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Luxusgüter
Richemont und Kering nähern sich an

Gucci-Laden in Hongkong.
Laden von Gucci in Hongkong: Die Marke des Kering-Konzerns könnte sich mit Richemont anfreunden.Quelle: Keystone

Richemont und Kering, die Muttergesellschaft von Gucci, arbeiten bereits zusammen. Daraus könnte mehr entstehen.

Marcel Speiser
Von Marcel Speiser
am 24.03.2018

Der Verwaltungsrat des Online-Modehändlers Yoox Net-a-Porter (YNAP) hat grünes Licht gegeben: Die Aufseher unterstützen das Übernahmeangebot durch die Genfer Luxusgüter-Gruppe Richemont. Alles andere wäre eine Überraschung ­gewesen, schliesslich ist Richemont bereits heute mit 49 Prozent der Aktien grösste Aktionärin bei YNAP. Richemont lässt sich die Komplettübernahme über 3 Milliarden Franken kosten.

Demnächst gehört den Genfern der grösste E-Commerce-Anbieter im Luxussegment also ganz. Doch die Übernahme hat einen Pferdefuss, wie im Angebotspros­pekt nachzulesen ist. Er betrifft die Zusammenarbeit zwischen YNAP und Kering. Neben LVMH und

Richemont ist der französische Konzern der dritte globale Spieler im Luxusgütermarkt. Zu Kering gehört die Megamarke Gucci sowie weitere wohlklingende Namen wie Yves Saint Laurent, Brioni, Balenciaga und Girard Perregaux. Letztes Jahr setzte Kering mit François-Henri Pinault an der Spitze umgerechnet über 26 Milliarden Franken um.

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Joint Venture im Fokus 

Im E-Commerce-Geschäft arbeitet ­Kering seit mehreren Jahren eng mit YNAP zusammen. Die beiden Firmen haben zu diesem Zweck bereits 2012 ein Joint Venture gegründet. Es betreibt für Kering auf der YNAP-Plattform sieben Online-Shops für Kering-Marken wie Yves Saint Laurent, Alexander McQueen, Bottega Veneta oder Stella McCartney. Für YNAP war dieses Geschäft mit einzelnen Markenshops in den letzten Jahren ein wichtiger Wachstums- und Ertragspfeiler. 

Übernimmt Richemont bei YNAP nun die Kontrolle, bekommt Kering das Recht, sich aus dem Joint Venture zurückzuziehen, wie der Angebotsprospekt ausweist. Würde Kering den Schritt tatsächlich vollziehen, wäre das für YNAP – und damit für Richemont – ein herber Rückschlag. Denn rund 10 Prozent des Umsatzes erwirtschaften die Online-Spezialisten mit den Diensten für Dritte.

Richemont selbst sieht darin kein Problem. Eine Sprecherin sagt, eine Ausstiegsklausel wie jene für Kering sei in praktisch jeder Joint-Venture-Vereinbarung Standard. Zudem verweist sie darauf, dass Pinault selbst Mitte Februar vor ­Analysten gesagt habe, er erwarte trotz der Richemont-Übernahme keine Veränderungen beim YNAP-Joint-Venture.

Johann Rupert (rechts).
Anton Rupert (links), YNAP-Chef Federico Archetti und Richemont-Patron Johann Rupert (rechts): in Feierlaune.
Quelle: Gettyimages

Pinault wird kurzfristig stillhalten – aber was geht mittelfristig?

Sicher: Kurzfristig sind keinerlei Änderungen zu erwarten. Denn Kering ist im ­Unterschied zu Richemont und LVMH im E-Commerce keine grosse Nummer. ­Pinault wird also stillhalten, selbst wenn es ihn störte, dass Richemont-Chef Johann Rupert mit seinen Labels Geld verdient.Mittelfristig allerdings kann sich die delikate Situation zwischen Richemont und Kering in zwei Richtungen entwickeln. Es kommt entweder zum Knall – oder zu einer noch engeren Zusammen­arbeit der beiden Unternehmen, die im Kern Rivalen bleiben.

Luca Solca, Luxusgüter-Analyst bei Exane BNP Paribas, hat kürzlich sogar die Idee einer Fusion der beiden Unternehmen ins Spiel gebracht. Sie mag kühn sein, insbesondere vor dem Hintergrund, dass bei Kering und Richemont mit Pinault und Rupert zwei milliardenschwere Alphatiere das Sagen haben, die sich in einem künftigen Gebilde wohl beide nicht mit Nebenrollen abspeisen lassen würden. Kering ist an der Börse mit 53 Milliarden Franken rund 10 Milliarden stärker bewertet als Richemont.

François-Henri Pinault mit Salma Hayek.
Kering-Chef François-Henri Pinault mit seiner Gattin, Schauspielerin Salma Hayek: Online auf Richemont angewiesen.
Quelle: Gettyimages

Bestechende Logik

Unabhängig davon hätte ein Zusammengehen der zwei Unternehmen eine bestechende Logik. Kering ist stark in der Mode, aber schwach bei Uhren. Bei Richemont ist es umgekehrt. Allein schon ­deswegen haben weder Richemont noch Kering eine Chance, zum Branchen-Giganten LVMH aufzuschliessen. Dabei sind auch in der Luxusgüterindustrie Grösse und Breite des Markenportfolios relevant. Stockt das Umsatzwachstum bei Gucci, hat Kering ein Problem. Verliert Cartier an Glanz, hat Richemont ein Problem.

Annäherungsversuche zwischen den beiden Firmen gibt es bereits – auch jenseits des YNAP-Joint-Venture. So verlies­sen die Kering-Uhrenmarken die Baselworld in Richtung SIHH, der Horlogerie-Leistungsschau von Richemont. Und ­Cartier lässt seine Brillen von Kering Eyewear verkaufen. À suivre!