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Schweiz Tourismus zielt auf indische Millenials

Ausschnitt aus dem Trailer zum indischen Film «Simmba»
Ausschnitt aus dem Trailer zum indischen Film «Simmba»: Viermal kommt die Schweiz im Bollywood-Streifen vor.Quelle: Youtube

Gefragt sind Millennials aus Mumbai und Neu-Delhi: Indische Touristen rücken in den Fokus von Schweiz Tourismus.

Von Andreas Güntert
am 06.12.2018

Einige Schweizer Touristiker dürfen zum Jahresende 2018 dreimal feiern. Natürlich zu Weihnachten und zu Neujahr. Zusätzlich aber auch am 28. Dezember: Dann kommt in Indien der Film «Simmba» ins Kino. Star des Streifens: Ranveer Singh. Ein indischer Film-Beau, der auf dem Subkontinent verlässlich für volle Kinokassen sorgt. Und neben dem Set einen lukrativen Nebenjob hat: Markenbotschafter für Schweiz Tourismus (ST).

Das wird sich im Action-Spektakel «Simmba» prominent bemerkbar machen. Ein wichtiger Film-Song wurde Anfang Oktober 2018 in der Schweiz gefilmt. Und das gleich an vier Locations: Grindelwald, Iseltwald am Brienzersee, Grimselpass, Greyerzerland. Claudio Zemp, Marktleiter Indien bei Schweiz Tourismus (ST), freut sich: «Das wird ein Blockbuster. Und das wird der Schweiz guttun.»

Matterhorn: Der «neue» Berg

Dass sich Ranveer Singh für die typische «dream sequence» gleich an vier Schweizer Destinationen in Pose wirft, gehört zum Kalkül der Schweizer Touristiker. Sie wollen die indischen Gäste, die seit 2012 ein Hotellogiernächte-Plus von über 50 Prozent gebracht haben, besser übers ganze Land verteilen.

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In der Regel strömen indische Touristen hauptsächlich auf zwei Trophäen-Berge, um dort ihre erste persönliche Schnee-Erfahrung zu sammeln, sagt Zemp: «Bisher waren Titlis und Jungfrau gesetzt in den Köpfen indischer Touristen. Das ändert sich jetzt gerade.» Die touristische Schweiz wolle neue Gebiete beliebt machen. Wohl, um das indische Manna besser übers Land zu verteilen und dabei auch einem gewissen «Overtourism» vorzubeugen.

Dass dafür geografische Influencer-Vorarbeit nötig ist, merkte Zemp schon 2015 bei seinem Stellenantritt in Mumbai, als ein indischer Reiseveranstalter auf ihn zukam: «Erzähl mir mehr von eurem neuen Berg.» Zemp stutzte. Bis sich herausstellte, dass der Trip-Organisator mit dem «neuen Berg» das Matterhorn meinte.

Zemp will den Indern jetzt auch diesen Trophäenberg schmackhaft machen – und mehr dazu: «Aktuell nehmen wir die Region Genfersee in den Fokus, wir sehen auch, dass Zermatt und St. Moritz neu vermehrt indische Touristen gewinnen.» Indien gilt bei Schweiz Tourismus neben Südostasien und den arabischen Golfstaaten als strategischer Wachstumsmarkt.

Im Fokus: Spätheirater, Vielarbeiter

Das nach China bevölkerungsreichste Land der Welt soll eine touristische Schweiz-Karriere hinlegen, wie man es auch bei anderen aufstrebenden Ländern vorspurt: In einer frühen Phase kommen die Touristen in Gruppen und streifen die Schweiz auf einem Europa-Trip nur. Einträglicher wird es, wenn Individualtouristen anreisen, die mehr Wert auf Qualität legen und länger im Lande bleiben. Dies im Falle indischer Touristen nicht, wie bisher meist üblich, zu den indischen Sommerferien im Mai und Juni. Sondern verteilt übers ganze Jahr.

Schweizer Hoteliers blicken auf erfolgreichen Sommer zurück

Die Schweizer Hoteliers blicken auf einen guten Sommer zurück. Sie haben in der Sommersaison 2018 von Mai bis Oktober klar mehr Übernachtungen verzeichnet als im Jahr davor. Insgesamt lag die Zahl der Logiernächte bei 22 Millionen. Das ist Plus von 3,1 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Donnerstag mitteilte.

Die Schweiz punktete übermässig bei. Konkret legten die Logiernächte um 3,6 Prozent auf 12,5 Millionen zu. Bei den inländischen Gästen betrug das Plus immerhin noch 2,4 Prozent und erreichte ein Total von 9,5 Millionen.

Besonders markant fiel die Zunahme bei Touristen aus Amerika aus. Die Vereinigten Staaten zeigten ein Plus von 11,3 Prozent auf 155'000 Übernachtungen.

Ebenfalls überaus deutlich war der Anstieg bei gewissen asiatischen Gästegruppen. Besonders hoch war der Zuwachs bei Touristen aus China (ohne Hongkong) mit einem Plus von 69'000 Logiernächten (+8,1%), gefolgt von Indien mit 47'000 Übernachtungen (+8,1%). Dagegen kamen weniger Gäste aus Österreich (-7,2%) sowie Italien (-2,2%).

Nach Tourismusregionen unterteilt, registrierten insgesamt 9 von deren 13 gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode eine Zunahme der Logiernächte. Zürich wies mit einem Plus von 169'000 Logiernächten (+4,9%) den grössten absoluten Anstieg auf. Darauf folgten Bern mit einem Plus von 157'000 Logiernächten (+5,0%), Graubünden (+122'000/+5,6%) sowie die Region Luzern/Vierwaldstättersee (121'000/+5,3%). Demgegenüber verbuchte das Tessin den stärksten Logiernächterückgang (-115'000/-6,4%).

Dazu will Zemp indische Millennials für die Schweiz gewinnen. Beruflich aktives Jungvolk aus Mumbai und Neu-Delhi: «Spätheirater, Vielarbeiter, Karriere-Optimierer.» Zemps Ziel: die indischen Hotellogiernächte von 740 000 (2017) auf knapp 900 000 (2020) hieven. Zusammen mit der Parahotellerie, die für 10 Prozent der indischen Übernachtungen steht, sollte bis 2020 die indische Million voll sein. Mit Schub von Individualgästen.

Jackpot: Die indische Hochzeit

Wobei «Individualgäste» bedeuten kann, dass eine zehnköpfige indische Gruppe zusammen verreist: Multi-Generationen-Tourismus mit Grosseltern, Kindern, Enkeln. Oder, als Jackpot für Schweizer Touristiker: eine mehrhundertköpfige Hochzeitsgesellschaft, die sich für eine ganze Woche einrichtet, etwa in St. Moritz.

Auch hier will die Schweiz mehr tun, sagt ST-Sprecher Markus Berger: «Wir erfassen und promoten die Schweiz als Wedding-Destination stärker und dabei spielt Indien eine wichtige Rolle.»

Szene auf dem Grimselpass
Szene auf dem Grimselpass: Die Bergstrasse verbindet die Kantone Bern und Wallis.
Quelle: Youtube