Italien führt Gespräche mit der Europäischen Union über Möglichkeiten, die Hersteller von Supersportwagen wie Ferrari und Lamborghini vor dem geplanten Verbot von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren bis 2035 zu schützen, so ein Minister in Mario Draghis Regierung.

Während die italienische Regierung Europas Verpflichtung, die Emissionen durch die schrittweise Abschaffung der umweltschädlichsten Motoren zu senken, voll und ganz unterstütze, "gibt es auf dem gigantischen Automarkt eine Nische, und es gibt laufende Diskussionen mit der EU-Kommission" darüber, wie die neuen Regeln für High-End-Autohersteller gelten würden, die eine viel geringere Anzahl von Fahrzeugen verkaufen als die Mainstream-Hersteller, sagte Roberto Cingolani, Minister für den ökologischen Übergang, in einem Interview mit Bloomberg TV.

Die Europäische Kommission kündigte im Juli Pläne an, den Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor bis 2035 auslaufen zu lassen, um den Ausstoss von Gasen, die zur globalen Erwärmung beitragen, zu reduzieren. Dieser Zeitplan stellt vor allem für Luxusautohersteller eine Herausforderung dar, die Fahrzeuge mit leistungsstarken Motoren herstellen, die überdurchschnittlich viel Schadstoffe ausstossen. Diese Automobilhersteller haben einen deutlich geringeren Absatz, so dass die Grössenvorteile, die sich durch die Umstellung der Produktionsanlagen erzielen lassen, begrenzt sind. 

Die Anzahl der Fahrzeuge, die von einer Ausnahmeregelung betroffen wären, würde nur einen Bruchteil eines Marktes ausmachen, der in die Millionen geht, sagte Cingolani, früher bei Ferrari in leitender Stellung beschäftigt, gegenüber Bloomberg. Ferrari verkaufte im Jahr 2020 rund 9100 Fahrzeuge, während Lamborghini rund 7400 Fahrzeuge absetzte. "Wir diskutieren das mit anderen Partnern in Europa. Und ich bin überzeugt, dass es kein Problem geben wird."

Ferrari mit Rückstand

Ferrari wäre einer der ikonischsten Hersteller von Sportwagen, der von einer möglichen Ausnahme vom Ausstiegsziel profitieren würde. Das Unternehmen stellt immer noch kein vollelektrisches Fahrzeug her und hat sich nur langsam auf die Elektrifizierung eingelassen. Ein Sprecher von Ferrari lehnte es ab, die Äusserungen Cingolanis zu kommentieren. 

Der italienische Hersteller wird sein erstes Fahrzeug, das vollständig mit Batterien betrieben wird, im Jahr 2025 vorstellen, sagte der Chef John Elkann Anfang Jahr. Im Gegensatz dazu ist der vollelektrische Taycan von Porsche bereits seit 2019 auf der Strasse. Ferrari wird auf einem Kapitalmarkttag im nächsten Jahr weitere Details zu seinen Plänen bekannt geben. Das Unternehmen wird 2022 mit dem Verkauf seines ersten SUV, dem Purosangue, beginnen - Jahre nach der Markteinführung des Bentley Bentayga und des Lamborghini Urus.

Die Umstellung auf E-Motoren wird eine der wichtigsten für den neuen Ferrari-Chef Benedetto Vigna sein, der am 1. September sein Amt angetreten hat. Vigna wechselt vom Genfer Chiphersteller STMicroelectronics zu Ferrari. Er leitete die Abteilung des Chipherstellers, die wichtige Sensoren für das iPhone von Apple und die Navigationssysteme der Autohersteller liefert.

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(Bloomberg/spm)