Chanel-Chefin Maureen Chiquet ist im Streit über den Kurs des französischen Luxusmodehauses mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Bis ein Nachfolger gefunden ist, führt Alain Wertheimer, dem Chanel gemeinsam mit seinem Bruder Gérard Chanel gehört, die Geschäfte.

Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Chiquet war neun Jahre Chefin von Chanel und eine der wenigen Frauen an der Spitze eines grossen Luxusmodehauses. Experten zufolge stolperte sie vor allem über Fehler im Geschäft in China, das von einer Abkühlung der Konjunktur betroffen ist.

Weltwirtschaft macht Luxusbranche zu schaffen

Hier sei Chanel offenbar zu stark engagiert gewesen, und auch die jüngsten Preissenkungen, um die grossen Unterschiede zwischen Europa und China zu reduzieren, schienen überzogen, erklärte Analyst Luca Solca von der Grossbank BNP Paribas.

Chanel machte zuletzt auch zu schaffen, dass das ohnehin seit Jahren gebremste Wachstum der Branche nochmals abebbte. Hierzu trug etwa der Ölpreisverfall bei, der die Wirtschaft in Russland und dem Nahen Osten belastet.

Familienunternehmen mit langer Tradition

Die Brüder Wertheimer leiten das Familienunternehmen seit 1996 in der dritten Generation. Alain war bisher als Präsident von Chanel tätig und lebt in New York, Gérard leitet von Genf aus die Uhrensparte. Gérard zählt zu den 300 Reichsten der Schweiz. 2015 kam er mit einem geschätzen Vermögen von 11 bis 12 Milliarden Franken im «Bilanz»-Ranking auf Rang sechs.

Die Anfänge des Geschäfts reichen bis 1923 zurück, als der Eigentümer der Galeries Lafayette, Théophile Bader, die Parfumhersteller Paul und Pierre Wertheimer mit der Designerin Gabrielle (Coco) Chanel bekannt machte. Die Wertheimers übernahmen einen Anteil von 70 Prozent am neuen Unternehmen Les Parfums Chanel, Bader 20 Prozent und Coco Chanel 10 Prozent.

Später kauften die Wertheimers Bader und Coco Chanel aus. Die heutigen Besitzer sind zudem Eigentümer der Weingüter Rauzan-Ségla in Margaux und Château Canon in Saint-Emilion.

Das sind die zehn Reichsten der Schweiz 2015:

(sda/jfr)

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