Der krisengeschüttelte Snackautomaten-Betreiber Selecta steht vor einer Sanierung. Nach dem kürzlich angekündigten Umbau der Chefetage steuert die von den Ausgangsbeschränkungen schwer getroffene Konzern auf eine Umschuldung zu, wie vier mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Der Eigentümer, der US-Finanzinvestor KKR, dürfte den Gläubigern im kommenden Monat einen Vorschlag für eine Liquiditätsspritze unterbreiten.

Selecta betreibt europaweit Verkaufsautomaten für Schokoriegel, kalte Getränke, Snacks und Kaffee in Büros, an Bahnhöfen und anderen öffentlichen Plätzen. Weil viele Menschen während des Lockdown zu Hause blieben, brach der Absatz der Firma mit über 10'000 Mitarbeitern ein und das bereinigte operative Ergebnis sackte im Startquartal um 58,3 Prozent auf 28,6 Millionen Euro ab. Selecta gehört zu den ersten Schweizer Großunternehmen, das durch die Corona-Krise in Schieflage gerät.

Schon vorher angeschlagen

Doch schon vorher befand sich die hoch verschuldete Firma in einer schwierigen Lage. Denn in vielen europäischen Ländern bieten immer mehr Lebensmittelgeschäfte, Kioske und Tankstellen Snacks bis spät Abends an und treten damit in Konkurrenz zu Automaten. Selecta versuchte sich stärker als Kaffee-Firma zu positionieren, doch ein für 2019 geplanter Börsengang wurde vorzeitig abgebrochen.

Dass die Investoren dem Unternehmen den Rücken gekehrt haben, zeigt auch die Kursentwicklung der Anleihen. Der größte Bond verlor ab Februar massiv an Wert und notiert aktuell noch bei gut 35 Prozent des Nennwertes. Das bedeutet, dass der Markt schwere Verluste für die Anleger einpreist.

KKR hat inzwischen die Geschäftsführung ausgewechselt. Nachdem bereits unabhängige Verwaltungsräte und der Finanzchef das Unternehmen verlassen hatten, besetzte KKR Anfang dieser Woche auch die Posten des Konzernchefs und des Präsidenten neu. Der zuvor zuständige KKR-Manager ist nicht mehr im Amt.

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Den Insidern zufolge will KKR nun mehr Geld einschiessen. Auf dem Tisch liege ein Vorschlag, demzufolge der Private-Equity-Riese Selecta einen vorrangigen Kredit im Volumen von 150 bis 200 Millionen Euro gewähren würde, sagte einer der Insider.

Einer solchen Transaktion müssten allerdings auch die Anleihegläubiger zustimmen. Diese dürften im Gegenzug eine Aktienbeteiligung an dem Unternehmen fordern. Die Anleihegläubiger werden Insidern zufolge von Perella Weinberg beraten. KKR hat die Investmentbank PJT mandatiert.

Auch beim Produktangebot reagiert Selecta auf die Pandemie. Das Unternehmen hat bereits über 1000 der insgesamt 475.000 Automaten mit Sicherheitsmasken und Desinfektionsmittel bestückt. «Immer mehr Menschen werden gerne von zu Hause aus arbeiten», sagte einer der Insider. Dies führe zu einem Strukturwandel. «Selecta wird ein kleineres Unternehmen werden und sich neu erfinden müssen.» Selecta, KKR und die Banken wollten sich nicht äussern. 

(reuters/tdr)