Sie gelten als Luxus, den sich nur Stars und reiche Geschäftsleute leisten können. Zumindest bisher. Denn inzwischen hat die Uberisierung auch die exklusive Businessjet-Branche erreicht. Immer mehr Anbieter aus den USA und Europa mischen den milliardenschweren Markt für Reisen im Privatflugzeug mit Applikationen und Vermittlungsportalen im Internet auf.

Rap-Star Jay Z, die saudische Königsfamilie und andere Anleger etwa investierten gerade 20 Millionen Dollar in die Smartphone-App JetSmarter aus New York. Wer bei ihr 8999 Dollar pro Jahr für die Mitgliedschaft zahlt, kann teilweise sogar umsonst fliegen.

30 bis 40 Prozent Leerflüge

Leerflüge – auf Englisch «empty legs» – heisst das Zauberwort von Anbietern wie JetSmarter. Sie nutzen den Umstand, dass sich bei etwa 30 bis 40 Prozent aller Businessjet-Flüge ausser der Besatzung niemand an Bord befindet. Die Gründe für solche Leerflüge sind unterschiedlich. Teilweise müssen die Maschinen wieder an ihren Standort zurück, weil die Kunden länger bleiben wollen, der betreffende Jet in dieser Zeit aber bereits für einen weiteren Flug gebucht wurde.

In Genf beispielsweise, dem zweitwichtigsten Flughafen für Businessjets in Europa nach Le Bourget bei Paris, sei der Platz relativ beschränkt, sodass nicht dort beheimatete Jets während der Automobilmesse nicht dort parken dürften, berichtet Laurent Détroyat. Die Flugzeuge seien deshalb gezwungen, wieder zu ihrem Heimatflughafen zurückzukehren.

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Preisnachlässe bis zu 75 Prozent

Détroyat ist Verkaufschef bei LunaJets, einem Broker für Businessjets, der solche Leerflüge nutzt – indem er sie zu günstigen Tarifen mit Preisnachlässen von bis zu 75 Prozent anbietet. Eine Übersicht, welche Leerflüge für welche Strecken und mit welchen Maschinen es gibt, findet sich auf der Internetseite und der Smartphone-App des 2007 gegründeten Unternehmens aus Genf.

Ein Flug von Luton in Grossbritannien nach Ibiza in einer Embraer Phenom 300 mit Platz für sieben Passagiere ist bei LunaJets beispielsweise für 10'000 Euro zu haben, während er bei dem Privatjet-Buchungsservice PrivateFly aus Grossbritannien über 15'000 Euro kostet.

Das rasche Wachstum von LunaJets und Victor

«Im Gegensatz zu spezialisierten Businessjet-Gesellschaften haben wir keine eigene Flotte, deren Unterhalt kostet», erklärt Détroyat, dessen Grossvater Michel ein berühmter französischer Kunstflugpilot war. Dafür habe LunaJets Zugang zu 4800 Flugzeugen. Weltweit seien aber weit mehr Privatflugzeuge verfügbar, vom kleinen Zweisitzer bis zu den Businessjet-Varianten von Mittelstreckenflugzeugen wie dem Airbus A319.

«Wir wollen unseren Kunden aber keine Maschinen anbieten, die älter als zwei Jahre sind oder deren Betreiber fragwürdig sind», sagt Détroyat. Deshalb werde jeder Anbieter, mit dem LunaJets zusammenarbeite, einem strengen Audit unterzogen.

Businessjet-Broker wie LunaJets oder sein 2011 gegründeter britischer Konkurrent Victor berichten über hohe Wachstumsraten. «Im Schnitt sind wir seit 2007 um 20 bis 30 Prozent pro Jahr gewachsen», erklärt Détroyat. Führte LunaJets letztes Jahr 1500 Flüge durch, dürften es in diesem Jahr 2300 sein.

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Zeitgewinn für Businesskunden

Das dürfte auch daran liegen, dass immer mehr Firmen seit der Krise auf den teuren Unterhalt eines eigenen Businessjets verzichten. «Ich denke, dass reiche Leute immer versucht haben, ihre Ausgaben zu optimieren», meint Détroyat. Doch die entsprechende Technologie, dies mithilfe von Apps auch bei Flügen mit dem Privatflugzeug zu tun, gebe es erst jetzt.

«Unsere Kunden sind eher Normalbürger, beispielsweise Finanzchefs, die für ihre Firma Kosten und Zeit sparen müssen», sagt er. Ein Flug im Privatjet von Paris nach Genf bringe einen Zeitgewinn von etwa zwei Stunden. Denn der Businessjet-Flughafen Le Bourget liegt näher am Stadtzentrum von Paris. Zudem brauchen Kunden dort nur zehn Minuten vor dem Start erscheinen. Weder beim Abflug noch bei der Ankunft gibt es lästige Schlangen.

Sicherheit geht vor

Auch wenn Medien LunaJets als Uber der Businessjet-Branche bezeichnen, glaubt Détroyat nicht, dass sich das Konzept des Fahrdienstanbieters schnell auf den Sektor übertragen lässt. Denn dort gäbe es viel strengere Regeln als bei Fahrdiensten. «Es gibt zwar jetzt Unternehmen, die versuchen, Mitfluggelegenheiten bei Privatpiloten zu vermitteln», sagt er. «Aber wir wollen das nicht machen, weil wir sicher sein müssen, mit zuverlässigen Anbietern zusammenzuarbeiten.»

Dass die Sicherheit vorgeht, ist den Kunden jedoch nicht immer einfach zu vermitteln. Einmal habe ein Kunde geschimpft, weil er unbedingt am selben Tag zu einer Geburtstagsfeier in Innsbruck habe fliegen wollen, berichtet er. «Wir haben abgelehnt, da in Innsbruck wegen dichten Nebels keine sicheren Landebedingungen herrschten.»

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«Kabul ist machbar»

Im 22-köpfigen Team von LunaJets gibt es sogar einen extra Berater für etwas problematischere Flüge. Gemeint sind damit Flüge in gefährliche Gebiete. Die sind jedoch nicht so günstig wie Leerflüge zu haben, da LunaJets bei Flügen in Risikoregionen mit einer Sicherheitsfirma zusammenarbeitet und spezielle Versicherungen abgeschlossen werden müssen.

Auch wenn der Kunde bereit ist, den entsprechenden Preis zu zahlen, fliegt das Unternehmen nicht überallhin. «Kabul ist machbar, aber Syrien geht nicht», sagt Détroyat.

Dieser Artikel ist zuerst auf unserer Schwester-Publikation «Die Welt» unter dem Titel «Jetzt wird der Businessjet für alle erschwinglich».