Der saudische Prinz und Milliardär Al-Walid bin Talal ist nach mehr als zwei Monaten Arrest wegen Korruptionsverdachts wieder frei. Er halte sich in seinem Palast in der saudischen Hauptstadt Riad auf, hiess es am Samstag aus Kreisen der Königsfamilie.

Im Zuge einer beispiellosen Verhaftungswelle war bin Talal, der laut Forbes zu den reichsten Menschen der Welt gehört, zusammen mit mehr als 200 weiteren Prinzen und führenden Persönlichkeiten des Königreiches festgenommen und im Luxushotel Ritz-Carlton unter Arrest gestellt worden.

Angeblich 100 Milliarden Dollar veruntreut

Wie der saudische Generalstaatsanwalt Saud al-Mudschib Anfang November mitgeteilt hatte, sollen wegen jahrzehntelanger systematischer Korruption mindestens 100 Milliarden Dollar veruntreut worden sein.

In den vergangenen Wochen waren mehrere der Festgenommenen wieder freigelassen worden, nachdem sie laut Medienberichten finanzielle Einigungen mit den Behörden erzielt hatten. Ob auch der 62-jährige Prinz Al-Walid bin Talal eine Einigung mit den Behörden gefunden hatte, war zunächst nicht zu erfahren.

Twitter und Mövenpick

Der einflussreiche Unternehmer hält mit seiner Kingdom Holding Company weltweit Anteile an zahlreichen Unternehmen, darunter Twitter, der Citigroup und der Hotelkette Four Seasons.

Die Kingdom Holding Company hatte 2003 auch in Genf das Hotel des Bergues für 87 Millionen Dollar gekauft, bevor sie es weiterverkauft hatte. Der Prinz kontrolliert über die Holding zudem ein Drittel an der Schweizer Hotelgesellschaft Mövenpick, es ist eines seiner kleineren Investments.

Er rechne damit, dass er die volle Kontrolle über seine Investmentgesellschaft behalten dürfe und der Regierung keine Vermögenswerte abgeben müsse, sagte der Prinz am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Mohammed bin Salmans grosse Macht

Man habe ihn in der Haft gut behandelt. Gerüchte über eine Misshandlung seien dementsprechend falsch. Es habe Missverständnisse gegeben, die sich nun klärten. Nach seiner Freilassung wolle er weiter in Saudi-Arabien leben.

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Beobachter sehen hinter der Verhaftungswelle einen Versuch des einflussreichen Kronprinzen Mohammed bin Salman, seine Macht zu festigen. Der 32-Jährige gilt als eigentlicher Herrscher des Landes und steht auch an der Spitze eines neu geschaffenen Anti-Korruptions-Komitees.

(sda/gku/me)