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Zukunft
Britische Professorin will Sexroboter verbieten

Britische Professorin will Sexroboter verbieten lassen
Sexpuppe aus Japan: Mit künstlicher Intelligenz kombiniert ein ethisches Problem?   Screenshot

Mehrere Firmen liefern sich ein Rennen um den ersten lebensechten Sexroboter. Sie hoffen auf eine veritable Goldgrube. Doch die Pläne sind aus ethischen Gründen heiss umstritten.

Von Gabriel Knupfer
2015-09-15

Gummipuppen gibt es schon lange. Doch dank der technologischen Revolution ist inzwischen mehr möglich als ein aufblasbares Spielzeug für den Notfall. Gleich mehrere Firmen sind an der Entwicklung von echten Sexrobotern, die dank ihrer künstlichen Intelligenz und lebensechten Materialien die Interaktion mit echten Menschen schon beinahe überflüssig werden lassen sollen.

Und genau das ist offenbar auch das Ziel von Unternehmen wie True Companion oder Abyss Creations. «Menschen können nicht nur mit anderen Menschen Glück und Erfüllung finden», ist True-Companion-Chef Douglas Hines überzeugt. Seine Firma will deshalb noch in diesem Jahr zwei Sexroboter auf den Markt bringen, eine Frau, «Roxxxy» und einen Mann, «Rocky».

7000 Dollar für «ersten Sexroboter der Welt»

Die Puppen mit dem Elektronikhirn können für knapp 7000 Dollar vorbestellt werden und finden laut Hines schon jetzt reissenden Absatz. Die Firma brüstet sich zwar mit dem «ersten Sexroboter der Welt», doch Sex soll trotzdem – auch mit einem Roboter-Partner – nur eine zweitrangige Rolle spielen. «Die meiste Zeit wird man mit Gesprächen und sozialen Aktivitäten verbringen», so Hines gegenüber der BBC.

Seine Sexroboter entsprächen einem grossen Bedürfnis vieler Menschen, sagt Hines. Roxxxy soll deshalb noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Trotz der technologischen Herausforderungen dürfte True Companion seine Vorreiterrolle aber nicht lange halten. Die Sexspielzeugfirma Abyss Creations will ebenfalls intelligente Puppen herstellen. Und Matt McMullen von Realdoll träumt schon lange davon, seine Puppen «zum Leben zu erwecken», wie er vor einigen Monaten «Vanity Fair» verriet. Für McMullen, der vor 20 Jahren die erste Silikonpuppe mit einem realistischen Skelett baute, ist der Schritt zum Roboter nur folgerichtig.

«Äusserst beunruhigend»

Kevin Curran von der Universität Ulster ist vom Wettkampf nicht überrascht. «Von der Mechanik einmal abgesehen, ist es ziemlich einfach, einen menschenähnlichen Roboter zu bauen», sagt Curran der BBC. «Man braucht den Robotern nur eine ‹Haut› anzulegen um sie zu attraktiven Gefährten zu machen». Die Zeit, in der Roboter nur zu wissenschaftlichen Zwecken dienten, sei vorbei. Produkte wie Roxxy könnten bald schon ein riesiger Markt werden, glaubt Curran.

Der beginnende Boom ruft indes auch Kritiker auf den Plan. Kathleen Richardson, Sozialanthropologin und Expertin für humanoide Roboter, fordert gar ein generelles Verbot von Sexrobotern. Aussehen und Funktion der Prototypen seien «äusserst beunruhigend», sagt die Professorin. Die Roboter würden ein rückständiges Frauenbild und eine Reduktion von Beziehungen auf rein sexuelle Aspekte befördern.

Schädlich für zwischenmenschliche Beziehungen?

«Die Schaffung solcher Roboter ist schädlich für Beziehungen zwischen Männern und Frauen, Erwachsenen und Kindern, Männern und Männern und Frauen und Frauen», sagt Richardson. Sie will die Industrie deshalb überzeugen, ihre Entwicklungen in diese Richtung aufzugeben.

Kevin Curran überrascht die Kritik nicht. Der Kampf gegen Roboter-Partnerschaften werde schon bald ein noch viel grösseres Thema werden. Doch der Experte glaubt nicht, dass die Entwicklung damit aufgehalten wird. «Es wäre naiv, die Marktkräfte hinter den ‹intimen Robotern› zu unterschätzen.»

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