Die Business-Idee

Autos sind mittlerweile fahrende Computer. Könnte man meinen. Doch trotz Tesla und Co. sind heute noch immer 75 Prozent aller Autos im Strassenverkehr nicht digital vernetzt. Das Zürcher Startup Autosense will das mit einem digitalen Fahrzeugassistenten ändern. Sein Adapter mit einer SIM-Karte und damit WLAN kann in jedes Auto ab Modelljahr 2004 eingebaut werden.

Das Auto speist fortlaufend Daten in eine App, die dem Fahrer verschiedene Angaben zum Auto macht. «Wenn der Tank leer ist, wird die Tankstelle angezeigt, bei Reparaturen eine Werkstatt», sagt Auto­sense-Chef Jaap Vossen. Wer seine Daten preisgibt, erhält allerlei Services und Dienstleistungen rund um das Auto. «Der Fahrer entscheidet aber selbst, an welche Servicepartner die Daten gelangen. Wie bei einem App-Store», so Vossen

Anzeige

Die Gründer

Vossen war vor der Gründung von Autosense rund sieben Jahre bei der Swisscom, zuletzt verantwortlich für das IoT-Geschäft. Die Idee für den Service hatte Vossen bereits bei seinem alten Arbeitgeber. Er tüftelte neben seiner eigentlichen Arbeit an Autosense – bis er sich schliesslich entschied, seinen Job zu kündigen und sich voll aufs Aben­teuer Startup zu konzentrieren. Inzwischen beschäftigt Autosense 14 Angestellte. 

Der Markt

Mit der Dienstleistung folgt  Autosense einem Trend, der sich auch in anderen Branchen wie etwa dem Gesundheitsmarkt abzeichnet: Wer seine Daten preisgibt, erhält im Gegenzug individuelle Services. «Wir sehen uns als Plattform für den lokalen Schweizer Markt.» Auch hierzulande seien die Hersteller im Umbruch. Auto-­Abos und Carsharing werden gerne genutzt von Millennials. «Für die Preisgestaltung, die Reservation, das ganze Handling solcher neuen Dienstleistungen braucht man Fahrzeugdaten. Dafür kann aber nicht ­jeder Hersteller eine eigene Schnittstelle bauen», sagt der gebürtige Niederländer. Genau dort kommt Autosense zum Zug. 

Ein weiteres Feld seien Firmenautos, sagt Vossen. Mit den Daten können Flottenmanager genau schauen, wo welche ­Autos unterwegs sind und wo der nächste Einsatz eines Technikers oder Handwerkers erfolgen könnte. Fördert Autosense damit die Überwachung durch den Arbeitgeber? Vossen winkt ab: «Der Arbeitgeber hätte gar keine Zeit dafür, dem Mitarbeiter ständig hinterher zu sein.» 

Das Kapital

Heute sind Swisscom und Amag je zur Hälfte an Autosense beteiligt. «Es ist ein Spin-off der Swisscom», sagt der 33-jährige Vossen. Die Amag stiess im Sommer 2018, also wenige Monate nach der Gründung, als gleichberechtigte Partnerin ein. Beide Aktionäre könnten ihre Stärken einbringen, so Vossen. Wie die finanzielle Beteiligung en détail aussieht, möchte Vossen nicht kom­munizieren.

Die Chance

Die Breite von Services ist gross: So sollen Versicherungsprodukte kommen, die nach Kilometer abgerechnet werden. Dazu kommen auch Parkplatz-Finder, bargeld­loses Bezahlen an der Tankstelle oder das Teilen von Daten mit dem Fahrlehrer. Ein weiteres Angebot ist ein Occasionszertifikat für den Weiterverkauf des Autos. «Für den Käufer ist dann mehr als das Alter des Autos und die Kilometerzahl ersichtlich», sagt Vossen.

Dabei kann der Fahrer wählen: Wenn er gar keine Partner auf der App ins Boot holt, beträgt die monatliche Gebühr 5 Franken. Für den Adapter muss der Fahrer einmalig 69 Franken zahlen. Gibt er seine Daten preis, ist der Dienst kostenlos. Bedenken wegen des Datenschutzes hat ­Vossen nicht: «Die Digitalisierung fordert Transparenz, vereinfacht aber vieles im Alltag.» Mit der Polizei teile man aber nichts.

Das meint der Experte

«Der grosse Nutzen liegt bei der Amag, die damit natürlich die Werkstattbindung ihrer Kunden erhöht. Firmenfahrzeuge laufen aber überwiegend im Full-Service-Leasing. Da brauche ich die Lösung kaum.»

Ferdinand

Prof. Dr. Fer­di­nand Du­den­höf­fer ge­hört zu den re­nom­mier­tes­ten Au­to­mo­bi­l­ex­per­ten Deutsch­lands. Seit 2008 ist er Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät Duis­burg-Es­sen und lei­tet dort das Fach­ge­biet «All­ge­mei­ne Be­triebs­wirt­schafts­leh­re und Au­to­mo­bil­wirt­schaft». Gleich­zei­tig ist er Grün­der und Di­rek­tor des «CAR – Cen­ter Au­to­mo­ti­ve Re­se­arch» an der Universität.

Quelle: ZVG