Ein vor drei Jahren in New York wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagter Schweizer Banker ist laut informierten Kreisen in Deutschland verhaftet worden. Ihm droht jetzt die Auslieferung in die USA.

Roger Keller war einer von drei Mitarbeitern von Wegelin & Co., gegen die im Januar 2012 Anklage erhoben wurde. Sie sollen US-Kunden dabei geholfen haben, mehr als 1,2 Milliarden Dollar vor den amerikanischen Steuerbehörden zu verstecken. Keller, der in der Schweiz lebt, sei am Montag in Frankfurt festgenommen worden, hiess es.

Angeklagte Banker sitzen fest

Seit 2008 sind in den USA 38 Banker, Anwälte und Berater wegen Steuervergehen angeklagt worden. Bei rund zwei Dutzend stehen noch Gerichtsverfahren an, darunter Banker der drei grössten Vermögensverwalter der Schweiz - UBS Group AG, Credit Suisse Group AG und Julius Bär Group Ltd. Die meisten leben in der Schweiz, ausser Reichweite der US-Justiz. Wenn sie in andere Länder reisen, riskieren sie, festgenommen zu werden.

Anzeige

«Schweizer Banker unter Anklage unterstehen praktisch einer Art Internierung», sagte Bruce Zagaris, Rechtsanwalt in Washington, der mit dem Fall nicht befasst ist. «Sie sind es gewohnt, weltweit zu reisen. Plötzlich bleibt ihnen nur die Wahl, entweder in der Schweiz zu bleiben oder ins Ausland zu reisen und verhaftet zu werden.»

Oberlandesgericht entscheidet über Auslieferung

Alexander Badle, ein Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft, bestätigte in einer E-Mail lediglich, dass ein 50-jähriger Schweizer Staatsbürger aufgrund einer internationalen Ausschreibung der USA festgenommen wurde. Keller war 47 Jahre alt, als er vor drei Jahren angeklagt wurde.

Badle erklärte, das Frankfurter Amtsgericht habe am 2. Februar Haft angeordnet. Das Oberlandesgericht habe nun zu entscheiden, ob er in vorläufige Auslieferungshaft genommen werde. Ob Keller anwaltlich vertreten wird, war zunächst nicht klar.

Millionen am Fiskus vorbeigeschleust

Wegelin, die älteste Privatbank der Schweiz, bekannte sich 2013 schuldig, US-Steuerzahlern geholfen zu haben, mehr als 1,2 Milliarden Dollar vor der amerikanischen Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) zu verstecken. Am 2. Februar 2012 war gegen Wegelin als erste Schweizer Bank Anklage erhoben worden.

Einen Monat zuvor waren Keller sowie Urs Frei und Michael Berlinka, zwei andere Wegelin-Mitarbeiter, angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen vor, sie hätten Amerikanern dabei geholfen, mehrere Dutzend Konten zu eröffnen und sie vor den Steuerbehörden zu verschleiern, nachdem US-Ermittlungen die Kunden in den Jahren 2008 und 2009 veranlasst hatten, den grösseren Schweizer Banken den Rücken zu kehren. Den drei Angeklagten drohen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren.

(bloomberg/dbe/ama)