Der Chef der Schweizer Börse SIX, Jos Dijsselhof, hat im Rennen um die Übernahme der Borsa Italiana Zugeständnisse angeboten. SIX sei an einer Zusammenarbeit mit einem italienischen Partner interessiert, sagte Dijsselhof der Zeitung «Corriere della Sera».

Zudem bot er italienischen Vertretern Sitze im Verwaltungsrat und in der Geschäftsleitung von SIX an. Die Schweizer buhlen mit der Deutschen Börse und Euronext aus Frankreich um den Betreiber der Mailänder Börse.

LSE muss Borsa Italiana loswerden

Die Börsenbetreiberin hat ausserdem ein nicht bindendes Kaufangebot für die italienische Börse abgegeben. Dies erklärte ein SIX-Sprecher am Donnerstag zu dem Zeitungsbericht.

«Die restlichen Punkte kommentieren wir nicht», sagte er weiter.

Um die Mailänder Börse ist ein Gerangel von Kaufinteressenten entstanden. Denn die Borsa Italiana gehört dem Londoner Börsenbetreiber LSE, der die Tochter verkaufen muss, um von der EU-Wettbewerbsbehörde grünes Licht für die 27 Milliarden Dollar teure Übernahme des Datenanbieters Refinitiv zu bekommen.

Nun versuchen sich die Interessenten nicht nur über den Preis, sondern auch mit Versprechen bezüglich des zukünftigen Einflusses der italienischen Seite einen Vorteil zu verschaffen.

Management und Namen sollen bleiben

Bereits am Wochenende hatte die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf Insider berichtet, dass die SIX und die Deutsche Börse in den letzten Tagen eine Charmeoffensive gestartet hätten. Käme die SIX zum Zug, würde die Schweizer Börsenbetreiberin ähnlich verfahren wie bei der kürzlich vollzogenen Übernahme der Madrider Börse Bolsas y Mercados Españoles (BME) im Juni, hiess es in dem Bericht. Man würde der Mailänder Börse also Autonomie gewähren, am Management festhalten und den Namen belassen.

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Bis vergangenen Freitag mussten Interessenten ihre Offerte bei der LSE einreichen. Ihren Hut offiziell in den Ring geworfen haben einerseits die Deutsche Börse und anderseits die italienische Staatsbank Cassa Depositi e Prestiti zusammen mit dem französischen Börsenbetreiber Euronext. Die SIX hatte die seit Tagen kursierenden Gerüchte um eine eigene Kaufofferte für die Mailänder Börse bislang nie kommentiert.

Zwischen 3 und 4 Milliarden Euro

Medienberichten zufolge ist die italienische Börse zwischen 3 und 4 Milliarden Euro wert. Bloomberg hatte bereits am Donnerstag von einem Angebot von Euronext in Höhe von ungefähr 3,5 bis 4 Milliarden geschrieben.

(reuters/awp/gku)