«Als der Vertrag unterschrieben war und die Personalie kommuniziert, dachte ich ab und zu, Nina, da hast du dir eine gros­se Aufgabe angelacht», sagt Nina Müller, seit 1. April CEO im Zürcher Traditionshaus ­Jelmoli. Angst? Zweifel? «Nein, Respekt. Das ist die richtige Position für mich und ich die richtige Person für die ­Position.»

Die Erwartungen an die CEO sind seitens der Jelmoli-Mutter Swiss Prime Site (SPS) hoch: Strategie klären, Profil schärfen, Umsatz und Gewinn steigern – sowohl im Haupthaus in der Zürcher City als auch an den neuen Standorten am Flughafen Zürich. Eine wahrlich grosse Aufgabe – gemäss Müller aber durchaus zu schaffen. Die erfahrene Detailhandelsmanagerin ist von der Relevanz von Jelmoli, mit 628 Mitarbeitenden und 226 Millionen Franken Umsatz, überzeugt: «Ein kuratiertes Multi-Marken-Sortiment ist angesagter denn je.» Ihr Credo: Fläche bekommt nur, was relevant ist. Und: «Ein Department Store ist nie fertig.»

Seit der Wieder­eröffnung im Mai brumme das Geschäft, «wir sind fast überall über Vorjahr». Den Konsumhunger will Müller weiter nähren, auch digital. Ende Oktober geht der neue Webshop ­online. Dort soll es um mehr gehen als nur um verkaufen: «Ab dann sind wir ein echter Omni-Channel», sagt ­Müller. Was das heisst, will sie zeigen, nicht sagen.

▶︎ Karriere

Ihren ersten Job nach dem Wirtschaftsstudium, das sie an der Uni Wien absolviert hatte, ergatterte sie mit einer Blindbewerbung zuhanden von Fritz Hummer, dannzumal CEO von Wolford. Nach zwei Jahren und dank einer Empfehlung von Francesca Bellettini, heute CEO von Yves Saint Laurent, wechselte sie 1997 als Managing Director UK zur Modemarke French Connection mit Arbeitsort London und dann nach Mailand zur italienischen Marke Mandarina Duck. Dort begann die Freundschaft mit Marco Bizzarri, damals Chef von Mandarina Duck Frankreich und heute CEO von Gucci.

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2005 wurde Müller Global Head of Retail Concepts bei Swarovski und absolvierte, was sie als «eine Art Meisterprüfung» tituliert: Sie entwickelte mit dem japanischen Designer Tokujin Yoshioka das bis heute aktuelle Shopdesign und setzte es schliesslich, mit dem Rückhalt von Robert Buchbauer, CEO Consumer Goods, und Nadja Swarovski, Enkelin des Firmengründers, auch um. Nach einem Zwischenhalt, «um mich neu zu orientieren», wurde Müller CEO der Coop-Tochter Christ mit 420 Mitarbeitenden. Wichtige Gesprächspartner in Sachen Karriere – «ich bin nicht der Typ Mensch, der die Dinge mit sich allein ausmacht» – sind Markus Ludescher, früher auch bei Swarovski und heute selbstständiger Berater, sowie Witena-Headhunter Thomas Frei.

▶︎ Die Unterstützer

Die Karriere führte Nina Müller nach Mailand, London, Wien und schliesslich in die Schweiz. Sie hat schon viele Zelte abgebrochen, ohne dabei die Verbindung zu Menschen zu kappen, denen sie begegnet ist. Dazu zählt Hanne de Mora, Unternehmerin und Nestlé-Verwaltungsrätin, an der Müller besonders schätzt, dass diese sie immer wieder «auch sehr kritisch herausfordert». Gleiches sagt sie über Dorothée Deuring. Die Verwaltungsrätin von Lonza und Axpo stammt wie Müller aus dem Vorarlbergischen. Von Daniel Stucker, Head of Trading bei Coop, und Coop-CEO Joos Sutter hat sie als Chefin der Uhren- und Schmuckkette Christ «viel Vertrauen und Freiheit» bekommen.

Benno Maggi, Inhaber der Agentur Partner & Partner, wurde im Prozess der Repositionierung von Christ zum Sparringspartner. Insbesondere dessen Ansatz, als Unternehmer in seiner eigenen Organisation jegliche Spielarten von Arbeitsverträgen zuzulassen, und die damit einhergehende Vielfalt und Mitarbeitermotivation haben sie begeistert. Wichtiger Unterstützer in ihrem gegenwärtigen Job als CEO von Jelmoli ist insbesondere René Zahnd, CEO von Swiss Prime Site (SPS), der Mutter von Jelmoli. Er hat sich nach einem «sehr langen Prozess» schliesslich für sie entschieden. Wesentlich ist für sie nun auch Rudolf Huber, SPS-Verwaltungsrat und Mitglied im Jelmoli-Beirat. Dazu Müller: «Er fordert uns in strategischen Projekten stark heraus, insbesondere in Sachen Omni-Channel.»

▶︎ Privat

Nina Müller ist als älteres von zwei Kindern in einem «optimistischen, tragfähigen Umfeld» im österreichischen Feldkirch aufgewachsen, den Bergen nah. Von da hat sie auch ihre grösste Leidenschaft, mal abgesehen vom Reisen: Ski fahren – ob auf präparierten Pisten oder im Gelände auf Skitouren. Rumstehen und Smalltalken mit Fremden sei ihre Sache nicht, sagt Müller. Das einzige Netzwerk, wo sie aktiv kommuniziert, ist LinkedIn.

Am wohlsten ist es der 51-jährigen Managerin im Kreis von Freunden und Bekannten. Ehrgeizig im Job, bezeichnet sie sich privat als Genussmenschen, nennt Italien ihre zweite Heimat, «ich liebe die Menschen, das Essen, die Mentalität, das Land», und träumt davon, dort dereinst ein Haus am Meer zu besitzen. Auf ihrer Bucketlist stehen zudem eine Safari und ein Trekking-Trip.

Nina Müller

Nina Müller in Skimontur.

Quelle: Privat
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