Es tönt wie aus einem Kitschroman: Deutsche Konditorin kommt in die Schweiz zum Arbeiten und verliebt sich in den Chef. Es folgen Heirat, zwei Kinder. Heute sitzt sie ganz oben in der Firma ihres Mannes – mit 400 Angestellten und 16 Fachgeschäften. So war es bei Juliane und Raphael Bachmann, die heute gemeinsam mit ­Raphaels Bruder Matthias und drei anderen Personen die Geschäftsleitung der Confiserie Bachmann in Luzern mit ihren Fachgeschäften bilden.

Für Raphael Bachmann war rasch klar, dass seine Frau in die Firma einsteigen soll, damit sie seinen Geschäftsalltag auch versteht. «Als gelernte Konditorin hat sie die Fähigkeiten für den Geschäftsleitungsposten, und sie hat ein sehr gutes Gespür dafür, wie sie mit den Mitarbeitern umgehen muss», meint er. Nur darum funktioniere es.

Nicht akzeptiert

Nicht immer verläuft die Integration der Ehefrau ins Business so reibungslos. Im Mai musste Isabelle Nüssli ihren Posten als Verwaltungsratspräsidentin der Nüssli-Gruppe räumen. Die zweite Ehefrau von Patron Heinrich Nüssli wurde 2012 inthronisiert. Es folgte eine leidige Zeit mit einem Kader-Exodus und Wechseln im Verwaltungsrat des Event- und Messebauers. Jetzt will die Familie das Unternehmen, das 150 Millionen Franken Umsatz erzielt und 400 Mitarbeitende beschäftigt, verkaufen. Die unternehmerisch unerfahrene Isabelle Nüssli, so das Fazit vieler Beobachter, hatte nie die nötige Akzeptanz in der Firma gefunden.

Schöne Vision

Ähnlich tönt es über Barbla Bindella-Schaerer, die zweite Ehefrau von Gastrokönig Rudi Bindella. Auch sie kam per Handkuss zum kometenhaften Aufstieg: Kaum hatte sie den ebenso erfolgreichen wie begüterten Bindella 2009 geehelicht, wurde Barbla, die bis heute eine eigene PR-Agentur ­betreibt, zur Stellvertreterin des Chefs der Bindella-Gruppe (1200 Mitarbeitende, 40 Restaurants in der ganzen Schweiz) ernannt. «Die Vision, sich zu lieben und zusammenzuarbeiten, finde ich sehr schön», ­begründet Rudi Bindella den Entscheid von damals.

Doch es kam anders. Inzwischen hat sich das Paar getrennt, Bindellas Noch-Ehefrau, mit der er eine kleine Tochter hat, wurde von sämtlichen Funktionen in der Firma entbunden. Und Rudi Bindella gesteht heute freimütig: «Ich glaube nicht, dass ich nochmals eine Ehefrau in der Firma anstellen würde.»

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Bindella ist nicht allein mit seinem Schicksal. Scheidungsanwalt Roger Groner hat es in rund 20 Prozent seiner Fälle mit Paaren zu tun, die auch im Business miteinander verlinkt sind – und damit noch mehr Friktionen kreieren, wenn das Liebesaus kommt. Da gibt es etwa die Ehefrau eines KMU-Chefs im Kosmetikbereich, die sich – kaum eröffnete ihr Mann seine Trennungsabsicht – im Büro krankschreiben liess und sich mit dem Firmenauto ins Ausland absetzte.

Es stellte sich heraus, dass ihr Lohn so hoch gewesen war wie jener des Patrons – völlig überdotiert. «Es ist ein High Risk, die Partnerin ins Unternehmen zu holen. Ohne Ehevertrag sogar grobfahrlässig», sagt Groner. Wenn es zur Scheidung kommt, steht der Frau ein Anteil an der Firma zu oder der entsprechende Cash-Betrag – je nach Unternehmensgrösse kann das existenziell bedrohend sein.»

Vertrauen

Auch Thomas Zellweger, Direktor des KMU-Instituts der Hochschule St. Gallen, ist skeptisch: «Aus Sicht der Corporate Governance ist es heikel, wenn die Ehefrau bei einer mittelgrossen Firma ins operative Geschäft einsteigt.» Dass es trotzdem immer wieder gemacht wird, hat zwei Gründe. «Motiv Nummer eins ist die Installation einer Person des Vertrauens», so Zellweger. Darum würden Partnerinnen oft auf dem Finanzposten installiert. Das zweite Motiv sei die Regelung der Unternehmensnachfolge.

