Nach dem Tauziehen im Vorfeld ist die Auktion der 5G-Frequenzen offenbar recht reibungslos verlaufen. Die kleineren Mitbieter, Sunrise und Salt, vermelden denn auch, sie seien «sehr zufrieden». Swisscom hält sich in der Wortwahl zurück, hat aber den Löwenanteil ersteigert.

Damit ist die Schweiz nach Italien und Grossbritannien das erste Land in Europa, dass die 5G-Frequenzen verteilt hat, und sogar zu einem relativ kleinen Preis. Spülte die Auktion 380 Millionen Franken in die Kasse des Bundes, waren es 2012 bei der Vergabe der 4G-Frequenzen noch fast 1 Milliarde Franken. Ein vierter Bieter – die britische Dense Air und doch nicht Vodafone, wie im Vorfeld vermutet wurde – ging leer aus.

Wettrennen um konkurrenzfähiges Mobilnetz

Der Rahmen für den Netzausbau über die kommenden 15 Jahre ist damit gesetzt, so lange laufen die Lizenzen. Jetzt wird sich zeigen, ob die Telekomanbieter mit den ergatterten Frequenzen ein wettbewerbsfähiges 5G-Netz aufbauen können. Sunrise jubelt hier, es habe die «strategisch wichtigsten Frequenzen» erobert für seine Pläne, nämlich jene im 3,5 MHz-Band. Diese neu etablierten Bandbreiten sind tatsächlich zentral.

Andererseits gelten aber die Bandbreiten über 700 MHz als wichtig, um die schweizweite Netzabdeckung optimal zu gewährleisten, was gerade für den ländlichen Raum entscheidend ist. Darum stand eine paritätische Aufteilung dieser Frequenzen im Vorfeld auch zur Diskussion, es wurde festgelegt, dass ein Anbieter maximal 50 Prozent ersteigern darf. Das ist der Swisscom gelunden, sie eroberte drei Blöcke. Salt erhielt den Zuschlag für zwei, während Sunrise sich mit einem Block begnügen muss. Mehr seien «nicht nötig», hält Sunrise auf Nachfrage fest. Es wird sich zeigen, ob die Nummer zwei am Schweizer Markt auf dieser Grundlage ihre Pläne umsetzen kann.

Sunrise-Partner Huawei: Helfer oder Hürde?

Sunrise-Netzwerkausrüster Huawei baut vor allem auf die 3,5 GHz-Frequenzen. Und immerhin hat diese Partnerschaft Sunrise dazu verholfen, dass ihr Mobilfunk-Netz heute mit dem der Swisscom mithalten kann, wie die jährlichen Connect-Berichte zeigen. Was die Umsetzung von 5G anbelangt, liegen die chinesischen Hersteller vorn. Allerdings muss Huawei und damit auch Sunrise damit umgehen, dass die Sicherheitsbedenken gegenüber dem chinesischen Hersteller in Europa mittlerweile höchste Kreise erreicht haben und selbst in der Schweiz erste politische Stimmen eine Prüfung der Standards fordern. Es ist also möglich, dass Huawei als 5G-Zulieferer ausgebremst wird, auch wenn technisch noch nie eine Lücke oder eine Backdoor nachgewiesen wurde.

Es bleibt dabei: Die Vergabe der 5G-Lizenzen hat den Rahmen gesteckt – jetzt geht das wahre Wettrennen los. Die Schweizer Telekom-Anbieter wollen bereits Ende 2019 erste 5G-Anwendungen anbieten.

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