Der Mord an Financier Edouard Stern bewegt Genf noch immer. Für die Steuerbehörden führt der Tod des illustren Bankiers – er ist Anfang März von der Geliebten beim Schäferstündchen mit vier Schüssen niedergestreckt worden – aber zu einem unerwarteten Geldregen.

Edouard Stern, gebürtiger Franzose, geschieden und Vater dreier Kinder, zog 1988 in die Schweiz. «Stern wurde pauschal besteuert», verlautet aus einer ihm nahe stehenden Quelle. Diese Veranlagungsform erlaubt es hier niedergelassenen, wohlhabenden Ausländern, nach der Höhe ihrer Ausgaben und damit unabhängig vom Einkommen besteuert zu werden. Dafür fällt, anders als bei normal besteuerten Personen, im Todesfall eine Erbschaftssteuer an.

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Sterns drei Kinder werden damit zwischen 6 und 7,8 Prozent des väterlichen Vermögens dem Genfer Fiskus übergeben müssen (hätte Stern nur indirekte Nachkommen gehabt, wären sogar bis zu 54,6 Prozent an den Fiskus gefallen). Besteuert wird dabei das weltweite Vermögen des Bankiers, mit Ausnahme jener Immobilien, die sich ausserhalb des Kantons Genf befinden.
Die exakte Höhe des Vermögens zu eruieren, wird viel Detektivarbeit erfordern. 1998 hatte Stern 300 Millionen Euro kassiert, als er seine Bank Stern an die UBS verkaufte. Er galt als Experte in Sachen Steueroptimierung. Seine Geschäfte verwaltete er diskret von Genf aus über die Investments Real Returns (IRR). An gleicher Adresse, am gleichen Briefkasten und unter der gleichen Faxnummer finden sich noch drei weitere Finanzinstitute. Ihre Töchter sind über den ganzen Globus verteilt, von Genf über Luxemburg bis zu den British Virgin Islands.

Ausserdem besitzt Stern über die Dombes SA Immobilien im Wert von rund 100 Millionen Franken, hauptsächlich in den Genfer Stadtteilen Villereuse, Les Acacias und Meyrin. Nach letzten Schätzungen dürfte das Vermögen eine halbe bis eine ganze Milliarde betragen. Damit werden Stadt und Kanton nach dem «Latex-Mord», wie er in der Boulevardpresse genannt wurde, 30 bis 78 Millionen kassieren.

Dabei ist das erst im Juni 2004 verabschiedete Steuergesetz den Kanton bislang teuer zu stehen gekommen: Milliardär Mohammed Al-Fayed etwa, Besitzer des Londoner Nobelwarenhauses Harrod’s und bisher in Genf pauschal besteuert, verlegte den Wohnsitz nach Monaco, um der Erbschaftssteuer zu entgehen.