Heliane Canepa gehört in die erste ­Kategorie. Die Ehefrau von FCZ-Präsident und -Mitbesitzer Ancillo Canepa, ehemals Konzernchefin von Nobel Biocare, geniesst das blinde Vertrauen ihres Gatten. Anfang Jahr war sie vorübergehend CEO des Fussballclubs, am 19. Mai wurde sie in den Verwaltungsrat gewählt. «Ich kontrolliere jede Rechnung beim FCZ», sagt sie. Und «Cillo», wie sie ihn liebevoll nennt, lässt seine clevere Frau machen.

Jeden Morgen wühlt sich das Führungsduo durch einen Berg voller Zeitungen, um dann gemeinsam ins Büro zu fahren, wo man Tür an Tür arbeitet, bis abends um 20 Uhr. Am Wochenende sitzen die beiden im Fussballstadion – wieder Seite an Seite. Ein beinahe symbiotischer Zustand, der Heliane Canepa nicht zu stressen scheint. «Früher lebten wir getrennte Karrieren. Heute rede ich auf Augenhöhe mit meinem Mann. Das ist schön», sagt sie. Deshalb kann sie auch nicht nachvollziehen, dass ihre Wahl in den Verwaltungsrat des FCZ in der Öffentlichkeit vereinzelt skeptisch gesehen wird. «Die anderen Verwaltungsratsmitglieder wollten es so. Ich war ja schon Beisitzerin», sagt sie. Für Checks and Balances sei gesorgt, auch wenn die Canepas gemeinsam 70 Prozent der FCZ-Aktien besitzen. «Dass am Schluss wir entscheiden, ist klar, schliesslich tragen wir im Moment auch praktisch allein das finanzielle Risiko beim FCZ.»

Kontrollorgan

Kontrolle ausüben, den Einfluss der Besitzerfamilie stärken – das wollte auch VW-Ankeraktionär Ferdinand Piëch, als er 2012 seine Gattin Ursula, die er einst als Kindermädchen angestellt hatte, in den Verwaltungsrat des Konzerns holte. 2013 kam sie auch ins Führungsgremium von Audi.

«Die einflussreichste Frau der Autowelt», so titelte das «Manager Magazin». Ferdinand Piëch machte den Move wohlüberlegt, auch wenn seiner Frau auf dem Papier die Qualifikationen für das Verwaltungsratsmandat fehlten (auf der Einladung zur Aktionärsversammlung stand bei ihr «Derzeit kein ausgeübter Beruf»). Dem VW-Chef ging es mit der Installation seiner Uschi darum, sein Lebenswerk zu sichern.

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Piëch hat aus vier Beziehungen zwölf Kinder. «Dass Ferdinand Piëch seine Frau ins Führungsgremium holt, ist legitim, auch wenn es für die übrigen Aktionäre etwas unschön ist», sagt Heinrich Christen, Partner bei Ernst & Young und KMU-Berater. Das sei immer noch besser als die Rolle der Einflüsterin ohne Verantwortung, meint er. «Das Modell ‹viel Einfluss, aber keine Führungsverantwortung› finde ich fatal.» Und wenn die Frau auf operativer Stufe eingesetzt wird, muss sie nach Meinung von Christen das Business von der Pike auf kennen lernen – genau wie die Kinder auch. «Die werden oft härter angepackt als die Ehefrauen, werden ganz unten eingesetzt, um sich hochzudienen.»

Genau so hat es Juliane Bachmann, die Frau von Raphael Bachmann, gemacht, als sie 2001 bei der Confisierie Bachmann in Luzern anheuerte und die Freundin des Chefs wurde. «Mir war klar, dass ich erst eine Lernkurve durchmachen muss und mich nicht als die Schickse vom Chef aufführen darf», sagt Juliane Bachmann, gelernte Konditorin. Als Deutsche sei ihr in der Innerschweiz noch zusätzliche Skepsis entgegengeschlagen. «Darum habe ich mich erst mal überall nützlich gemacht und keine Ansprüche gestellt.» Heute zeichnet sie in der Geschäftlseitung für Dekoration und Produktmanagement verantwortlich, führt in dieser Funktion nur indirekt Leute. «Das reduziert die möglichen Friktionen wesentlich», sagt Raphael Bachmann.

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