Selbst wenn man sich von Chinas Ingenieuren einiges gewohnt ist, liess die Meldung letzte Woche aufhorchen: In den nächsten vier Jahren will das Land umgerechnet über 500 Milliarden Franken in sein Schienennetz für Schnellzüge investieren. Dieses soll um 11'000 Kilometer auf 30'000 Kilometer wachsen.

80 Prozent der chinesischen Grossstädte sollen 2020 mit Hochgeschwindigkeitszügen verbunden sein. Angesichts des bisherigen Tempos beim Eisenbahnbau ist zu erwarten, dass der Plan wirklich umgesetzt wird. Das bisherige Netz wurde auch in wenigen Jahren, seit 2004, aus dem Boden gestampft. Der letzte Erfolg: In der Altjahreswoche wurde die 2250 Kilometer lange Strecke von Kunming nach Shanghai eingeweiht, mit der sich die Reisezeit von 35 auf gut zehn Stunden verkürzt.

Eigenes Rollmaterial

Gleichzeitig mit dem Streckenausbau findet eine technologische Revolution bei den Zügen statt. Seit einigen Jahren sind in China die schnellsten fahrplanmässigen Züge der Welt unterwegs. Und nicht nur, dass die Züge technisch besser werden - sie kommen auch immer häufiger aus heimischer Produktion.

Nachdem die Schnellfahrstrecken zunächst mit Zügen internationaler Hersteller bedient wurden – zum Einsatz kam unter anderem eine modifizierte Version des japanischen Shinkansen – baut China das Rollmaterial inzwischen selbst. Mit dem «Zug der Harmonie» CRH380A stellte der staatliche Hersteller China Railway Rolling Stock Corporation (CRRC) mehrere Geschwindigkeitsrekorde auf.

Die Leistungsstärke chinesischer Industriefirmen wie CRRC bekommen auch Schweizer Zulieferer immer stärker zu spüren. Die Zürcher Industriegruppe Dormakaba zum Beispiel, ein Zulieferer der staatlichen Eisenbahn. Dieser stellt neuerdings auch komplexe Teile in China her, um günstiger zu produzieren, wie die NZZ berichtete. Denn die Zahl der lokalen Konkurrenten steigt. Dennoch sehen Dormakaba und andere Schweizer Industriefirmen weiterhin gute Wachstumschancen in China - gerade durch gigantische Infrastrukturprojekte wie dem Ausbau des Schienennetzes.

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Maglevs im Vorortsverkehr

Und dabei soll es nicht bleiben: CRRC möchte sogar ihre Hochgeschwindigkeitszüge noch übertrumpfen. Im Fokus der Firma stehen inzwischen Magnetschwebebahnen. Bei dieser Technologie wird die Bahn durch magnetische Kräfte in der Schwebe gehalten und angetrieben. Trotz der hohen Antriebsleistung und den geringeren Lärmemissionen, welche solche Bahnen auszeichnen, haben sie sich bisher nicht durchgesetzt.

Das soll sich nun ändern. Dabei gehen die Chinesen ähnlich vor, wie bei der Übernahme der Shinkansen-Technologie auf die Hochgeschwindigkeitszüge. In Shanghai verkehrt seit 2004 fahrplanmässig eine modifizierte Version der deutschen Entwicklung Transrapid auf einer 30 Kilometer langen Strecke. Im Mai 2016 folgte die erste chinesische Eigenproduktion im Vorortsverkehr der 7-Millionen-Stadt Changsha.

600 Kilometer pro Stunde

In diesem Jahr soll die erste Magnetschwebebahn in der Hauptstadt Peking eröffnet werden. Der Vorortszug soll mit einer tiefen Geschwindigkeit von 80 Kilometern in der Stunde fahren, womit ein sehr leiser Betrieb ermöglicht werden kann. Doch der Einsatz als langsames Nahverkehrssystem wie in Changsha und Peking reicht CRRC nicht, wie das Fachportal ingenieur.de berichtet.

Die Firma hat angekündigt eine Magnetschwebebahn zu entwickeln, welche eine Spitzengeschwindigkeit von 600 Kilometern in der Stunde erreichen soll. Wo dieser dereinst zum Einsatz kommen soll, ist indes noch völlig offen, werden doch für das Schnellzugnetz konventionelle Schienen verlegt.

Gewaltige Kosten

Wie es gehen könnte, zeigt sich zur Zeit in Japan. Dort wurde mit dem Bau einer Maglevbahn zwischen Tokyo und Nagoya begonnen. Diese verläuft auf einer neuen Trasse parallel zur Shinkansen-Strecke. Die Fahrdauer für die 351 Kilometer wird ab 2027 von heute 100 Minuten auf 40 Minuten gesenkt. Kostenpunkt für die schnurgerade Strecke: Umgerechnet mehr als 40 Milliarden Franken.

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