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Rückzug
US-Steuerstreit: Bank Frey am Ende

Die Zürcher Bank Frey & Co: Sie stellt ihre Tätigkeit ein. (Bild: Keystone)

Nach der Bank Wegelin triffts nun die Zürcher Privatbank Frey & Co: Sie stellt ihre Tätigkeit ein. Als Grund nennt sie «ausufernde Regulierung und Auflagen» - in den USA droht massiver Ärger.

Veröffentlicht am 17.10.2013

Die Zürcher Bank Frey & Co. stellt ihre Tätigkeit als Bank ein. Die ausserordentliche Generalversammlung ist einem entsprechenden Antrag des Verwaltungsrats gefolgt, wie es in einer Mitteilung der Bank heisst. Die Bank Frey sei finanziell gesund und werde nicht liquidiert, das Verfahren mit den US-Justizbehörden sei noch offen.

Der Entscheid sei auf die zunehmend schwierigen Marktverhältnisse, die ausufernde Regulierung und die kaum mehr zu tragenden Auflagen zurückzuführen, welche kleinere Privatbanken unter anderem infolge des Steuerstreits mit den USA zu erfüllen haben, begründet das Institut ihren Rückzug. Man habe festgestellt, dass sich Kosten und Aufwendungen in einem Ausmass abzeichnen, die für die Bank nicht mehr tragbar seien.

Nach Ansicht vieler Experten dürfte der Entscheid der Zürcher Privatbank kein Einzelfall in der Schweiz darstellen. Viele Banken liegen demnach bereits auf dem Totenbett: So glaubt etwa der Chef der Privatbank Vontobel, Zeno Staub, dass die Zahl der Schweizer Banken, von heute über 300 auf etwa 200 sinken wird. Der Prozess werde durch das Programm zur Lösung des US-Steuerstreits wohl noch beschleunigt werden, sagte Staub laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Präsident bedauert den Entscheid

Verwaltungsratspräsident Markus Frey bedauert den schmerzlichen Entscheid: «Aufgrund der Entwicklungen in den letzten Jahren haben sich vor allem innerhalb der Schweiz Umstände und Herausforderungen ergeben, die eine sinnvolle Weiterführung des grenzüberschreitenden Dienstleistungsgeschäfts für eine kleine Bank nicht mehr erlauben.»

Das Verfahren des U.S. Department of Justice (DoJ), indem die Bank Frey in die Kategorie 1 fällt, sei noch offen. Wie bereits im Geschäftsbericht 2012 publiziert, sei die Bank Gegenstand der Untersuchung des DoJ, wobei sie unterstreicht, dass sie «subject» und nicht «target» ist. Die Bank sei also weder angeklagt noch bedroht, angeklagt zu werden. Man habe sich zudem kooperativ verhalten und werde dies weiter tun.

Schwierige Verbandelung mit Anwaltskanzlei

Wegen des laufenden Verfahrens in den USA, gibt die Bank Frey zum jetzigen Zeitpunkt keine zusätzlichen Erläuterungen.

Die Bank Frey steht wegen des Verdachts auf Beihilfe zur Steuerhinterziehung seit längerem im Visier der US-Steuerbehörden. Gegen das ehemalige Geschäftsleitungsmitglied Stefan Buck sowie einen Anwalt von der Zürcher Anwaltskanzlei Niederer Kraft & Frey (NKF) war im April Anklage erhoben worden. Die beiden sollen nach dem Debakel der UBS und der Bank Wegelin unversteuertes Geld weitergeschleust und so Millionen von Dollar vor den US-Steuerbehörden versteckt haben, lautet der Vorwurf.

Der 57-jährige Anwalt Edgar Paltzer gab vor einem Bundesgericht in New York zu, in der Schweiz Bankkonten eröffnet zu haben im Wissen, dass US-Bürger diese für Steuerhinterziehung verwenden würden. «Es war mir bewusst, dass mein Verhalten falsch war», erklärte der amerikanisch-schweizerische Doppelbürger.

Der frühere Chef des Privatkundengeschäfts Buck wurde im Anschluss an diese Anklage umgehend von seinen Aufgaben bei der Bank Frey entbunden. Damit könne er sich frei gegen die Anschuldigungen wehren, die vor einem Bezirksgericht in New York gegen ihn erhoben wurden, hiess es damals in der Begründung der Bank Frey.

(awp/moh/chb)

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