Stadler Rail geht an die Börse. Es ist die Krönung im Schaffen von Peter Spuhler. Die Belegschaft soll in den kommenden Jahren auf rund 10'000 von derzeit 8500 Mitarbeiter anwachsen, hiess es heute am Presse-Event in Bussnang. Das Unternehmen soll bis 2020 einen Umsatz von vier Milliarden Franken machen, ergänzt Peter Spuhler im Gespräch mit der «Handelszeitung» und «Cash.ch» (siehe unten). Zukäufe würden geprüft, in diesem Jahr habe Stadler bereits Aufträge im Wert von einer Milliarde Franken hereingeholt.

 

 

Experten schätzen die Firma auf einen Wert von bis zu vier Milliarden Franken. Spuhler hält 80 Prozent der Aktien. Nach dem IPO will der Patron immer noch mindestens 40 Prozent besitzen, wie der Alt-SVP-Nationalrat an der Bilanzmedienkonferenz sagte. Bis mindestens drei Jahre nach dem Börsengang möchte er ausserdem einen Anteil von 30 Prozent am Unternehmen behalten, dazu habe er sich verpflichtet, erklärte der Verwaltungsratspräsident.

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Stadler-Patron Peter Spuhler hat das Unternehmen 1989 gekauft – seinerzeit war die Mannschaft noch überschaubar. Innert 30 Jahren hat er aus dem Unternehmen einen Grosskonzern geformt. Gründer der heutigen Stadler Rail war aber ein anderer: Ernst Stadler. Er begann 1942 in Zürich mit dem Ingenieurbüro Stadler.

Zu Beginn rüstete das Unternehmen vor allem bestehende Lokomotiven von Diesel- auf Akku-Betrieb um. 1984 stieg Stadler in das Geschäft mit Personenzügen ein – Kerngeschäft waren damals Spezialanfertigungen für Schweizer Privatbahnen.

Kredit der Thurgauer Kantonalbank

Der eigentliche Grundstein für die heutige Stadler Rail wurde 1989 gelegt, als Peter Spuhler Stadler mit einem Umsatz von damals 4,5 Millionen Franken kaufte. Bezahlt hatte er für das Unternehmen – so sagt es zumindest die Gründungssage von Stadler Rail – 5 Millionen Franken. Finanziert hatte der Kauf die Thurgauer Kantonalbank

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So viel ist Stadler Rail wert

  • Bewertung: Basis für die Unternehmensbewertung ist die Multiplikatormethode, die den potenziellen Firmenwert durch den Umsatz oder den operativen Gewinn (Ebit) bemisst. Diese Multiples basieren auf für die jeweilige Branche typischen Erfahrungswerten.
     
  • Im Awendungsfall: Experten schätzen je nach Berechnung den Wert von Stadler Rail auf rund 3 Milliarden Franken. Stadler bewegt sich in den Branchen Transport beziehungsweise Anlagenbau. Für die Transportindustrie gilt ein Wert von 7,7-mal den Ebit oder 1,15- mal den Umsatz. Die Ebit-Marge für Stadler Rail liegt geschätzt bei rund 10 Prozent. Es waren auch schon mehr, vermuten Insider, höhere Projektkosten sollen die Marge gedrückt haben. Gemessen an den Umsätzen der letzten beiden Jahre ergibt das einen Firmenwert von rund 2 Milliarden Franken. Im Anlagenbau gilt ein Multiplikator von 10,2-mal den Ebit beziehungsweise 0,92-mal den Umsatz: Das entspricht dem Börsenwert von fast 3 Milliarden Franken.
     
  • Prognose: Der Börsenwert dürfte einiges höher liegen, denn obige Bewertungen basieren auf Angaben aus den Jahren 2017 und 2018. Stadler Rail geht für 2020 aber von einem Umsatz von bis zu 4 Milliarden Franken aus. Das heisst: Die Aktie bietet Luft nach oben. Insbesondere wenn man bedenkt, dass der weltweite Bedarf für Rollmaterial bis 2021 bei fast 60 Milliarden Dollar sein wird. Das entspricht 10 Milliarden mehr an potenziellen Aufträgen als noch vor zwei Jahren. Der Grund: Verstädterung, CO2-Reduktion und ein hoher Erneuerungsbedarf.
     
  • Markstellung: Bei voll umgesetzten Aufträgen von 3,5 Milliarden Franken wird die Firma Branchengrössen wie General Electric beim Rollmaterialumsatz überholen. Die Börsenkotierung auf dem Schweizer Kapitalmarkt schafft die nötige Visibilität, um Investoren anzulocken und in den Investment Case «Stadler Rail» zu investieren. Stadler wird das Kapitalmarktgeld benötigen, um die nächste Wachstumsphase zu finanzieren. Und wird darauf achten müssen, den dramatisch höheren Auftragsbestand effizient abzuwickeln: das Volumen mit den vorhandenen Kapazitäten stemmen, termingerecht liefern – und dies möglichst ohne teure Nacharbeiten. Verlässlichkeit ist zentral im Zuggeschäft.

Spuhler verfolgte eine eigene, sehr fokussierte Strategie: Stadler entwarf und baute hauptsächlich für Schweizer Schmalspurbahnen neue Triebzüge, gleichzeitig wurde aber damit begonnen, einen eigenen leichten und kostengünstigen Regionalzug für die Normalspur zu entwickeln. Dies alles zu einer Zeit, als die Branche noch stark auf schwere Lokomotiven setzte und von Triebzügen wenig hielt.

Mittelthurgaubahn als erster Kunde

Den ersten eigenen Personenzug lancierte das Unternehmen dann 1995: den GTW 2/6. Erste Abnehmerin war die damalige Mittelthurgaubahn, welche gegen die SBB die Ausschreibung für die Bahnlinie von Schaffhausen entlang des Bodensees nach Romanshorn gewonnen hatte und dort mit einem neuen Konzept – oder eben mit leichtem, günstigen und sparsamen Rollmaterial - punkten wollte.

Zwar wurde die Mittelthurgaubahn bald liquidiert, unter anderem wegen strategischen Fehlern im Güterverkehr, mit den GTWs auf der so genannten Seelinie begann die Erfolgsgeschichte von Stadler Rail aber definitiv: Der Gelenktriebwagen, wofür die Abkürzung GTW stand, verkaufte sich sehr gut. Später entwickelte Stadler Rail einen weiteren Regionalzug, den «flinken leichten innovativen Regional-Triebzug», kurz Flirt. Dieser kam ab 2004 auf die Schienen und wurde zu einem Verkaufsschlager.

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(mfo/ise/sda)