Der Chef eines amerikanischen Sandoz-Rivalen streitet sich mit den US-Steuerbehörden wegen zwei UBS-Konten. Arthur Bedrosian, der seit über zehn Jahren den in New York kotierten Generika-Hersteller Lannett führt, hortete Millionen in der Schweiz und wurde deshalb von der Steuerbehörde IRS mit einer Geldstrafe belegt. Das zeigen Gerichtsunterlagen aus den USA. Bedrosian hat gegen die Strafe rekurriert und vorerst Recht bekommen.

Bedrosian und die Steuerbehörden streiten sich seit Jahren. Die Gerichtsakten umfassen hunderte Seiten. Sie zeichnen detailliert nach, wann Bedrosian das erste Konto in der Schweiz angelegt hat, wie er peu à peu Geld in die Schweiz transferierte und wie er nach der Finanzkrise versuchte, das Geld unter Umgehung einer harten Strafe wieder in die USA zu schaffen. Die Unterlagen zeigen auch, wie ihm ein UBS-Kundenberater, der in den USA wegen vermeintlicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung in diversen Fällen angeklagt ist, beim Verstecken des Vermögens half.

Konto aus den 70er-Jahren

Das erste UBS-Konto legte Bedrosian in den 70er-Jahren an. Seinerzeit reiste Bedrosian in geschäftlicher Funktion öfters nach Europa. Auf Empfehlung eines italienischen Bekannten eröffnete er ein Konto beim Schweizerischen Bankverein, dem Vorläufer der UBS. Das Konto nutzte Bedrosian, um nicht mehr auf Reisechecks angewiesen zu sein, die seinerzeit weit verbreitet waren und zum Reisen gehörten wie die Zahnbürste und der Pass. Mit dem Konto beim Schweizerischen Bankverein hatte Bedrosian ein Bankkonto, das in ganz Europa akzeptiert war.

Der Saldo bei der Eröffnung lag bei 100 Dollar. Jahrelang veränderte sich die Summe nur geringfügig. Bedrosian fokussierte sich auf seine Karriere in der Pharmaindustrie, die ihn, einen Doktor der Jurisprudenz, alsbald an die Spitze eines Herstellers von medizinischen Spezialgeräten und Medikamenten brachte.

Transaktionen in die Schweiz

In all diesen Jahren machte Bedrosian wiederholt kleinere Transaktionen in die Schweiz – nach Versteuerung des Einkommens, wie es in den Gerichtsunterlagen heisst. Die Summe überstieg schon bald die Schwelle von 100'000 Franken und wuchs weiter. Jahresabrechnungen und andere Dokumente hielten der Schweizerische Bankverein, dann die UBS auf Verlangen ihres Kunden zurück. Sie belasteten sein Konto trotzdem mit einer Gebühr für Korrespondenz.

Anzeige

Bedrosians ausländisches Konto äufnete sich zusehends. Einmal, so erinnert sich der Pharma-Manager laut Gerichtsunterlagen, irgendwann in den 90er-Jahren, überwies er 300'000 Dollar aus der Schweiz in die USA und schickte innert eines Jahres die gleiche Summe wieder aus den USA in die Schweiz. «Abgesehen von dieser einen Transaktion blieb das Geld auf dem Bankkonto», schreibt der Anwalt von Bedrosian in einer Eingabe ans zuständige Gericht im US-Bundesstaat Pennsylvania.

Berühmter Kundenberater

Knapp drei Jahrzehnte nach der Eröffnung seines Kontos lag ein Millionenbetrag auf dem Konto. Bedrosian hatte es mittlerweile an die Spitze einer börsenkotierten Firma geschafft. Als Vorsitzender des Generika-Herstellers Lannett wachte er über das Millionengeschäft einer weltweit agierenden Pharmafirma und eines grossen Konkurrenten der Novartis-Tochter Sandoz. Bedrosian unterzeichnete Steuererklärungen für den Konzern, zermarterte sich den Kopf über Absatz-Strategien und Compliance-Fragen.

Sein Konto bei der UBS hielt er immer noch geheim. Bedrosian eröffnete sogar ein zweites Konto. Er stand in regelmässigem Kontakt mit der Bank – via E-Mail, Telefon oder persönlichen Treffen. Bedrosians Berater war Gian Gisler. Gisler wurde in den USA angeklagt, weil er amerikanischen Bürgern geholfen haben soll, mindestens 215 Millionen Dollar vor dem Fiskus zu verstecken. Er stand bis 2008 im Sold der UBS.

Problem Bradley Birkenfeld

Gegen Ende der Nullerjahre wuchs das Unbehagen bei Bedrosian. Die UBS geriet wegen Bradley Birkenfeld ins Visier der US-Steuerjustiz. Die US-Regierung eröffnete eine Strafuntersuchung gegen die grösste Schweizer Bank, die 2009 mit einer Busse von 780 Millionen Dollar und der Herausgabe von vertraulichen Informationen über mögliche amerikanische Steuersünder endete.

Bereits ein Jahr zuvor schrieb die UBS an Bedrosian, dass sie sein Konto schliessen werde. Bedrosian transferierte das Schlusssaldo – mehr als 2 Millionen Franken – zur Hyposwiss, einst eine Tochter der St. Galler Kantonalbank. Die Hyposwiss bemühte sich seinerzeit aktiv um die Akquise der von der UBS verstossenen US-Kunden. Dafür musste die St. Galler Kantonalbank vor eineinhalb Jahren eine Busse in Höhe von 50 Millionen Dollar zahlen.

Strafe reduziert

Die neue Situation behagte Bedrosian nicht. Ende 2008 informierte er seinen Anwalt über das Geld, das er in der Steueroase Schweiz versteckt hielt. Ihm wurde zur Selbstanzeige bei den US-Steuerbehörden geraten. Bedrosian folgte der Empfehlung und meldete seine Konten bei den Behörden. Daraufhin begann eine Untersuchung. Bedrosian wurde stundenlang interviewt, Dokumente ausgewertet. Im Juli 2013 verfügte die US-Steuerbehörde IRS das Verdikt: eine Strafzahlung in Höhe von 975'789 Dollar und 17 Cent.

Bedrosian legte Rekurs dagegen ein. Er bestritt den Eventualvorsatz beim Verstecken seines Vermögens. Er habe einfach den Empfehlungen seines Steuerberaters gefolgt, sagt der langjährige Pharma-Manager. Und er habe sich zur Selbstanzeige entschlossen, bevor die US-Regierung im Besitz der UBS-Daten war, bevor die Öffentlichkeit wusste, dass die UBS den US-Steuerbehörden sämtliche Daten zu allen Kunden mit US-Sitz liefern würde. Die Argumentation verfing. Am 19. September verfügte der zuständige Richter, dass die Steuerbehörden nochmals über die Bücher müssen. Bedrosian droht für sein fast vier Jahrzehnte dauerndes Versteckspiel nun eine wesentlich geringere Strafe von wenigen hunderttausend Franken.

Anzeige