Die Postfinance-Debitkarte wird künftig nicht nur um Ausland über das Mastercard-System abgerechnet, sie wird auch im Inland zunehmend zur normalen Mastercard-Debitkarte. Das bestätigt Postfinance-Sprecher Johannes Möri gegenüber der «Handelszeitung». Die ab 2022 neu ausgestellten Karten könnten dank ihrem Co-Branding mit Mastercard auch an Schweizer Akzeptanzstellen eingesetzt werden, die keinen Vertrag mit der Postfinance hätte.

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In einem Interview mit Zeitung der Tamedia hatte Postfinance-CEO Hansruedi Köng Anfang Woche die Kooperation für den Einsatz im Ausland angekündigt. «Jede dritte Debitkartentransaktion in der Schweiz wird heute über eine Postfinance-Karte abgewickelt», sagt er.

«Nachholbedarf haben wir vor allem bei Zahlungen im Ausland. Wir werden die Postfinance-Karte deshalb ab nächstem Jahr mit Funktionen der international akzeptierten Debit-Mastercard kombinieren.» Das diese Funktion auch im Inland aufgeschaltet würde, sagt er damals nicht.

Problemlos bezahlen

Das Co-Branding mit Mastercard hat für die Kunden der Postfinance den Vorteil, dass ihre Karte an deutlich mehr Akzeptanzstellen eingesetzt werden kann. Dieses Netz weist zunehmend Lücken auf. Einst war die «Postcard» in der Schweiz eine gleichwertige Alternative zur «EC-Karte» der Banken, die später über das Label «Maestro» lief. Im E-Commerce war sie EC/Maestro sogar voraus, konnte die Debitkarte der Banken doch nur stationär eingesetzt werden.

Die internationale Konsolidierung des Payment-Marktes hat jedoch dazu geführt, dass Kunden der Postfinance zunehmend auf Ablehnung stossen, weil ausländische Zahlungsabwickler rein schweizerische Standards nicht umsetzen. So konnte sich auch die deutsche Sumup, die in der Schweiz Zigtausende Terminals in Betrieb hat, nicht zu einer kostspieligen Kooperation mit der Postfinance durchringen (lesen Sie hier mehr über das Geschäftsmodell von Sumup).

Negativzinsen auf Geschäftskonten

Negativzinsen ab dem ersten Franken: Einige Tausend der 275'000 Geschäftskunden werden ab Frühjahr zahlen müssen. Mehr hier

Postfinance-Kunden profitieren jedoch nicht automatisch von der Kooperation mit Mastercard. Dazu braucht es eine neue als Mastercard kodierte Karte. Ob Karten auch vor Ablauf des Kartendatums ersetzt würden, sei noch nicht klar, sagt Sprecher Johannes Möri. Sicher sei nur, dass ab kommendem Jahr auslaufende Karten durch Mastercards ersetzt werden.

Das Ende der Aktzeptanzverträge

So praktisch die Mastercard-Kooperation für Postfinance-Kunden ist, besiegelt sie auch ein wenig das Ende des Post-eigenen Bezahlsystems. Haben sich die neuen Karten erst mal durchgesetzt, brauchen Händler keinen separaten Akzeptanzvertrag mehr, um die Karten zu akzeptieren.

Das gleiche Schicksal erlitt – auf deutlich tieferem Niveau – auch schon die M-Card der Migros Bank. Diese versuchte einst, ihre Kontokarte auch ausserhalb des Migros-Universums als Bezahlkarte zu etablieren – zum Beispiel an Billettautomaten der SBB. Zuletzt war von diesen Bemühungen jedoch nicht mehr viel zu spüren.

Fest steht offenbar bereits, dass die Postfinance für die neuen Karten mehr Geld verlangen will. «Die neue Karte bietet einen echten Mehrwert. Wir werden für das Gesamtpaket einen adäquaten Preis verlangen», orakelt Postfinance-Chef Köng im Tamedia-Interview. Die Postfinance-Card wird also wohl nicht nur einfach zu einer normalen Bank-Debitkarte, sondern auch zu einer teureren.

Podcast-Tipp

Bezahlen mit Karte ist sehr gefragt, nicht erst seit Corona. Was sind die Trends? Worauf müssen Konsumenten achten? Antworten im Podcast «HZ Insights».

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