Airport Hotel am Berliner Flughafen BER aufzog. Acron schreibt auf deren Homepage, man habe das Hotel an «einen privaten Investor veräussert», bleibe aber daran beteiligt.

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