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Steuern
Vaduz will Abgeltungssteuer mit der Schweiz

Fürstentum Liechtenstein: Eine Abgeltungssteuer soll her. Keystone

Liechtenstein will den automatischen Informationsaustausch mit der Schweiz vermeiden. Das Fürstentum schlägt als Alternative eine Abgeltungssteuer vor. Der Vorschlag wirft politisch hohe Wellen.

Von Sven Millischer und David Vonplon
am 26.10.2016

Das Fürstentum Liechtenstein sucht eine Alternative zum automatischen Informationsaustausch (AIA) mit der Schweiz: «Wir möchten mit der Schweiz eine Lösung prüfen, die den steuerlichen Bedürfnissen der beiden Partnerstaaten einfacher und direkter Rechnung trägt», sagt Katja Gey, Chefin der Liechtensteiner Stabsstelle für internationale Finanzplatzfragen, in der neusten Ausgabe der «Handelszeitung».

Der AIA berücksichtige das enge, binnenmarktähnliche Verhältnis zwischen der Schweiz und Liechtenstein nicht ausreichend und führe zu einem hohen Verwaltungsaufwand. Deshalb sei es besser, wenn der eine Staat für den anderen direkt die Steuern einziehe.

Abkommen mit Österreich als Blaupause

Als Blaupause für eine Abgeltungssteuer mit der Schweiz dient dem Fürstentum Liechtenstein ein Abkommen mit Österreich: Liechtenstein erhebe die in Österreich geschuldete Steuer als Abgeltungssteuer und überweise diese, so Gey: «Eine ähnliche Regelung könnten wir uns auch mit der Schweiz vorstellen.»

Die Chefin der Liechtensteiner Stabsstelle für internationale Finanzplatzfragen geht davon aus, dass es in den nächsten Wochen «zu einer grundsätzlichen Entscheidung» kommen wird, in welcher Form die internationalen Vorgaben zwischen der Schweiz und Liechtenstein umgesetzt werden sollen.

Adäquate Lösung

Bei bürgerlichen Politikern stösst die Idee Liechtensteins auf Zustimmung. «Es handelt sich bei der Abgeltungssteuer um ein höchst effizientes Instrument», sagt CVP-Ständerat Pirmin Bischof. Enscheidend sei allerdings die Aussenwirkung: Die Schweiz dürfe nicht risikieren, international erneut unter Druck zu geraten. Katja Gey betont: «Ich gehe nicht davon aus, dass die OECD ein Problem damit hat, wenn bilateral gleichwertige Regelungen vereinbart werden, die von beiden Staaten als adäquat angesehen werden».

Die SP übt derweil scharfe Kritik: «Wir lehnen die Abgeltungssteuer als Ersatz für den AIA ab», erklärt die Basler Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer. Das Fürstentum wolle damit bloss verhindern, dass Kunden allenfalls in die Schweiz abwanderten.

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