Mit Raoul Weil muss sich ein ehemaliger Entscheidungsträger der UBS für die Gesetzesbrüche der Bank in den USA verantworten. Es sind aber auch weniger prominente Schweizer Banker ins Visier der US-Justiz geraten - rund 25 Personen nach einer Schätzung des Bankenpersonalverbands. Diese Zahl nannte der Zentralpräsident des Schweizerischen Bankenpersonalverbands (SBPV), Peter-René Wyder, vor einem Jahr dem Schweizer Fernsehen SRF. Weil sei nur die «Spitze des Eisberg», erklärte Wyder damals gemäss Swissinfo.ch.

Insgesamt seien aber «sicher weniger als 100 Schweizer Banker» betroffen, sagte SBPV-Geschäftsführerin Denise Chervet am Montag der Nachrichtenagentur sda. Die Mehrheit der Angeklagten hatte keine Führungsfunktion und werden daher in den Schweizer Medien meistens nicht namentlich genannt.

Einige Akteure sind allerdings öffentlich bekannt, allen voran Bradley Birkenfeld: Der ehemalige UBS-Mitarbeiter brachte den Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA ins Rollen.

Millionen für Denunziant Birkenfeld

Im Sommer 2008 bekannte sich Birkenfeld schuldig, einem US-Unternehmer bei der Steuerhinterziehung zu geholfen zu haben. Kurz nach dem Urteil stellte die amerikanische Justiz die erste Forderungen an die Schweiz - es folgten die 780-Millionen-Dollar-Busse gegen die UBS und die anderen bekannten Episoden des Steuerstreits. Birkenfelds Rolle wurde von den USA honoriert: Er erhielt 104 Millionen Dollar Belohnung von der Steuerbehörde IRS.

Wohl wegen den Aussagen Birkenfelds musste ein anderer Ex-Manager der UBS monatelang in den USA verharren: Martin Liechti wurde im April 2008 am Flughafen Miami verhaftet. Die USA sahen in ihm einen «material witness» - eine Art Zeugenstatus - im Verfahren gegen die UBS vor. Liechti konnte erst im Sommer 2008 in die Schweiz zurückkehren. Raoul Weil war Liechtis Vorgesetzter, als Liechti das Vermögensverwaltungsgeschäft der UBS in den USA leitete.

Neben Birkenfeld sind mindestens drei andere Ex-UBS-Banker verurteilt worden. Einer davon ist Martin Lack: Er hatte bis 2003 eine Führungsfunktion im Nordamerikageschäft der UBS. Die ihm angelastete Beihilfe zur Steuerhinterziehung bezieht sich aber auch auf seine spätere Tätigkeit als unabhängiger Anlageberater.

Über 1000 Namen geliefert

Auch in anderen Ländern sind Schweizer Banker in jüngster Zeit angeklagt worden. Kürzlich wurde das Verfahren der belgischen Justiz gegen den Chef der dortigen UBS-Niederlassung bekannt. Ihm wird vorgeworfen, in einen mutmasslichen Steuerbetrug über mehrere Milliarden Euro verwickelt zu sein.

Insgesamt haben die Schweizer Banken weit über 1000 Namen von Mitarbeitern an die US-Behörden geliefert. Allerdings gehe es bei diesen Namenlieferungen aus Sicht der US-Behörden darum, Informationen über amerikanische Steuersünder zu bekommen und nicht darum, um die Banker anzuklagen, sagte Chervet. Die US-Behörden dürften Interesse haben, Schwarzgeld zu finden und nicht eine Flut von Strafprozessen zu führen.

Zur Thematik wollten weder die Eidg. Finanzmarktaufsicht Finma noch die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) Stellung nehmen. Das sei Sache zwischen den einzelnen Banken und den US-Behörden, sagten Sprecher der Finma und der SBVg unisono.

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(sda/ccr)