Die Uhrenindustrie steckt in der Krise, in der Corona-Krise. Reihenweise legen die bekannten Schweizer Uhrenmarken ihre Fabriken und Manufakturen still. Rolex machte den Anfang – und bis jetzt folgten Audemars Piguet, Patek Philippe, TAG Heuer und Hublot. Hinzu kommt: In weiten Teilen Europas und den USA sind die Uhrenhändler bis auf weiteres geschlossen.

In dieser ausserordentlichen – und ausserordentlich schwierigen – Situation hat ein kleines deutsches Uhren-Startup eine ausserordentlich gute Idee. Sie könnte für einige Uhrenhändler Teil ihrer Durchhalte-Strategie sein.

Ein Webshop in 48 Stunden

Das Startup ist die Hamburger Uhrenmarke Sternglas, vor fünf Jahren von Dustin Fontaine gegründet. Es bietet Uhrenhändlern ab sofort an, für sie innert 48 Stunden einen Onlineshop zu programmieren. Das berichtet «WatchPro».

Der eigene Onlineshop würde es den oft mittelständischen Juwelieren erlauben, ihre Kunden trotz geschlossenem Ladengeschäft weiter zu bedienen, begründet Fontaine: «Shutdown bedeutet für die Juweliere, dass sie keine Kunden haben und keinen Umsatz machen. Eine verheerende Situation für jedes Geschäft. Auch deshalb, weil die Kunden jetzt zu den grossen Online-Händlern abwandern.»

Fontaine, der mit Sternglas seine Uhren zunächst ausschliesslich über das Netz verkauft hat und erst später damit angefangen hat, ein Händlernetz aufzubauen, will mit seiner Aktion einerseits Mut machen. «Es gibt da draussen hunderte von Kunden, welche die Produkte der Juweliere kaufen möchten und die Beratung der Uhrenhändler schätzen.» Viele Händler würden als «lokale Influencer» einen hervorragenden Job machen. Das sei nun in Gefahr. Dabei gebe es, so Fontaine weiter, garantiert Kunden und Stammkunden, «die den lokalen Juwelier und dessen Geschäft unterstützen möchten».

Andererseits versucht Fontaine mit der Aktion natürlich auch seine eigenen Leute – Sternglas beschäftigt derzeit 23 Angestellte – weiter auszulasten. Denn auch Sternglas kämpft mit Umsatzeinbrüchen, weil die Konsumenten derzeit anderes im Kopf haben als schöne Uhren.

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Dabei sind die vom Bauhaus inspirierten Modelle von Sternglas durchaus attraktiv. Schweizer Uhrenfans dürften insbesondere an dem von kurzem lancierten Modell «Kanton» (Bild unten) Gefallen finden. Es ist die erste Swiss-Made-Uhr der jungen deutschen Marke. In der «Kanton» schlägt ein Automatikwerk der Tessiner Firma STP Swiss Technology Production. Sie gehört dem amerikanischen Uhren-Riesen Fossil Group.

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Swiss Made: Das Modell «Kanton» von Sternglas.

Quelle: ZVG

Gratis ist das Angebot von Sternglas an die Händler nicht. Aber Fontaine verspricht: «Der Preis liegt weiter unter dem, was Werbeagenturen oder andere Berater verlangen würden.» Zudem betont er: «Wir realisieren den Juwelieren nicht nur einen Online-Shop, sondern geben ihnen auch die richtigen Online-Vermarktungskonzepte an die Hand, mit denen sie neue Kunden in den Shop bekommen.» Ziel sei es, dass die Händler «wieder durchatmen können, ohne von finanzielle Sorgen geplagt zu sein».

Zunächst wird Sternglas die Shops von Händlern realisieren, die auch Sternglas-Uhren verkaufen. «Aber wir sind offen für alle Juweliere und Fachhändler», ergänzt er. «Auch solche aus der Schweiz

 



Hören Sie auch unseren Podcast dazu, wie die Smartwatches von Apple die Schweizer Uhrenindustrie herausfordern:

Sternglas erwirtschaftet derzeit einen Umsatz «im niedrigen einstelligen Millionenbereich», wie Gründer Fontaine sagt. Das Unternehmen ist also ein kleiner Fisch im Teich der grossen Uhrenmarken (siehe Grafik unten). Drei Viertel der Uhren verkauft das Unternehmen online, 25 Prozent des Umsatzes kommt aus dem stationären Geschäft.