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Hotellerie
UBS verkauft Widder Hotel an Gratian Anda

Gratian Anda.
Gratian Anda: Der Milliardär und Unternehmer ist der neue Gastgeber im Hotel Widder.Quelle: ZVG AdNovum

UBS verkauft ihr Hotel in Zürich an Bührle-Spross Gratian Anda. Mit von der Partie ist auch Ex-Schweiz-Tourismus-Chef Jürg Schmid.

Marcel Speiser
Von Marcel Speiser
am 31.08.2018

Fast ein Vierteljahrhundert – konkret seit Eröffnung im Jahr 1995 – war die Grossbank UBS Gastgeberin im Zürcher Altstadt-Hotel Widder. Jetzt hat das Finanzinstitut das Luxus-Hotel verkauft – an Gratian Anda, dem unternehmerischen Kopf der Bührle-Dynastie.

Über den Verkaufspreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Das passt. Schon seit den Zeiten von Patron Dieter Bührle – der Onkel von Gratian Anda hielt die Geschicke der Familie während Jahrzehnten in Händen  – lebten die Bührles und Andas getreu dem Motto: Über Geld spricht man nicht, Geld hat man. Gemäss Schätzungen der «Bilanz» dürfte der Clan rund 1,75 Milliarden Franken schwer sein.

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Widder wird Teil von «The Living Circle»

Konkret verkauft die UBS die Widder-Immobilien sowie weitere Liegenschaften rund um das Hotel an die Swiss Life. Die Hotel Widder AG, welche das Hotel sowie diverse Gastro-Betriebe im und um das Hotel führt, geht an die IHAG Holding, in welcher die Bührles ihre Besitztümer zusammenhält.

Anda kauft das Hotel Widder nicht persönlich, sondern mit seiner Hotel- und Gastrogruppe «The Living Circle», gegründet im Frühling 2017. Sie ist bereits mit einem Fünf-Sterne-Haus in Zürich präsent: dem aufwändig renovierten Hotel Storchen, nur zweihundert Meter vom Widder entfernt an der Limmat gelegen. Ebenfalls im Portfolio sind das Luxushaus Castello del Sole in Ascona sowie die beiden Restaurants Buech in der Zürcher Goldküsten-Gemeinde Herrliberg und Rustico del Sole hoch über Ascona. Abgegrundet wird das ganze durch zwei Bauernhöfe.

Hotel Widder
Hotel Widder am Rennweg in Zürich: Beste Lage, beste Geschäfte.
Quelle: ZVG

Mit im Boot bei Andas «Living Circle» sitzt Jürg Schmid als Delegierter des Verwaltungsrates. Der langjährige Chef von Schweiz Tourismus und kurzzeitige Chef Personenverkehr bei den SBB arbeitet rund einen Tag pro Woche für die Gastrogruppe. Er wolle «die Gruppe weiterentwickeln und Synergien ausschöpfen», sagte er dazu vor rund einem Jahr der «Handelszeitung». Dazu gehöre, dass den Gästen vermehrt Produkte der beiden Bauernhöfe serviert werden sollen. «Farm-to-table» fasziniert mich», so Schmid. «Da liegt noch einiges drin.»

Jürg Schmid.
Jürg Schmid: «Das Hotel Widder ist eine Zürcher Institution. Als neues Flaggschiff passt es wie massgeschneidert in unsere handverlesene Hotel-Kollektion.»
Quelle: Keystone

UBS braucht «Ausweichstandort» nicht mehr

Die UBS begründet den Verkauf der Liegenschaften und der Hotel-Betriebsgesellschaft mit der bevorstehenden Neueröffnung des UBS Hauptsitzes an der Bahnhofstrasse. Dort würde zusätzliche Räumlichkeiten entstehen, die den Widder als «möglichen Ausweichstandort für Tagungen und Seminarien» überflüssig machen würden. «Ich bin überzeugt, dass wir mit den Partnern IHAG und Swiss Life die ideale Lösung gefunden haben, um den Betrieb in erfolgreicher Wiese weiterzuführen», wird Ulrich Körner, Konzernleitungsmitglied und Präsident der Widder Hotel AG wird, in einer Mitteilung der Bank zitiert.

Jürg Schmid wiederum sagt, dass das Hotel Widder «als neues Flaggschiff wie massgeschneidert zur handverlesenen Kollektion von erstklassigen Hotels und Restaurants» von «The Living Circle» passen würde. Das Hotelmanagement um Jan und Regula Brucker werde dem Widder treu bleiben, so Schmid weiter.

Ein Zimmer im Widder.
Mittelalter trifft auf Moderne: Zimmer im Hotel WIdder.
Quelle: ZVG

Der 47-jährige neue Widder-Hotelier Gratian Anda ist nicht nur in der Hotellerie und Gastronomie aktiv. Er ist auch Vizepräsident beim Schweizer Flugzeugbauer Pilatus, bei dem die Familienholding IHAG Mehrheitsaktionärin ist. Pilatus sorgte dieses Jahr international für Aufsehen mit dem Business-Jet PC24. Auch Ex-Nestlé-Präsident und Hobby-Pilot Peter Brabeck hat sich einen gesichert.

Zur IHAG gehören auch die IHAG Privatbank in Zürich, der IT-Dienstleister AdNovum sowie ein breites Immobilien-Portfolio.

Zum grossen Teil steckt das Familienvermögen aber in Kunst. Zum Teil jener, die in der Zürcher Sammlung Bührle ausgestellt ist und einer Stiftung gehört. Zum Teil jener, die nach wie vor in Privatbesitz ist. Die «Bilanz» schätzt allein den Wert dieses Teils auf rund eine Milliarde Franken. Kein Wunder: Es sollen sechs van Goghs und acht Picassos darunter sein. Um das Erbe von Géza Anda – einem weltbekannten Pianisten aus Ungarn, mit dem Gratian Andas Mutter Hortense Bührle verheiratet war – hochzuhalten, unterstützt die IHAG auch eine Stiftung, die junge Musiker fördert.

Am Anfang standen Waffen

Den Grundstein des Familienvermögens legt aber Emil Georg Bührle als Industrieller und Waffenhersteller. Er machte aus der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon einen bedeutenden Rüstungskonzern. Er galt einst als reichster Schweizer.

Bührle verstarb 1956. Sein Sohn Dieter übernahm die Firmenleitung und expandierte in zivile Geschäftsbereiche. Unter anderem gehörte der Schuh-Hersteller Bally lange zu seinen Engagements und der Lastwagen-Bauer Saurer. Der Industriekonzern Oerlikon-Bührle wurde im Jahr 2000 in Unaxis unbenannt, später in OC Oerlikon. Heute heisst das Unternehmen nur noch Oerlikon. Die Bührles aber haben damit nichts mehr zu tun.