Die Schweizer Nationalbank (SNB) reagiert auf die anhaltende Frankenstärke und führt Negativzinsen ein. Guthaben auf den SNB-Girokonten werden künftig mit einem Zins in Höhe von minus 0,25 Prozent belastet, teilte die SNB am Donnerstagmorgen mit. Damit strebe sie an, dass der Dreimonats-Libor in den negativen Bereich fällt, heisst es in der Mitteilung. Der Euro gewann unmittelbar an Wert und notiert derzeit bei 1,2070 Franken – nachdem er zuvor bereits bei fast 1.2000 gelegen hatte.

Die SNB dehnt deshalb das Zielband für den Dreimonats-Libor auf minus 0,75 Prozent bis 0,25 Prozent aus und erweitert es auf seine übliche Breite von einem Prozentpunkt. Der Negativzins wird auf Guthaben erhoben, die einen bestimmten Freibetrag übersteigen. Er soll ab dem 22. Januar 2015 und bis auf weiteres erhoben werden.

Negativzinsen unterstützen den Mindestkurs

Die Nationalbank bekräftigt in der Mitteilung den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro. Sie werde diesen weiterhin mit aller Konsequenz durchsetzen. Der Mindestkurs bleibe das zentrale Instrument, um eine unerwünschte Verschärfung der monetären Rahmenbedingungen durch eine Aufwertung des Frankens zu verhindern, so die SNB.

Die Einführung von Negativzinsen mache das Halten von Frankenanlagen weniger attraktiv und unterstützt damit den Mindestkurs, schreibt die Nationalbank. In den vergangenen Tagen hätten verschiedene Faktoren zu einer stärkeren Nachfrage nach sicheren Anlagen geführt, schreibt die Nationalbank.

Griechenland und Russland trieben Investoren in den Franken

Namentlich sind das die politische Krise in Griechenland und die Finanzpanik um Russland. Ende vergangener Woche wurde bekannt, dass in Athen die Wahl des neuen Präsidenten vorgezogen werde. Am gestrigen Mittwoch blieb der erste Urnengang ergebnislos. Weil der Koalition in Athen die Stimmen fehlen, ist sie auf die Unterstützung anderer Parteien angewiesen. Diese ist jedoch fraglich. Im schlimmsten Fall drohen spätestens im Februar Neuwahlen.

Anfang 2015 könnte die Euro-Krise dann wieder hochkochen, befürchten Experten. Das trieb Anleger bereits Ende vergangener Woche in den Franken. Am Dienstag dann verschärfte sich die Panik an Russlands Finanzmärkten dramatisch. Die Moskauer Börse und der Rubel brachen massiv ein.

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SNB intervenierte in dieser Woche offenbar massiv

Da dürfte die Nationalbank deutlich interveniert haben, um den Franken zu schwächen und die Wechselkursgrenze zu verteidigen. «Vermutlich hat die SNB den ganzen Tag geboten, da der Euro-Franken-Kurs grösstenteils bei 1,2009 gehandelt wurde», sagte Peter Kinsella, Analyst bei der deutschen Commerzbank. Ein Indiz für eine Intervention der SNB am Devisenmarkt könnte das gigantische Handelsvolumen sein. «Die Nettoverkäufe lagen bei über 8 Milliarden Euro», so Kinsella. Normalerweise liege das Handelsvolumen deutlich tiefer.

(awp/sda/ise/moh/ccr)