Papst Franziskus gilt als Kritiker der Globalisierung und des Kapitalismus. Berührungsängste gegenüber prominenten Vertretern dieser internationalen Wirtschaft kennt der Pontifex und seine Institution aber keine: Am Dienstag beschloss der Vatikan eine Zusammenarbeit mit zwei Dutzend Grosskonzernen und Organisationen.

Dafür wurde ein «Rat für Inklusiven Kapitalismus» gegründet, die Mitglieder wiederum nennen sich «Guardians of Inclusive Capitalism». Das Gremium will beitragen, dass das internationale Wirtschaftssystem gerechter, nachhaltiger und stärker in der Gesellschaft verankert wird.

Die Grundsätze dieses Modells ähneln stark den ESG-Kriterien, die in der Finanzwelt immer mehr Beachtung finden. Und dieser «inklusive» Kapitalismus orientiert sich an den Zielen der UNO für nachhaltige Entwicklung.

Tidjane Thiam spricht für Kering

Der Wächterrat besteht aus rund einem Dutzend Personen – es sind die Vertreter der Konzerne, die mitmachen. Mastercard-Chef Ajay Banga ist dabei, Allianz-CEO Oliver Bäte, Salesforce-Gründer Marc Benioff,  ferner William Lauder von Estée Lauder, OECD-Chef Angel Gurria oder Brian Moynihan, der Chairman der Bank of America.

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Und mit Tidjane Thiam nimmt auch ein in der Schweiz sehr bekannter Mann Einsitz im Gremium. Thiam spricht dort als Verwaltungsrat des Luxusgüterkonzerns Kering.

Der heilige Stuhl wird durch Kandinal Peter Turkson repräsentiert. Treibende Kraft hinter der neuen Organisation ist die US-britische Investorin Lynn Forester de Rothschild, ein Mitglied der bekannten Bankiersfamilie Rothschild.

Der Rat wurde als Nonprofit-Organisation unter der Schirmherrschaft des Vatikan gegründet, und die Mitglieder werden sich auch künftig einmal pro Jahr mit dem Papst in Rom treffen.

Taten statt nur schöne Worte

«Wir benötigen dringend ein ökonomisches System, das fair und respektiert ist, und welches imstande ist, den grössten Herausforderungen für die Gesellschaft und den Planeten zu begegnen», sagte Papst Franziskus in einer Verlautbarung.

Die beteiligten Konzerne wollen es nicht bei schönen Worten belassen und sich an Taten messen lassen: Sie nennen konkrete Ziele und Massnahmen, wie sie zu einer besseren Form des Kapitalismus beitragen wollen. Der Pharmakonzern Johnson & Johnson erwähnt etwa seine Forschung gegen Antibiotika-Resistenzen oder die Förderung von Frauen innerhalb des Konzerns.

Nicht alle diese Massnahmen sind allerdings taufrisch: Der Ölkonzern BP etwa nennt ein Ziel, welches er schon im Februar verkündet hat: Er will seine Emissionen bis 2050 auf Null senken.

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(mbü)