Im Schweizer Bier steckt viel Schweiz. Es besteht zu über 90 Prozent aus Schweizer Wasser. Davon gibt es hierzlande genug – und das in ausgezeichneter Qualität. Trotzdem droht vielen Schweizer Brauereien, dass sie ihren Gerstensaft schon bald nicht mehr als Schweizer Produkt vermarkten dürfen. Weder auf dem Etikett noch auf der Website und Plakaten.

So will es die neue Swissness-Regelung, mit welcher der Bund die Marken «Schweiz» und «Made in Switzerland» besser schützen will. Das Parlament hat sich nach jahrelangem politischen Gezänk darauf geeinigt, dass für Lebensmittel 80 Prozent der Rohstoffe aus der Schweiz kommen sollen.  Doch im bürokratischen Dickicht der Swissness-Vorlage geschehen mitunter merkwürdige Dinge. Etwa beim Bier.

Schutz für Carlsberg, Heineken und Co.

So lassen sich nicht alle Rohstoffe anrechnen - obwohl sie schweizerisch sind. In Artikel 4 des Verordnungsentwurfs über die Verwendung der Herkunftsangabe Schweiz für Lebensmittel heisst es, dass Mineralwasser und Quellwasser  angerechnet werden dürfen, nicht aber normales Trinkwasser. Der Bundesrat schlägt Bierproduzenten damit die Tür zur Swissness zu. Wer sein Wasser nicht aus einer eigenen Quelle beziehen kann,  hat  kaum eine Chance. «Wir sind im Gesetzgebungsprozess zwischen Stuhl und Bank gefallen», klagt Marcel Kreber, Direktor des Schweizerischen Brauerei-Verbands.

Die Swissness-Regelung begünstigt ausgerechnet jene Bierproduzenten, die ausländischen Grosskonzernen gehören. Die Heineken-Brauereien Calanda und Eichhof verfügen ebenso über eigene Quellen wie Feldschlösschen, das Teil der Carlsberg-Gruppe ist. Diese Brauereien profitieren heute davon, dass bei deren Gründung die Nähe zu einer Quelle einst entscheidend war.

Sehen Sie in der oben stehenden Bildergalerie Schweizer Biermarken die wegen der Swissness-Vorlage Probleme bekommen könnten.

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