Es war Marketing-Guru Michael Porter, der einst predigte, man solle nicht die Mitte anstreben: «Don’t stuck in the middle». An den Schweizer Banken scheint sich das zu bewahrheiten. So zeigt eine neue Studie des Beratungsunternehmens Roland Berger, dass vor allem mittelgrosse Banken Mühe im Private Banking haben.

Das Wachstum findet fast ausschliesslich bei den Grossbanken und den grossen Privatbanken mit mehr als 100 Milliarden Franken verwalteten Vermögen statt. Bei UBS und CS haben die Assets under Management im Jahresvergleich 2019 um 14,2 Prozent auf 3,4 Billionen Franken zugelegt. Die grossen Privatbanken, zu denen Institute wie Pictet, Julius Bär oder Lombard Odier gehören, sind sogar um 15,2 Prozent gewachsen.

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Dann aber nehmen die Zahlen ab, je kleiner die Banken sind. Die mittelgrossen (ab 25 Milliarden) sind noch mit 11,1 Prozent, die kleinen (ab 10 Milliarden) mit 8,2 Prozent gewachsen und die sehr kleinen Privatbanken (unter 10 Milliarden) sind um 0,9 Prozent geschrumpft.

Sinkende Margen bei den Mittelgrossen

Auch verdienen die Banken immer weniger mit dem Private Banking, die Bruttomargen sinken weiter (siehe Grafik). Während die Grossbanken ihre Marge leicht auf 93 Basispunkte erhöhen konnten und die ganz kleinen Banken zumindest nur wenig verloren haben, brachen die Margen in der Mitte ein. Am stärksten bei Banken mit 25 bis 100 Milliarden Franken.

Die Zahlungsbereitschaft habe weiter abgenommen, sagt Philippe Blaser von Roland Berger. Die Banken versuchten, diesem Trend mit Skalierung und Effizienzprogrammen entgegenzuwirken. Gleichzeitig seien die Regulierungskosten im traditionellen Geschäft weiter gestiegen. «Da stossen die Kleinen an Grenzen.» Auch profitierten grosse Banken teilweise von neu lancierten Produkten mit höheren Margen.

Besonders unrentabel sind die Auslandbanken, wie Roland Berger festhält. Gerade mal 60 Prozent von ihnen schrieben 2019 noch einen operativen Gewinn, während dieser Anteil bei schweizerisch kontrollierten Banken bei 96 Prozent lag. 2018 waren noch 78 Prozent der Auslandbanken profitabel. Und das, obwohl die Auslandbanken noch immer eine wenig preissensible Kundschaft hätten und durchschnittlich 15 bis 25 Basispunkte (oder 0,15 bis 0,25 Prozentpunkte) mehr Bruttomarge generierten. «Da wurden zuletzt sicher auch mehr Investitionen getätigt», erklärt Blaser die höheren Kosten. «Die Auslandbanken mussten sich neu aufstellen.»

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Weniger grün als in Europa

Zunehmend wichtig wird das nachhaltige Private Banking. Die nach entsprechenden Kriterien angelegten Gelder sind zuletzt binnen eines Jahres um nicht weniger als 62 Prozent auf 1,2 Billionen Franken gewachsen. Mit einem Anteil von 30 Prozent haben sie Ende 2019 jedoch noch immer deutlich weniger ausgemacht als im gesamteuropäischen Schnitt, der laut Roland Berger bei 49 Prozent lag. Das habe wohl vor allem mit der Regulierung in Ländern wie Frankreich oder Deutschland zu tun, sagt Berater David Gilhawley.

Die Anlage in nachhaltige Produkte sei dort für gewisse Investoren stark incentiviert. Hinzu komme: Nachhaltige Produkte seien bei den meisten Banken vorhanden. In der Beratung und im Verkauf hingegen spiele Nachhaltigkeit oft noch eine zu kleine Rolle, obwohl die Kundennachfrage bereits heute klar vorhanden sei. «Hier sehen wir eine Chance für Privatbanken, über einen gesteigerten Mehrwert auch wieder höhere Margen zu generieren.»

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