Der Niedergang von Wirecard hat die deutsche Wirtschaft aufgerüttelt. Der angeblich höchst erfolgreiche Zahlungsabwickler hat seine Erfolge aufgebauscht, geschönt und mutmasslich manipuliert: So sieht es inzwischen aus. Die Frage steht im Raum: Wie konnte das passieren? Tatsächlich gab es viele Warnsignale, dass bei dem Finanzkonzern zweifelhaft gearbeitet wurde – aufmerksame Beobachter waren längst hellhörig geworden.

Die Pleite von Wirecard ist in seiner Grösse für Deutschland zwar beispiellos. Doch Skandale dieses Typs gehören auch seit je zur Wirtschaftsgeschichte: Enron, Worldcom, Flowtex, Tyco, Parmalat, Omni Holding… Und so kann man sich darauf einstellen, dass es solche Implosionen von Konzernen auch künftig geben wird.

Wie lässt sich die nächste Pleite voraussagen? Die Bank Mirabaud hat einige Signale zusammengetragen, die Anleger vorsichtig machen sollten:

  • Ein mediengewandter CEO, der sich in der Öffentlichkeit gut zu verkaufen weiss und viel Zeit mit Investoren verbringt.
  • Eine Entlöhnung für das Spitzenmanagement, die höher ausfällt als bei vergleichbaren Konzernen – obwohl die Profitabilität tiefer ist.
  • Optimische Prognosen, obwohl Ziele in der  Vergangenheit wiederholt verfehlt wurden.
  • Anzeichen, dass die Kasse knapp ist, weil Zulieferer, Angestellte oder Vermieter nicht fristgerecht bezahlt werden.
  • Viele Mitarbeiterwechsel, besonders in der Finanzabteilung und bei den Rechtsdiensten. Mitgründer oder Geschäftsleitungsmitglieder, die sich aus dem Unternehmen verabschieden.
  • Narzisstische Züge beim CEO, übermässiger Gebrauch von Twitter.
  • Hohe Verschuldung. Viel Cash,  aber keine hohen Zinserträge – was auf Betrug hinweist.
  • Zahlreiche Warner – Blogger, auf Twitter etc. – die seit Jahren auf Missstände hinweisen und dennoch ignoriert werden, während der Aktienkurs ständig steigt.
  • Schwache Umsatzentwicklung, obwohl die Aktie als Wachtumstitel gilt. Anzeichen, dass Konkurrenten Marktanteile gewinnen.
  • Anhaltende Verluste. Ein Konzern, der nie Gewinne machte, aber ständig schwarze Zahlen verspricht. Und der das Erreichen der Gewinnschwelle laufend nach hinten verschiebt.
  • Schwacher Verwaltungsrat, der möglicherweise auch noch in einem Abhängigkeitsverhältnis zum CEO steht. Im schlimmsten Fall sind einige der Mitglieder mit dem CEO verwandt.
  • Übermässiger Einsatz von NON-GAAP – also nicht den US-Vorgaben entsprechende – Buchaltungsstandards.
  • Zweifelhafte Umwandlungen von Verlusten in Gewinne mit schwer nachvollziehbaren Begründungen.

(mbü)