Die Erfolgsstory begann in einer Zürcher Drogerie. Da pröbelten Armin Späni, Herbert Marty und Walter Greminger mit verdünnten pflanzlichen Essenzen, um deren Wirkung zu testen. Ausgelöst hatte das Interesse daran ein Buch über Homöopathie – die über 200-jährige Lehre, dass Ähnliches durch Ähnliches geheilt wird. Das Experimentieren lohnte sich: Späni fand eine Essenz, die seine spröden und rissigen Lippen heilte, nachdem alle möglichen Pomaden und Salben jahrelang nichts geholfen hatten.

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Dieses Erlebnis und weitere homöopathische Versuche überzeugten die drei Drogisten dermassen, dass sie die Methode in der Arzneimittelproduktion anwenden wollten. Zu diesem Zweck gründeten Späni, Marty und Greminger 1980 in Zürich die Firma Similasan. Bereits im Hitzesommer 1982 sorgte diese mit Heuschnupfentropfen national für Furore. Innert kürzester Zeit wurden 60 000 Fläschchen verkauft, nachdem der «Blick» die Wirksamkeit des Mittels gepriesen hatte.

In den folgenden Jahren begann Similasan mit Vertriebspartnern Abnehmer in mehreren europäischen Ländern zu rekrutieren. 1986 gründete die Firma eine Tochtergesellschaft in den USA. Heute erzielt diese in amerikanischen Supermarktketten rund zwei Drittel des Umsatzes. Den nächstgrössten Absatzmarkt stellt die Schweiz dar, wo die Arzneien nur in Drogerien und Apotheken verkauft werden dürfen und über Grossisten vertrieben werden. Seit Anfang der neunziger Jahre produziert das Unternehmen im aargauischen Jonen in einem neu gebauten und inzwischen erweiterten Fabrikgebäude.

Die Palette umfasst rund 100 Heilmittel, das erfolgreichste Produkt sind die Augentropfen. Daneben gehört das Heuschnupfenmittel 25 Jahre nach seiner Lancierung nach wie vor zu den meistverkauften Similasan-Medikamenten. Globuli gegen Magenbrennen, Kopfschmerzen oder Grippe gehören inzwischen ebenso zum Sortiment wie Arzneien für Stressgeplagte mit Schlafstörungen. Alle Mittel seien von der Firma selbst getestet und garantiert nebenwirkungsfrei, betont CEO Thomas Gees. «Dieser Qualitätsanspruch ist für uns prioritär.» Da sich die Kunden die homöopathischen Produkte in Selbstmedikation besorgten, stehe Similasan nicht in Konkurrenz zu Herstellern, deren Medikamente von der Schulmedizin verschrieben würden.

Die drei Gründer haben Similasan im vergangenen Frühling rückwirkend auf Anfang 2007 an Michel Jüstrich, Chef des Obwaldner Nahrungsmittelproduzenten Nahrin, verkauft. Während Greminger noch drei Jahre im Verwaltungsrat verbleibt, haben sich Späni und Marty ganz aus der Firma zurückgezogen. Der neue Besitzer, Jüstrich, begibt sich in ein für ihn neues Geschäftsfeld. Er will seine internationale Erfahrung im Verkauf von Bouillons und Streuwürzen – er ist in über 20 Ländern tätig – nun für den weiteren Ausbau von Similasan nutzen. Das zweite Standbein soll weiter an Muskelmasse zunehmen. Wurden 2003 weltweit 5,25 Millionen homöopathische Packungen aus Jonen verkauft, waren es 2006 bereits 8,75 Millionen. «Wir wachsen», konstatiert CEO Gees, der erst seit drei Monaten im Amt ist. Noch rasanter vorwärtsgehen soll es mit innovativen Produkten, mit deren Entwicklung ein Entwicklungs- und Schulungsleiter betraut ist, und einer verstärkten Werbeoffensive, die bisher nicht erreichte Zielgruppen ansprechen soll.

Trotz neuen Besitzverhältnissen stehen laut Gees bei Similasan keine tief greifenden Veränderungen an. Das Unternehmen will weiterhin zu 100 Prozent in Jonen produzieren und den Standort sogar erweitern. Der Bestand von 90 Angestellten bleibe mittelfristig konstant, da noch nicht alle Kapazitäten ausgeschöpft seien, sagt Gees. Nicht sprechen will der CEO über aktuelle Geschäftszahlen. Anhand des Wachstums und des für das Jahr 2004 bekannten Umsatzes von 60 Millionen Franken kann das letztjährige Volumen auf rund 70 Millionen geschätzt werden.

Gebremst werde die Firma durch die Gesundheitspolitik Pascal Couchepins, sagt Gees. Einerseits spreche dieser der Alternativmedizin jegliche Wirkung ab und verwehre ihr die Aufnahme in die Grundversicherung, andererseits verlange er für die naturmedizinischen Produkte ein ähnliches Zulassungsprozedere wie für Medikamente der Schulmedizin. «Das ist eine Diskrepanz», kritisiert Gees. Im Gegensatz zu den USA, wo die Genehmigung für homöopathische Arzneien speditiv abgewickelt wird, dauert zudem das Zulassungsverfahren des Heilmittelinstituts Swissmedic monatelang. Laut Gees hindert dies zahlreiche Firmen in der Branche daran, Medikamente schnell einzuführen und auf aktuelle gesundheitliche Befindlichkeiten der Gesellschaft zu reagieren.

Das Potenzial der Firma sei längst nicht ausgeschöpft, sagt Gees. Die Nachfrage der Bevölkerung werde sich weiter in Richtung Alternativmedizin verlagern. Vor allem in den USA und durch die Erschliessung neuer Märkte erhofft sich Similasan in den nächsten Jahren beträchtliche Umsatzsteigerungen. Der Aufwärtstrend soll jedoch auch national anhalten. Damit der Besitzerwechsel ohne unerwünschte Nebenwirkungen bleibt.

Similasan

Firmenname: Similasan AG
Sitz: Jonen (Aargau)
Umsatz: 70 Millionen Franken*
Angestellte: 90
Produktionsstandort: Jonen
Absatzmärkte: Schweiz, USA, Belgien, Niederlande, Österreich, Südafrika
Produkte: Homöopathische Heilmittel

*Schätzung; Umsatzzahlen werden nicht publiziert.