US-Präsident Donald Trump hat von seinen Eroberungsplänen für Grönland zunächst abgelassen. Aber für seine Verbündeten wie die Schweiz bleibt das Problem, wie man auf sein autoritäres Auftreten reagieren sollte.

In diesem Kontext hat ein Bericht des Deutsche-Bank-Analysten George Saravelos für einiges Aufsehen bis hin zum US-Finanzminister Scott Bessent gesorgt. Saravelos hatte die Idee lanciert, «Kapital als Waffe einzusetzen». Er verweist darauf, dass Europa der grösste Gläubiger der USA ist, insgesamt halten die Länder des Kontinents Aktien und Anleihen aus den USA mit einem Volumen von 8 Billionen Dollar. Würden nun die Europäer konzertiert ihre US-Wertpapierbestände auf den Markt werfen, würde das einen gefährlichen Zinsschock in den USA auslösen. Und könnte Trump empfindlich treffen.

Partner-Inhalte
 
 
 
 
 
 

Die SNB ist grosser US-Gläubiger

Soll nun etwa die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Milliardenbestände an US-Anleihen auf den Markt werfen, wenn es bei den Zollverhandlungen mit den USA nicht wie gewünscht läuft? Das wäre keine gute Idee.

Zum einen dient die Bilanz der SNB dazu, die Geldwertstabilität zu erhalten, wozu bekanntlich auch der Kauf von Anlagen in Dollar gehört. Aber auch Fondsinvestoren wie Pensionskassen wären wohl schlecht beraten, aus politischen Gründen ihre Anlagepolitik über den Haufen zu werfen. Es gibt derzeit viele gute Gründe, bei neuen US-Engagements vorsichtig zu sein. Das geschieht auch bereits, wie der schwächer werdende Dollar zeigt.

Dennoch: Am US-Kapitalmarkt führt auf Dauer kein Weg vorbei. Er bleibt der grösste und liquideste – mit Blick auf Aktien wohl auch einer der interessantesten. Denn verglichen mit Europa und auch mit der Schweiz weisen die USA derzeit mit über 4 Prozent sehr ansprechende Wachstumsraten aus. Der Effekt der angekündigten Steuersenkungen und mögliche weitere Leitzinssenkungen dürften das Wachstum weiter befeuern.

USA bleiben ein attraktives Investmentziel

Das macht US-Titel auch im laufenden Jahr zu einem attraktiven Investment. Und Pensionskassen und andere Grossinvestoren sind in erster Linie dazu da, für ihre Kundinnen und Kunden Rendite zu erwirtschaften. So gefährlich und widersinnig Trumps Art ist, mit seinen Verbündeten in Europa umzuspringen – Investments als Waffe einzusetzen, das geht nur nach hinten los.

Begrüssenswert wäre es dagegen, wenn die Debatte Europa endlich dazu bringen könnte, einen einheitlichen Kapitalmarkt auf die Beine zu stellen, der es in Sachen Liquidität mit dem US-Markt aufnehmen kann. Auf den Sparkonti Europas schlummern Billionen, doch um Geld aufzunehmen, gehen Europas Konzerne immer noch an die Wall Street. Grossinvestoren aus aller Welt wären noch so froh, hätten sie eine glaubwürdige Alternative zum US-Kapitalmarkt. China wird das nicht sein können. Europa schon, wenn der Kontinent über seinen Schatten springt.